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Wochenrückblick #2
von Tobias Henke
22.02.2012

Die Ruhe nach dem Tropensturm? Am vorvergangenen Wochenende stürmte das Who-is-who der Magic-Welt noch die Pro Tour auf Hawaii (der Wochenrückblick berichtete), die Verschnaufpause im Anschluss währte allerdings nicht sehr lange. Bei den StarCityGames-Open in Charlotte zeigte sich unter anderem, wie das Standardformat auf die jüngsten Ergebnisse der Pro Tour reagierte, beim Grand Prix in Lincoln wurde Modern gespielt und beim Grand Prix in Kobe präsentierte sich zum ersten Mal das neue Limitedformat als Alleinunterhalter. Und auch in heimischen Gefilden wurde wieder fleißig gezockt, nämlich beim Hamburger PTQ, ebenfalls im Modernformat.


Von Hamburg nach Barcelona

Für die Pro Tour Avacyn Restored, die vom 11. bis 13. Mai in Barcelona stattfindet, qualifizierte sich in Hamburg Heiner Kolp. Er setzte sich in einem eher kleinen Teilnehmerfeld von 73 Spielern mit einer Caw-Blade-Variante durch, die allen Unkenrufen zum Trotz durchaus guten Nutzen zumindest aus einer Dark Ascension-Karte zog. Er verzichtete nämlich auf Squadron Hawk und verwendete stattdessen drei Lingering Souls.

Heiner Kolp

5 Island
2 Plains
3 Scalding Tarn
2 Marsh Flats
3 Hallowed Fountain
1 Godless Shrine
1 Watery Grave
3 Seachrome Coast
2 Celestial Colonnade
3 Mutavault
1 Blinkmoth Nexus
2 Vedalken Shackles
1 Mortarpod
1 Sword of Feast and Famine
1 Batterskull
4 Path to Exile
1 Repeal
4 Cryptic Command
4 Vendilion Clique
1 Gitaxian Probe
3 Lingering Souls
4 Snapcaster Mage
1 Steelshaper's Gift
4 Spell Snare
3 Mana Leak


Sideboard:

3 Kitchen Finks
1 Timely Reinforcements
2 Disenchant
1 Sword of War and Peace
2 Wrath of God
1 Engineered Explosives
1 Vedalken Shackles
1 Linvala, Keeper of Silence
2 Mindbreak Trap
1 Threads of Disloyalty


Ebenfalls in die Top 8 schafften es einmal Affinity, einmal Bant, einmal UB-Delver, ein weiß-schwarzes Tokendeck (inklusive Lingering Souls, Intangible Virtue und Leyline of the Meek), zwei Melira-Decks (davon einmal das TrashT-Spezial mit Gifts Ungiven) sowie Pyromancer Ascension. Pyromancer Ascension? Richtig – nix mit Grapeshot, Riten und Past in Flames, sondern ein ganz klassisches Ascension-Deck, pilotiert vom ausgewiesenen Ascension-Experten Tobias Dreger, der sich mit dem Archetypen auch schon ins Finale der letzten Deutschen Meisterschaft gespielt hatte. Alle Top-8-Decklisten vom PTQ findet ihr im Forum.

Allerdings sind die Listen aus Hamburg mehr wegen der räumlichen Nähe als wegen ihres Wahrheitsgehalts interessant. Wer die große Decktech sucht, wird eher bei einem anderen Turnier fündig, welches mit 716 Spielern und unzähligen Profis wohl doch ein Stück aussagekräftiger war


Von Honolulu nach Lincoln

Diese Reise unternahmen unter anderem Willy Edel, David Ochoa, Brian Kibler, Owen Turtenwald, Conley Woods, Craig Wescoe, Matthias Hunt, Gerry Thompson, Martin Jůza, Lukas Blohon, Tom Martell, Sam Black, Raphal Lvy, Luis Scott-Vargas und Andrew Cuneo, um nach der Pro Tour gleich mit einem Grand Prix weiterzumachen. In der Top 8 landeten die beiden Letztgenannten, Thompson bekam über Tiebreaker lediglich den undankbaren neunten Platz, PT-Champ Kibler wurde Elfter, der amtierende Rookie of the Year Hunt wurde 14., Jůza 17., Edel 27., Turtenwald 46. – der Rest landete außerhalb der Preisränge. Insgesamt mal wieder eine schicke Korrelation zwischen Top-Namen und Top-Platzierungen. (Zyniker dürfen an dieser Stelle jetzt freilich eine schnippische Bermerkung in Bezug auf Grand-Prix-Byes einwerfen.)

Ganz übersehen? Ja genau. Andreas Ganz, der als Einziger zumindest für einen Teil der Leserschaft die quadratische Heimatflagge hochhielt, brachte es auf einen 40. Platz, immerhin gut für einen Pro-Punkt und 200 US-Dollar. Der Mensch ist irgendwie immer überall und fast immer im Geld, aber leider selten oberhalb des Radars. Das selbstverständlich einzig eine Frage der Zeit

Turtenwalds Zoodeck wurde ausführlich behandelt, Kiblers Doran-Deck durfte sich im Featurematch präsentieren und dann gab es da natürlich die Top-8-Decks: zweimal Jund, zweimal Affinity und vier tatsächlich interessante Decks. Luis Scott-Vargas setzte fort, was er in diversen Videos auf ChannelFireball angefangen hatte, und führte UW-Tron, inklusive des Reanimatorplans aus Gifts Ungiven auf Fatty und Unburial Rites, zu einem dritten Platz. Andrew Cuneo brachte wenigstens eine Dark Ascension-Karte bis ins Finale; sein Mikaeus, the Unhallowed fungiert in der Kombination mit Viscera Seer und Kitchen Finks/Murderous Redcap zur Not als gleichwertiger Ersatz für Melira, Sylvok Outcast. Samuel Karls demonstrierte derweil, dass monoblaue Feen ein echtes Deck sind, wenn auch mehr durch seine Anwesenheit in der Top 8 als seine Viertelfinalsniederlage in einem mutmaßlich schlechten Matchup. Bleibt noch ebenjenes Deck, das zunächst die Feen frühstückte, dann Affinity besiegte und schließlich im Finale gegen Cuneos Kombodeck triumphierte:

Bronson Magnan

4 Blackcleave Cliffs
2 Blood Crypt
1 Bojuka Bog
1 Fire-Lit Thicket
1 Forest
2 Ghost Quarter
4 Graven Cairns
1 Lavaclaw Reaches
2 Misty Rainforest
1 Mountain
1 Overgrown Tomb
1 Stomping Ground
1 Swamp
1 Twilight Mire
1 Urborg, Tomb of Yawgmoth
4 Verdant Catacombs

4 Countryside Crusher
4 Dark Confidant
4 Tarmogoyf


3 Flame Jab
3 Inquisition of Kozilek
4 Life from the Loam
4 Raven's Crime
3 Seismic Assault
3 Liliana of the Veil

Sideboard:

3 Ancient Grudge
2 Darkblast
1 Inquisition of Kozilek
1 Jund Charm
2 Nature's Claim
3 Obstinate Baloth
1 Pyroclasm
2 Torpor Orb


Im Grunde handelt es sich hierbei um ein Aggroloam-Deck, wie es das früher schon mal im Extended gab. Den Vorteil, den man damals über Tranquil Thicket und Co. aus Life from the Loam zog, muss man sich heutzutage allerdings etwas mühsamer – und destruktiv statt konstruktiv – durch Raven's Crime und Flame Jab erarbeiten. Ähnliche Versuche waren bereits vor einiger Zeit durchs Netz gegeistert, überwiegend jedoch weniger aggressiv (also ohne Countryside Crusher, Seismic Assault), dafür mit mehr Spielereien (Burning Vengeance). Rückbesinnung auf alte Tugenden vermutlich.


Von Pearl Harbor nach Japan

Der Grand Prix in Lincoln war bereits massiv vom Gastgeberland dominiert, dennoch überhaupt kein Vergleich zum parallel beziehungsweise ziemlich perfekt zeitversetzt stattfindenden Grand Prix in Kobe. Kein Wunder, denn alle europäischen Weltenbummler, die auf dem Rückweg von Hawaii noch ein Turnier mitnehmen wollten, gaben natürlich Lincoln den Vorzug, und die Amerikaner sowieso.

Entsprechend wenig Aufmerksamkeit bekam das Event, was allerdings nicht zuletzt daran gelegen haben dürfte, dass 60-Karten-Decks, wenn nicht spannender, so doch zumindest besser für die Berichterstattung geeignet sind als die mit den 40 Karten. Wer interessiert sich schon dafür, dass Rot im Sealed die erfolgreichste Farbe war oder welcher Dark Ascension-Spoiler am spoilerigsten ist? Für die Draftdecks aus der Top 8 schließlich interessierte sich dann nicht einmal mehr die Coverage.

Dabei waren die Preisränge auch hier einigermaßen prominent besetzt: Katsuhiro Mori wurde Fünfter, Yuuya Watanabe wurde Siebter, auf Platz 15 landete Koutarou Ootsuka, auf Platz 29 Shu Komuro, auf Platz 34 Tsuyoshi Fujita, auf Platz 35 Akira Asahara, auf Platz 43 Makihito Mihara und auf Platz 55 Masashiro Kuroda. Und das sind nur die acht Namen, die selbst ich mir mal irgendwann gemerkt hatte, was nicht viel heißen muss, sondern schlicht daran liegt, dass von denen im Schnitt jeder zweimal die Top 8 einer Pro Tour erreicht und ein halbes Mal gewonnen hat und dass pro Kopf außerdem neun Top-8-Platzierungen und zwei Siege bei Grand Prix zu Buche stehen.


Von der Pro Tour zur Open Series

Das ist ja doch irgendwie ein Rückschritt Aber während sich die Topbesetzungen in den beiden Grand Prix bekämpften, konnte man bei der Open Series in Charlotte wenigstens Standard und Legacy spielen. Ob sich im Legacy wirklich etwas getan hat, kann ich leider nicht sagen, deshalb geht's zum heutigen Abschluss noch einmal kurz um Standard.

Die Top-16-Decks zeigten neben einem überraschenden Wiedererstarken von weiß-blauen Menschendecks vor allem, dass das weiß-blau-schwarze Geisterdeck seinen Erfolg von der Pro Tour besser fortsetzen konnte als das rot-grüne Rampdeck mit Huntmaster of the Fells. Auf Platz 1 landete ein recht gewöhnliches Monorot, wirklich interessant ist dafür die Liste vom Zweitplatzierten:

Phillip Fortner

12 Swamp
4 Darkslick Shores
4 Drowned Catacomb

4 Diregraf Captain
4 Diregraf Ghoul
3 Fume Spitter
4 Geralf's Messenger
4 Gravecrawler
4 Phantasmal Image
4 Skirsdag High Priest


4 Geth's Verdict
4 Tragic Slip
3 Mortarpod
2 Liliana of the Veil

Sideboard:

3 Porcelain Legionnaire
4 Surgical Extraction
4 Vapor Snag
4 Corrosive Gale


Über dasselbe Deck gab es bereits vor ein paar Wochen einen Artikel auf PlanetMTG, wenn auch mit einigen entscheidenden Unterschieden. Wie brillant Mortarpod zu Gravecrawler/Diregraf Captain/Geralf's Messenger passt, wurde damals noch im Forum angemerkt, Phillip Fortner ging nun sogar ein Stück weiter und forcierte das Morbid-Thema einerseits mit Fume Spitter, andererseits mit mehr Tragic Slip und Skirsdag Cultist. Falls Letzterer sich bewährt, wäre somit auch das viel lamentierte 2-Drop-Problem gelöst. Selten in Magic ein Puzzle gesehen, wo alles so hübsch passt!

Am Wochenende wird beim Grand Prix in Baltimore weitergepuzzelt, bevor nächste Woche dann auch in Lille Standard ansteht. Vorher geht's für mich und manche von euch aber erst mal nach Madrid.




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