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Extended
Decks … tended #2
von Tobias Henke
20.12.2010

Was bisher geschah: Letzte Woche wurde festgestellt, dass im Extendedteil der WM Cruel Control, gefolgt von Valakut, Feen, Jund und dem Tempered Steel-Deck die erfolgreichsten Archetypen waren. Zum Kontrolldeck, zu Feen und zu Tempered Steel hatte ich außerdem schon ein paar Zeilen geschrieben. Und dann war da Conley Woods' Ooze-Deck. Wenn ihr euch dafür interessiert, lohnt der Link auf jeden Fall.


An dieser Stelle möchte ich auch gleich noch einmal ansetzen.


1 Enclave Cryptologist
4 Hedron Crab
4 Merfolk Looter
4 Fauna Shaman
4 Devoted Druid
3 Morselhoarder
3 Bloodrite Invoker
4 Necrotic Ooze
1 Corpse Connoisseur

4 Thoughtseize
2 Duress
4 Makeshift Mannequin


4 Darkslick Shores
4 Verdant Catacombs
4 Misty Rainforest
3 Twilight Mire
1 Murmuring Bosk
2 Swamp
2 Island
2 Forest


Hundertprozentig ausgereift ist das immer noch nicht, aber so in etwa sieht der Alternativbau aus, von dem ich letzte Woche berichtet hatte. Anders als beim Worlds-Deck hat man mit Morselhoarder/Devoted Druid/Bloodrite Invoker im Friedhof den großen Vorteil, dass ein Necrotic Ooze sofort tötet. Und zwar gegen beliebig viel Removal. Im Gegenzug ist das Mana ein wenig abenteuerlich und Hedron Crab schwankt ständig zwischen hilfreich, nutzlos und behindert behindernd. In der Hauptsache geht es mir bloß darum, dass man das Ooze noch nicht abschreiben sollte. Was in der Lage ist, Survival of the Fittest aus dem Legacy zu verbannen, kann so schlecht nicht sein.

Jetzt aber zu den richtig erfolgreichen Decks …


Valakut, the Molten Pinnacle mit Scapeshift zu suchen, ist mittlerweile ein alter Hut. Vor einem Jahr war das fester Bestandteil des Metagames, allerdings gab es damals auch Steam Vents und Stomping Ground. Damit ergab sich quasi eine 1-Karten-Kombo: Man benötigte lediglich irgendwelche acht Länder im Spiel und musste Scapeshift resolven. Sechs Gebirge und zwei Valakut – das sind 36 Schadenspunkte! Und mit sieben Ländern (sechs Mountain plus einmal Valakut) gingen immerhin 18, was in Anbetracht der Ravnica-Doppelländer, die man ja nicht als einziger nutzte, oft bereits ausreichte.


Im Prinzip funktioniert das heutzutage weiterhin. Allerdings befinden sich die Gegner viel seltener auf 18 Leben und man selbst ist gezwungen, mit echten Standardland-Gebirgen zu arbeiten. Weniger als insgesamt acht Stück dürfen es davon schon fast nicht sein und selbst dann findet man besser noch Platz für See Beyond. Zusammen mit einem Minimum von zwei geschmolzenen Zinnen sind das zehn rote Manaquellen für ein Deck, das hauptsächlich grüne und blaue Zaubersprüche wirken möchte. Spielt man Scapeshift mit acht Ländern, sollte man sich zudem sehr, sehr sicher sein, den folgenden Counterwar zu gewinnen. Wenn der Gegner in Reaktion auf die Valakut-Fähigkeiten ein Gebirge per Cryptic Command auf die Hand zurückschicken kann, erhält er bloß sechs statt 36 Schaden.

Gerry Thompson, 4:1:1

Nichtsdestotrotz hat Gerry Thompson genau solch ein Deck zu einem 4:1:1 pilotiert. Cascade Bluffs und Manamorphose halfen ihm zwar, sein rotes Mana in blaues umzuwandeln, doch für Grün hat es dann nicht mehr gereicht. Er splashte gewissermaßen über Flooded Grove vier Scapeshift als einzige grüne Karten in ein ansonsten blau-rotes Deck. Wobei Blau den Löwenanteil der Spells und Rot den Löwenanteil der Länder beanspruchte. Hm.

Dabei gab es durchaus Abhilfe …


Prismatic Omen verleiht jedem eigenen Land als Bonus sämtliche Standardlandtypen. Das bedeutet zum einen, dass man komplett auf Gebirge verzichten kann, zum anderen, dass Valakut bereits ab dem sechsten Land aktiv ist und sich sogar selbst auslöst. Hat man fünf Länder und Prismatic Omen im Spiel und legt die Zinne, wird diese zum Beispiel gleich drei Schadenspunkte verschießen. Solange Prismatic Omen liegt, lässt sich ein Fetchland außerdem für Mana tappen, was insofern nützlich ist, als dass man es später noch opfern kann, um Valakut ein weiteres Mal auszulösen. Auf die Art ist es problemlos möglich, auch ganz ohne Scapeshift zu gewinnen, wenn man nur genug Valakut zieht.

Yehor Polschak, 5:1
Ken Yukuhiro, 5:1

Yehor Polschak und Ken Yukuhiro haben ähnliche blau-grüne Valakut-Decks zu einem 5-1-Ergebnis gebracht. Beide verwendeten bedeutend mehr Library-Manipulation als „nur“ vier Ponder und vier Preordain und beide zauberten recht viel gegen beziehungsweise beschützten ihr Omen mitunter sogar über Into the Roil. Denn das Omen ist eindeutig die Schwachstelle und ohne macht das gesamte Deck überhaupt nichts.

Okay, wenn Prismatic Omen die Schwachstelle ist und man außerdem wunderbar ohne Scapeshift auskommt, sofern man ausreichend Valakut findet – wäre es da nicht schön, einen Tutor zu haben, der je nach Bedarf das eine oder das andere suchen kann …?


Und siehe da, so etwas gibt es. Wie praktisch!

Oder? In der Praxis lief das bei mir jedenfalls eher enttäuschend. Für Valakut direkt ins Spiel zu rampen, ist eine feine Sache. für Prismatic Omen zu bezahlen, ist es nicht. 5-Mana-Sprüche sind dem Format völlig unangemessen. Und sehr viel mehr macht Wargate einfach nicht. Die entsprechenden Listen hatten zum Teil Wall of Omens, Jace, the Mind Sculptor, Oblivion Ring oder Khalni Heart Expedition, doch das ist alles Augenwischerei! Der einzig gute Verwendungszweck ist die Suche nach der Zinne. Und das ermöglicht zwar, auf bis zu ein Scapeshift herunterzugehen, aber echte Flexibilität gewinnt man durch die dritte Farbe auch nicht. Von außen sieht die Wargate-Variante total beeindruckend aus; so als ob sie ganz viele tolle Sachen anstellen könnte. Bei näherer Betrachtung erweist sie sich jedoch als Mogelpackung. Der typische Scheinriese. Zumal Weiß an der Manabasis keineswegs spurlos vorübergeht. Der berühmte Valakut-Plains-Flooded Grove-Start ist selten, aber er kommt vor. Und zumindest Turn 4 Cryptic Command-Mana zu haben, gestaltet sich häufiger schwierig, als wünschenswert wäre. Wenn ich wetten müsste, würde ich mein Geld auf die blau-grüne Version setzen.

Ryo Tasaki, 5:0:1
Masashi Oiso, 5:1
Shuhei Nakamura, 4:1:1

Ungeachtet dessen haben ein ehemaliger Spieler des Jahres, ein sechsfacher PT-Top-8-ler und ein … weiterer Japaner damit klar positiv abgeschnitten. Ich denke allerdings, der Faktor „Hilfe-ich-spiele-gegen-ein-wirres-Japaner-Deck-das-komische-Dinge-macht-und-ich-weiß-nicht-was-ich-tun-soll“ spielte dabei eine ebenso große Rolle wie die Qualität der Piloten und die selbstverständlich unbestreitbare Stärke der Prismatic Omen-Valakut-Kombination.

Wo wir grad bei 2-Mana-Verzauberungen sind, die im Kontext ihres jeweiligen Decks unbeantwortet mehr oder weniger automatisch gewinnen …


Pyromancer Ascension war bei der WM weder besonders gut vertreten noch besonders erfolgreich. Dass es niemand auf 13 Punkte schaffte, ist in Anbetracht von lediglich sieben Spielern in einem Gesamtfeld von 316 jedoch kaum aussagekräftig und ein gewisser Jeremy Neeman brachte im Swiss immerhin ein 8:2 zustande. 8:2? Ja genau, als australischer Vizemeister durfte er vier Teamrunden zusätzlich spielen, die er allesamt gewann. Kein Wunder, seine Liste ist wirklich empfehlenswert:

Jeremy Neeman

4 Cascade Bluffs
8 Island
6 Mountain
4 Scalding Tarn

4 Burst Lightning
4 Cryptic Command
2 Jace's Ingenuity
4 Lightning Bolt
4 Mana Leak
4 Manamorphose
4 Ponder
4 Preordain
4 Pyromancer Ascension
4 See Beyond


Sideboard:

4 Pestermite
3 Spell Pierce
4 Splinter Twin
4 Volcanic Fallout


Ascension ist dasjenige Deck, welches ich vor, während und nach der WM mit Abstand am meisten getestet habe. Wie stark es im Vergleich zur Standard-Fassung eigentlich ist, erschließt sich einem möglicherweise nicht auf den ersten Blick. Manamorphose und Cryptic Command sind dermaßen unverschämt, das glaubt man gar nicht. Ich habe allen Ernstes einmal einen Feenspieler Turn 3 totgeschossen! Okay, daran waren zugegebenermaßen dreimal Manamorphose sowie eine glücklich getopdeckte Ascension und von gegnerischer Seite je ein Fetchland, Thoughtseize und eine Bitterblossom beteiligt. Der Extraspeed, für den Manamorphose sorgt, ist dennoch, auch in weniger erlesenen Szenarien, bemerkenswert. Während man im Standard ständig an die Grenzen des eigenen Mana stößt, kann man hier auf einmal doch noch weiterspielen. In einer anderen Partie hatte ich gerade meine erste Ascension aufgeladen und überlegte nun, entweder mit meinen letzten beiden Ländern enttappt den Zug abzugeben oder mich für die Manamorphose in meiner Hand auszutappen. Das Ende vom Lied war, dass ich später im selben Zug drei aktive Ascensions kontrollierte und meinen Gegner schlicht rausbrannte. Auf Time Warp, den man im Standard so schmerzlich vermisst, verzichtet man hier jedenfalls gerne.

Research the Deep statt See Beyond und Jace Beleren statt Jace's Ingenuity sind in meinen Augen die einzigen Veränderungen, die diskutabel sind. Was nicht heißt, dass ich nicht alles Mögliche und Unmögliche ausprobiert hätte. Neben den genannten inklusive Time Warp waren das: Call to Mind, Howling Mine, Pyroclasm, Reborn Hope und sogar Twisted Image. Wenn man oft genug gegen Birds of Paradise/Noble Hierarch oder Hellspark Elemental/Ball Lightning/Teetering Peaks spielt, kommt man halt auf komische Ideen. Ach ja, mit der Pestermite-Splinter Twin-Kombo aus dem Sideboard überrascht man mittlerweile niemanden mehr und ich würde unbedingt einen Mountain durch eine Island ersetzen.

Das war's auch schon wieder. Ich könnte jetzt eine Menge zum Umgang mit dem Deck schreiben, aber letztlich hilft nur eins: Ihr müsst es ausgiebig testen, wenn ihr damit bei den Extended-PTQ im neuen Jahr antreten wollt. Es ist kompliziert wie kein zweites! Lasst euch mal von Jeremy Neeman erzählen, wieso Australien nicht Teamweltmeister geworden ist. Was er da zu Beginn über Entscheidungsfindungsprozesse im Allgemeinen schreibt, ist zumindest fragwürdig, doch die konkrete Spielsituation, die er dann über mehrere Seiten ausführlich behandelt, hat es echt in sich!

Nächste Woche berichten wir live vom großen Jahresendevent aus Hanau, wo ich hoffentlich trotz Wetterlage ganz viele von euch sehen werde. Bis dahin denkt immer daran, dass Schnee eigentlich etwas Schönes ist!


Vorgesternabend stand auf einmal dieser Typ hier direkt vor meiner Haustür und grinste fett. WTF?!




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