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Wiedergeburt
von Jonathan Naumann
16.05.2011

Herzlich willkommen, liebe Leser, zu einer neuen Ausgabe des rasenden Rennschweins. Einige unter euch kennen vielleicht schon meine ersten beiden Artikel, die jeweils das Vengevine in einer passenden Umgebung darstellten, und auch diesmal möchte ich euch wieder einladen, etwas über das kleine flinke Wesen zu lesen.

Gerade in der heutigen Zeit mit den vielen National Qualifiern, Pro Tour Qualifiern und der ganzen Diskussion um einen möglichen oder unmöglichen Bann der aktuell meistgespielten Karte im Format – Jace, the Mind Sculptor – freuen sich viele über Decks, die erfolgreich gegen den Strom schwimmen können. Und trotz der Freude über ein anderes Deck kommt dennoch die Frage auf, warum solch ein Deck, wenn man doch auf so viele starke Alternativen setzen kann?

Das derzeitige Metagame setzt sich im Groben und Ganzen aus Caw-Blade (inklusive Variationen), RUG sowie Valakut im oberen Segment zusammen. Erst darunter folgen diverse mehr oder minder erfolgreiche Tier-2-Decks. Wer sich nun erfolgreich qualifizieren oder einfach beim nächsten Standard-Turnier die Top 8 erreichen möchte, spielt eines der Decks aus dem oberen Segment – was zwangsläufig dazu führt, dass man eine Menge Mirrormatches spielen muss. Zusätzlich kommt der hohe finanzielle Anschaffungspreis als Hürde dazu. Glücklicherweise kann man diesem Trend entgegensteuern und ein Deck spielen, welches so gebaut wurde, dass es das meistgespielteste Deck schlägt. Und wenn dieses Deck dann noch auf Kreaturen basiert, welche Kreatur ist dann unschlagbar? Genau, das Vengevine.


Jeder, der gerne über den Tellerrand schaut und die amerikanischen fast wöchentlich stattfindenden SCG-Open sowie die englischen PlanetMTG-Pendanten Channelfireball und StarCityGames verfolgt, hat vielleicht schon etwas über GW-Aggro gehört (in seinen zwei Ausprägungen, einmal mit Equipment und einmal mit Overwhelming Stampede). Heute möchte ich das GW-Aggro Deck mit Equipment vorstellen.


Wie ist das Deck entstanden?

Anfang März feierte in Amerika auf den SCG-Open-Turnieren Naya sein Comeback. Es wurde als Caw-Blade-Killer gehandelt, welches über Vengevine und passende Utility-Kreaturen einen Feldvorteil aufbaut. Nach einigen kleineren Erfolgen durch eher unbekanntere Spieler nahm Matt Sperling sich des Decks an. Er ließ die Farbe Rot weg und brachte mit Lotus Cobra mehr Geschwindigkeit aufs Feld. Dieses Deck spielte er dann Ende März erfolgreich auf einem SCG-Open-Turnier und erzielte recht gute Ergebnisse (Platz 20 von 360 Teilnehmern). Auch auf dem darauffolgendem Grand Prix in Dallas (ja, der mit 32-mal Jace in der Top 8) spielte er es – allerdings wurde er nur 45. (was bei über 1000 Spielern trotzdem noch ziemlich erfolgreich ist).

Durch diese Erfolge wurde sogar der aktuelle Player of the Year, Brad Nelson, auf das Deck aufmerksam und passte es dem aktuellen Meta an. Folgende Liste war noch vor dem Release von New Phyrexia aktuell:


4 Birds of Paradise
1 Llanowar Elves
4 Lotus Cobra
4 Fauna Shaman
4 Squadron Hawk
4 Vengevine
3 Stoneforge Mystic
1 Linvala, Keeper of Silence
1 Acidic Slime
1 Baneslayer Angel
1 Sun Titan
1 Sunblast Angel
2 Gideon Jura
1 Green Sun's Zenith
1 Mortarpod
1 Sword of Body and Mind
1 Sword of Feast and Famine
1 Bonehoard


4 Razorverge Thicket
3 Stirring Wildwood
2 Sunpetal Grove
4 Forest
3 Plains
3 Misty Rainforest
2 Verdant Catacombs
3 Marsh Flats

Sideboard:

1 Baneslayer Angel
1 Acidic Slime
1 Viridian Corrupter
1 Linvala, Keeper of Silence
1 Thrun, the Last Troll
2 Obstinate Baloth
3 Kor Firewalker
1 Oust
4 Journey to Nowhere



Was bringt New Phyrexia für das Deck?


Es gibt einige sehr gute neue Karten, die dieses Deck perfekt abrunden. Birthing Pod, Sword of War and Peace, Batterskull, Blade Slicer und für das Sideboard Beast Within. Diese Karten komplettieren gewissermaßen die Equipment-Ausstattung und bieten gleichzeitig eine Menge Kartenvorteil.

Beginnen wir mit Birthing Pod. Viele denken, dass diese Karte sich nicht lohnt, solange Fauna Shaman noch im Standard ist. Das ist aber nicht so. Der Pod wandelt unsere kleinen Kreaturen in größere. Aus Birds of Paradise wird ein Fauna Shaman, aus Stoneforge Mystic wird ein Blade Splicer und aus Blade Splicer wird ein Vengevine – der Golem bleibt aber und aus einem Acidic Slime wird ein Sun Titan, das ist doch was.


Um den Pod allerdings richtig zu nutzen, brauchen wir eine bessere und saubere Kurve und kommen direkt auf Blade Splicer zu sprechen. Er bringt uns nicht nur Kartenvorteil, eine Gesamtstärke von vier und First Strike, nein, er übernimmt auch die bislang unbesetzte Rolle als 3-Mana-Kreatur, die in ein Vengevine verwandelt werden kann.

Sword of War and Peace und Batterskull sind weitere Ziele für den Stoneforge Mystic. Gerade Batterskull ist einfach unschlagbar, wenn er Turn 3 mit dem Mystic einfach ins Spiel gelegt wird.


Im Sideboard lacht uns in Zukunft Beast Within an. Diese Karte hat schon viel Aufmerksamkeit bekommen, aber ich möchte auch noch etwas dazu sagen. Removalspells in der Farbe Grün sind selten, gute noch seltener. Und dass dieser störende Permanents in eine Kreatur für den Gegner umwandelt, ist für ein Deck mit potenziell schier unendlich vielen 4/3ern beileibe kein Beinbruch. Viel lieber nimmt man es irgendwann später mit dem 3/3er auf, als jetzt Gideon Jura oder Jace, the Mind Sculptor vor der Nase zu haben. Zur Not kann Beast Within auch bei uns ein überschüssiges Land in einen sinnvolleren 3/3-Schläger verwandeln – somit ist es nie eine tote Karte.


Was ist der Plan des Decks und wie können wir ihn umsetzen?

Der grundsätzliche Caw-Blade-Plan ist es, sich mit Squadron Hawk so lange abzusichern, bis eines der Schwerter aktiv ist. Sobald das geschehen ist, steht dem Caw-Blade-Spieler eine Menge Mana zur Verfügung, um seine Position weiter auszubauen. Dabei hilft ihm Jace, the Mind Sculptor und im späteren Spielverlauf Gideon Jura. Und gerade Gideon Jura kann Spiele komplett drehen und ist für alle Aggrodecks schwer zu besiegen.

Um erfolgreich gegen Caw-Blade und seine Varianten bestehen zu können, benötigen wir vor allem eines – eine ziemlich hohe Geschwindigkeit. Diese können wir durch frühe Manabeschleunigung und das starke Vengevines schnell erreichen. Ein Vengevine auf der Hand bedeutet fast immer auch ein angreifendes Vengevine im drittem Zug. Das Caw-Blade Deck hat zu diesem Zeitpunkt bestenfalls zwei Condemn, um sich sinnvoll dagegen zu wehren.

Im weiteren Spielverlauf versuchen wir, mit Fauna Shaman passende Kreaturen zu finden oder mit Birthing Pod aus kleinen größere zu machen, die unsere Position noch weiter verbessern, und mit Stoneforge Mystic selber eines der Schwerter an unsere Kreaturen zu legen. Und selbst ein Gideon Jura kann uns nichts mehr anhaben – wir legen einfach unseren eigenen.


Die Basis des Decks

Wie bei jedem schnellen Deck dieser Art ist eine gewisse Anzahl an managenerierenden Kreaturen obligatorisch. Die Explosivität von Lotus Cobra sowie die Birds of Paradise helfen dem Deck zu den benötigten schnellen Starts mit Vengevine und Fauna Shaman oder Stoneforge Mystic im dritten Zug.

Währenddessen nimmt Squadron Hawk die Rolle der Kreatur ein, die ein Vengevine oder mehrere aus dem Friedhof holt. Der Hawk kann aber genauso gut für Fauna Shaman abgeworfen werden – es befinden sich schließlich fast immer genung auf der Hand.


4 Fauna Shaman
4 Lotus Cobra
4 Squadron Hawk
4 Vengevine
4 Birds of Paradise



Die Toolbox

Eine variable Toolbox ist das A und O des Decks, denn neben den schnellen Starts müssen für das erwartete Metagame passende Kreaturen gefunden werden können. Die hier vorgestellten Kreaturen sind hauptsächlich für das Caw-Blade-Matchup ausgewählt und können je nach Bedarf angepasst werden.

Die Toolbox ist mittlerweile allerdings an Birthing Pod angepasst. Die Kurve ist niedriger und enthält in jeder Spruchkosten-Klasse passende Kreaturen. Die Pod-Kurve ist fast immer: Birds of ParadiseStoneforge MysticBlade SplicerVengevineAcidic SlimeSun Titan. Diese Kurve ist fast nicht aufzuhalten. Aber natürlich ist genau das eher selten. Fauna Shaman rundet daher die Sache ab und bringt uns die benötigten Kreaturen schneller auf die Hand. Acidic Slime möchten wir eventuell schon im vierten Zug ausspielen und nicht erst im fünften oder sechsten.

Desweiteren sind Sun Titan und Baneslayer Angel mehr Pflicht als Kür in diesem Deck. Baneslayer Angel rettet einem sehr oft das Leben und zwar buchstäblich über Lifelink. Und Sun Titan ist nicht nur einfach ein dicker Klopper oder Finisher, nein, er ist Kartenvorteil pur. Squadron Hawk, Stoneforge Mystic, Fauna Shaman, Fetchland (für eine weitere Aktivierung der Lotus Cobra), Viridian Corrupter – all dies sind Karten, die wir uns immer gerne wieder auf Spielfeld zurückholen.


3 Blade Splicer
2 Stoneforge Mystic
1 Sun Titan
1 Acidic Slime
1 Baneslayer Angel



Sprüche und Equipment

Gideon Jura als aktives Removal für einen feindlichen Gideon ist Grund genug, ihn im Maindeck zu spielen. Interessant ist auch, dass GW ihn früher ausspielen kann als Caw-Blade. Des Weiteren ist er selbstverständlich stark gegen andere Kreaturendecks, überlebt Day of Judgment und bietet eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten.

Das Equipment-Paket geht in diesem Deck ebenfalls deutlich in die Richtung, die Boros einschlägt. Was im Boros-Deck gut ist, ist auch hier gut. Sword of Body and Mind bringt noch mehr Kreaturen auf unsere Seite und das neue Sword of War and Peace macht mehr Schaden. Batterskull wiederum ist einfach unschlagbar. Im dritten Zug uncounterbar gelegt macht er uns aus fast jeder Kreatur einen zweiten suchbaren Baneslayer Angel – selbst aus dem Germ-Token.


2 Gideon Jura
3 Birthing Pod
1 Batterskull
1 Sword of Body and Mind
1 Sword of War and Peace



Länder

Zu guter Letzt möchte ich noch einige Worte zur Manabasis verlieren. Da das Deck auf sogenannten befreundeten Farben basiert, haben wir Zugriff auf die ganzen Doppelländer und ein Manland. Allerdings setzen wir ja auf die Power der Kobra und möchten so viele Fetchländer wie möglich spielen. Daher sind die Länder so aufgeteilt, das wir acht Fetchländer bei nur sieben suchbaren Ländern spielen. Der Rest ist mit den Doppelländern aufgefüllt.

Es ist eine wackelige Angelegenheit und Lotus Cobra wird nicht optimal unterstützt, aber auch RUG spielt nur acht Fetchländer (bei besserer Farbgebung), und da wir kein Forest- und Plains-suchendes Fetchland haben, bleibt uns gar nichts anderes übrig.


4 Razorverge Thicket
3 Stirring Wildwood
2 Sunpetal Grove
4 Forest
3 Plains
3 Misty Rainforest
2 Verdant Catacombs
3 Marsh Flats



Sideboard

Das Sideboard ist gespickt mit vielen One-ofs die unsere Toolbox an die verschiedenen Gegner anpassen. Obstinate Baloth gegen Mono-Rot und Boros, Acidic Slime und Viridian Corrupter gegen weitere Artefakte und Equipment, Thrun, the Last Troll gegen Caw-Blade und Grand Architect-Decks und so weiter. Das Sideboard lässt dem Piloten eine Menge Freiheiten und muss an die zu erwartenden Gegner angepasst werden.

Um unser Matchup gegen schnellere Kreaturendecks wie Vampire und Elfen noch weiter zu verbessern, enthält das Sideboard außerdem noch Sword of Feast and Famine sowie Mortapod. Der Schutz des einen und der Schaden des anderen sind uns in beiden Matchups sehr willkommen.

Die zwei Journey to Nowhere und die zwei Beast Within werden fast zwingend im Kampf gegen Valakut-Decks gebraucht. Journey ist das Removal, welches man in diesem Matchup lieber hat als Oust. Zu Beast Within habe ich weiter oben schon einiges geschrieben.


Sideboard:

1 Sword of Feast and Famine
1 Baneslayer Angel
1 Linvala, Keeper of Silence
1 Acidic Slime
1 Viridian Corrupter
1 Mortarpod
1 Thrun, the Last Troll
2 Kor Firewalker
2 Obstinate Baloth
2 Beast Within
2 Journey to Nowhere



Abschließendes

Hier möchte ich nun noch einmal die vollständige Liste präsentieren:


4 Fauna Shaman
4 Lotus Cobra
4 Squadron Hawk
4 Vengevine
4 Birds of Paradise
3 Blade Splicer
2 Stoneforge Mystic
1 Sun Titan
1 Acidic Slime
1 Baneslayer Angel
2 Gideon Jura
3 Birthing Pod
1 Batterskull
1 Sword of Body and Mind
1 Sword of War and Peace


4 Forest
3 Plains
2 Sunpetal Grove
4 Razorverge Thicket
3 Stirring Wildwood
2 Verdant Catacombs
3 Marsh Flats
3 Misty Rainforest

Sideboard:

1 Sword of Feast and Famine
1 Baneslayer Angel
1 Linvala, Keeper of Silence
1 Acidic Slime
1 Viridian Corrupter
1 Mortarpod
1 Thrun, the Last Troll
2 Kor Firewalker
2 Obstinate Baloth
2 Beast Within
2 Journey to Nowhere


Ich hoffe, ich konnte euch das GW-Aggrodeck ein wenig näher bringen – vielleicht sogar schmackhaft machen. Ich kann dieses Deck jedem empfehlen, der erfolgreich auf einem Turnier mitspielen will, aber keinen Zugriff auf Jace hat oder einfach kein Jace-Deck spielen möchte. GW-Aggro verfügt wie Caw-Blade und Boros über eine Auswahl an Equipment und die Kombination aus Stoneforge Mystic und Squadron Hawk, dennoch spielt es sich ganz anders als diese beiden Decks und sollte vor dem nächsten Turnier natürlich ausreichend getestet worden sein.

Und ganz abseits wer Vengevine mag, wird dieses Deck lieben. In diesem Sinne, lasst das Unkraut wuchern!

Weiterführende Artikel:

Matt Sperlings Bericht über den Grand Prix in Dallas
Brad Nelsons GW-Aggro-Liste in einigen Videos von Magic Online
erste Ideen für Birthing Pod





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