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Eternal
Spanien vs. Autor: 2-0
von Pascal Baatz
09.03.2010



Das größte Magic-Turnier aller Zeiten steht bereits in den Geschichtsbüchern und wird allerorts durch PT-San-Diego-Artikel und Videos übertönt. Da GP Madrid gleichzeitig auch das größte Legacyturnier aller Zeiten war, wird mich dieses Event noch eine Weile beschäftigen und dementsprechend mit Artikeln aufbereitet. Bevor ich aber zu objektiven Betrachtungen aushole, hier erst einmal der Grand Prix aus ganz persönlicher Sicht.

Gierig wie man ist, reichte mir ein Ratingbye für den Grand Prix Madrid nicht, also wurden im Vorfeld sechs Trials in den BeNeDeu-Staaten angefahren, um aus der Eins eine Drei zu machen. Die zwei Viertelfinale, die ich erreichte, wurden verloren, das Rating insgesamt an die Wand gefahren und so aus der Eins eine Null. Nach der Trialsaison musste nun ein Deck her, dass sich durch den, überspitzt gesagt, Formatkehricht schlagen kann. Mit dem Kartenpool des ganzen Teams konnte ich mir im Prinzip jedes Deck bauen, welches ansatzweise gut ist, aber am besten erschien mir CounterTop, da es flexibel ist, es keine Hatekarten gibt, die gleich das ganze Deck ausschalten können, und ich das Deck noch am besten spielen kann. Des Weiteren ging ich von einer großen Zahl an Combodecks aus.


Auf das Grundgerüst des Decks habe ich dann nicht etwa Planeswalker oder Natural Order/Progenitus gesetzt, um Spiele schnell gewinnen zu können, sondern Stoneforge Mystic und Equipment. Das ist zwar kein herkömmlicher Finisher, da er in kleinen Häppchen und über Runden verteilt angeliefert und zusammengebaut wird, dafür ist die Mystikerin und vor allem das Equipment speziell in den schwierigen Matchups wie Zoo und Merfolk gut. Virtuell vier Equipments und Kartenvorteil sowie frühe Kreaturen sind genau das, was man gegen solche Decks benötigt. Auch in Matchups, die man weitestgehend als Bantmirror bezeichnen kann, hat man dank Equipment oft die besseren Kreaturen auf dem Tisch. Ergänzt wird das Maindeck durch einen Enlightened Tutor-Plan im Sideboard. So kann man in manchen Matchups z.B. die Mystics durch Tutoren ersetzen bzw. ergänzen und hat neben CounterTop und potenten Hatekarten immer noch Zugriff auf das Equipment.

„TS Crew.No Leviathan

3 Misty Rainforest
3 Flooded Strand
2 Windswept Heath
3 Tundra
3 Tropical Island
2 Island
1 Plains
1 Forest
1 Celestial Colonnade

4 Noble Hierarch
3 Qasali Pridemage
2 Stoneforge Mystic
4 Tarmogoyf
3 Rhox War Monk

4 Force of Will
3 Counterbalance
2 Spell Snare
4 Brainstorm
2 Ponder
3 Sensei's Divining Top
4 Swords to Plowshares
1 Path to Exile
1 Sword of Fire and Ice
1 Umezawa's Jitte


3 Path to Exile
1 Trygon Predator
2 Clone
2 Enlightened Tutor
1 Engineered Explosives
1 Pithing Needle
1 Tormod's Crypt
1 Wheel of Sun and Moon
2 Ethersworn Canonist
1 Oblivion Ring

Diese und weitere Karten gibt's bei:


Ich glaube, jetzt besteht immer noch einiges an Erklärungsbedarf. Im Maindeck habe ich nach vielen Testspielen nun endlich die Daze ersetzt, die im aktuellen Meta einfach schlecht sind. Mit CounterTop will man genau wie bei richtigen Kontrolldecks auf keinen Fall die ersten drei bis vier Landdrops verpassen. Dagegen könnte man einwenden, dass man ja inzwischen Noble Hierarch spielt, doch die Druidin steht auch nicht auf Abruf zur Verfügung. Außerdem ist und bleibt Daze im Late Game schlecht. Sicher gibt es Ausnahmen, aber eigentlich will man doch Karten, bei denen es Ausnahmesituationen gibt, in denen sie schlecht sind, und nicht andersherum. Ein weiterer Punkt an dem Tempo-Threshold dank Manadenial auf bewährten Pfaden wandert und CounterTop sich neue Wege bahnt.

Im Gebüsch neben den ausgetrampelten Pfaden finden sich die Fußspuren von Celestial Colonnade, zwei Spell Snare und Path to Exile. Das Worldwake-Manland stört als Tapland nur sehr selten, wird aber auch nur selten aktiviert. In den Testspielen hat es jedenfalls besser abgeschnitten als ein anderes Land, das nur Mana oder wie Nantuko Monastery nur farbloses Mana produziert. In Anbetracht des 8-Swords/Path-Plans aus dem Sideboard ist eine weitere -Quelle auch genau das Richtige. Spell Snare sind ein funktionaler Ersatz für Daze, da sie ebenso Probleme lösen, aber auch im Late Game gut sind. Mit vier CMC-2-Slots weniger sind die Snares außerdem nötig, um Counterbalance zu unterstützen. Path to Exile als fünfte Swords to Plowshares hat sich schon länger bewährt, aber vorher hatte ich aufgrund von Stoneforge Mystic keinen Platz. Wer sich jetzt die ganze Zeit fragt warum nur drei Counterbalance und Sensei's Divining Top gespielt werden, dem sei gesagt, dass der Lock in vielen Matchups gar nicht mehr so gut ist wie früher einmal. So hat man im Maindeck ggf. weniger tote Karten und mit Enlightened Tutor aus dem Sideboard bekommt man seinen Softlock immer noch besser zusammen als Decks, die jeweils vier spielen.


Das Sideboard erklärt sich weitestgehend von selbst, weitestgehend… Erinnert ihr euch noch, als ich meinte, dass gerade die letzten zwei Karten für mein Deck angekommen wären und niemand erraten würde, welche es sind? Es waren die beiden Klone, welche die beste (nicht zerstörbare) Antwort auf Progenitus und Iona, Shield of Emeria (auf Weiß, wie immer gegen CounterTop) darstellen. Zudem kann man sie auch generell im Bantmirror oder gegen Decks mit Engineered Explosives/Academy Ruins-Lock bis CMC 3 boarden. Der Gestaltenwandler ist im richtigen Moment immerhin ein Tarmogoyf, der an Spell Snare und Counterbalance vorbeischleicht und für Letztere auf der eigenen Seite des Tisches einen Viererslot bietet.

Byebracket

Nachdem sich ZWEITAUSENDZWEIHUNDERTSIEBENUNDZWANZIG Spieler angemeldet haben (Legacy interessiert ja wirklich niemanden) und ein paar hundert Stühle fehlen, bekomme ich von meinem stehenden Gegner Ivan Pastor Cuesta direkt besagtes Kehrichtmatchup präsentiert. Die ersten Kreaturen, die ich sehe, sind Watchwolf, Gaddock Teeg und Espada susurrante nayana (schaut ruhig nach, ich warte solange…). In beiden Spielen sehe ich auch noch Kitchen Finks und Knight of the Reliquary sowie Spielereien wie Oblivion Ring und Crused Scroll, die auf eine eigenwillige Version von Enlightened Rock ohne Schwarz schließen lassen. Ich lasse mir jeweils brav die Counterbalance zerschreddern, beseitige die schlimmsten Kreaturen und gehe dann mit ausgerüsteten Tretern in die Offensive. Removaltechnisch an Balances und Goyfs verausgabt setzt Ivan dem nichts mehr entgegen, was ein Counter nicht erledigen könnte. In Spiel 2 nimmt das Ganze dann besonders alberne Züge an, als mein Tarmogoyf mit beiden Equipments nach einigen Chumpblocks für 17 Schaden vorbeischneit. 21 zu vier uuund Handschlag.

Alejandro Bermejo Roger und Yannick Bouloc kennen sich bestimmt nicht, aber haben eines gemeinsam. Sie begegnen mir auf meinem Weg zu den drei Byes und spielen beide Ad Nauseam-Tendrils. Beide Matches gewinne ich mit maßgeblicher Hilfe von Ethersworn Canonist, wobei es mir auch weiterhilft, das einer auf Deutsch ist und der Spanier ihn nicht so recht lesen möchte. Erklären lassen will er ihn sich dann auch nicht, sondern spielt im letzten möglichen Zug, in dem er abgehen kann, Duress auf Duress. Ich zeige auf den Kanonisten uuund Handschlag. Ein dummer Fehler, der mich ein Spiel kostet, passiert mir aber dennoch, als ich mit einem Brainstorm nicht Force of Will für die Counterbalance zurücklege und prompt nächste Runde mit Ad Nauseam konfrontiert werde. Ich bin immer noch nicht dahintergekommen, was ich mit einem Rhox War Monk auf der Counterbalance zu neutralisieren hoffte. Schätzungsweise meine Müdigkeit, da ich nach diesem Fehler plötzlich sehr wach war. In der dritten Runde gibt es noch eine interessante Situation, als er mir mit Dark Confidant Spell Pierce zeigt, aber nicht meinen Enlightened Tutor countert. Als ich Ethersworn Canonist raussuche, verrät mir seine Mimik, dass er damit nicht gerechnet hat, was aber mehr oder weniger egal ist, da ich auch noch eine Counterbalance parat habe und eins der beiden sowieso resolvt wäre.

Loserbracket

So die ersten drei Runden des Grand Prix sind rum und ich komme erfrischt mit Byes ins Turnier… NICHT! Zwar stehe ich 3-0-0 aber zweimal gegen ANT zu spielen, die vielen Leute und der Lärm sind nicht gerade konzentrationsfördernd. Manuel Jesus Garcia, mein Gegner aus Runde 4 macht es mir da glücklicherweise leicht. Er spielt so etwas in Richtung Eva Green und zerstört mir alles, ohne dass ich mich wirklich wehren könnte. Thoughtseize und Hymn to Tourarch für die Hand, Wasteland fürs Mana, aber vor allem Doom Blade, Gatekeeper of Malakir, Ghastly Demise und Maelstrom Pulse für den Rest. Kein Permanent liegt länger als eine Runde und er nimmt nur Schaden vom Fetchen im ersten Spiel. Im zweiten Spiel schaffe ich es irgendwie einen Rhox War Monk lange genug am Leben zu erhalten, während links und rechts Counterbalance und Kreaturen en masse eingehen. Ein Noble Hierarch zeigt sich dann auch noch und beschleunigt seinen Untergang, damit er nicht noch einen seiner unzähligen Removalspells findet. Im dritten Spiel sieht es sehr gut für mich aus. Ich lasse brav seine Zerstörungsorgie über mich ergehen, bis wir beide auf wenig Handkarten sind. Er hat zwar einen Dark Confidant, ich aber einen Mystic mit Sword of Fire and Ice. Als er dann einen Tombstalker topdeckt, wendet sich das Blatt. Mein ebenfalls per Topdeck angeliefertes Swords to Plowshares spiele ich auf Confidant damit ich mit Mystic durchkomme und eine Karte ziehe (er ist dann noch auch 14). Leider bekommt er auch ohne Dark Confidant das Removal und ich ziehe nichts mehr. Als ich ihm die Hand reiche, meint er, dass ich unglaublich gut gespielt hätte, und dankt mir für die spannenden Spiele. Er meint, dass Swords auf Dark Confidant richtig war, um ihn von Karten abzuschneiden und im Race vorne zu bleiben. Als er mir dann noch zeigt, dass er zusätzliche Smother reingeboardet hat, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Zwar hätte ihn meine Kreatur mit Equipment tatsächlich geract, aber es war eben nur eine und sein Deck hat nach dem Boarden wahrscheinlich mehr Removal als ich Kreaturen.


Mit 3-1-0 werde ich einem konfus wirkendem Javier Abajo zugelost, der einen blaues Kontroll/Klaudeck spielt mit Splashes in Weiß und Schwarz für irgendetwas, das ich bis im letzten Spiel nie zu Gesicht bekomme. Sein Deck ist eher schlecht gegen mich aufgestellt und er verwendet Daze auch einfach mal auf einen Spell von mir, den ich nachbezahlen kann, Facepalm inklusive. Das Problem ist nur, dass er der zweitlangsamste Magic-Spieler ist, den ich kenne. Ich ermahne ihn andauernd, aber als er dann Sensei's Divining Top zieht, beiße ich in den Tisch, dass ich das Artefakt gerade nicht forcen kann, um das Spiel zu beschleunigen. Das erste Spiel gewinne ich wieder über irgendeinen Bären mit Equipment, nachdem er vorher alles gecountert hat. Im zweiten nehme ich einen Mulligan und komme nicht gut ins Spiel. Wir racen uns schließlich, aber eine Vendilion Clique mit Jitte kann mehr als ein Stoneforge Mystic mit Sword of Fire and Ice. Was? Kartenvorteil? Nee, nicht wenn ich kein einziges meiner Swords und Path ziehe oder durchbekomme. Mit knapp zehn Minuten auf der Uhr ahne ich schon Schlimmes und Javier enttäuscht mich nicht. Er hat wieder einen Top und ich keine Force. Er schaut End of Turn von mir rein als Time ausgerufen wird. So erhalte ich nur zwei Extraturns, brauche aber drei um ihn mit meinem Equipmentbär zu besiegen. Javier zeigt sich zufrieden mit dem Draw, ich bewege mich, außen ganz cool, innen ganz der HULK vom Tisch, bevor ein Unglück passiert. Lernt, schneller zu spielen, Leute. Ich spiele das langsame Deck und habe an dem Wochenende nur zwei Spiele bis zur Time spielen müssen.

Hundezwingerbracket

Die nächsten zwei Runden dieses Tages spiele ich an den Außenseiten des grünen Brackets das lächerlich eng gestaltet ist. Ich bin alles andere als stabil gebaut oder groß, habe aber dennoch gewaltige Platzprobleme. Meine Permanents staple ich nun überlappend turmförmig vor mir auf, Sensei's Divining Top zu aktivieren ist eine so knifflige Angelegenheit, dass ich an einer Stelle froh bin als mein Gegner einen Krosan Grip darauf spielt. Mit 3-1-1 bin ich im Single-Elimination-Modus, in welchem ich am besten funktioniere. Einen Konzentrationsschub kann ich in den beiden bevorstehenden Counterbalance-Mirrors auch gut gebrauchen. Alberto Bachiller spielt eine 4-Color-Liste, die ich im ersten Spiel via vorsichtig durchgezwängter Counterbalance auskontrolliere. In Spiel 2 liefern wir uns eine Materialschlacht epischer Ausmaße, aus der irgendwann nur noch ein Noble Hierarch mit Sword of Fire and Ice vervorgeht. Erkennt inzwischen eigentlich jemand ein Thema in diesen Beschreibungen? Ein Trygon Predator gesellt sich dazu:

„Equip Predator?“
*nicken*
„Attack.“
„Response“, switcht er den Topf und spielt Red Elemental Blast auf Predator.
„Protection from Red!“
„Then I do it before equip.“
„That's a little bit too late.“
*uuund Handschlag*

Jose M. Subiela Moreno ist da nicht weniger dreist. Er spielt CounterTop mit Natural Order/Progenitus und knallt mir in den ersten drei Runden je einen Noble Hierarch hin und garniert das Ganze mit einem Rhox War Monk. Nebenbei passiert noch ein wenig Countermagie und Removalaction, doch das ändert am Grundproblem recht wenig: null zu 37 und auf zu Spiel 2. In diesem bekommt er eine anständige Revanche. Zwar kann er meine Balance irgendwann per Grip beseitigen, aber sonst kommt er mit wenig Ländern und meinen anderen Countern nicht weit, während ich Rhox War Monk nach Rhox War Monk lege, die dann das Spiel auf 32 zu null beenden. Wer jetzt denkt, dass so ein Mirror recht lächerlich ist, und sich fragt, wann ich denn endlich Klone einsetze, um zu gewinnen, der wird Spiel 3 interessant finden: Wir beide legen die üblichen Kreaturen aus, haben aber wenig Counter und keine Counterbalance. Seine Kreaturen sind mehr von der Katzen- und Druidenfraktion, meine kommen aus dem Lhurgoyf-Club. Clone halte ich als Versicherung noch auf der Hand, aber als ich dann einen zweiten nachziehe, klone ich einfach meinen Tarmogoyf. Der Klon erntet fragende Blicke und wird beseitigt. Der zweite Klon wird im tödlichen Angriff in die Force of Will gepitcht, um seine Swords to Plowshares zu countern. Clone ftw.

Luckerbracket

Mein nächster Gegner heißt Kris Schorel, ist zur Abwechslung kein Spanier, sondern Niederländer und trägt einen Hut. Das mag für viele vollkommen irrelevant sein, aber wer in der Legacyszene unterwegs ist und auch ab und an Turniere jenseits der Grenze besucht, weiß, dass es ein niederländisches Team gibt, deren Spieler alle ANT zocken und Hüte tragen. Ich nehme eine Mulligan in eine gute Hand mit Force of Will und Counterbalance. Er macht in den ersten Runden dankenswerterweise recht wenig und schiebt auf zwölf Leben zusammen, da er nicht mehr aus meinem Balancelock mit mehreren Brainstorm herauskommt. In Spiel 2 halte ich eine Hand mit Force und Enlightened Tutor. Nachdem ich den ersten Canonist gesucht und ausgespielt habe, bleibt ein wenig Zeit, mein Board aufzubauen. Nachdem er meine Kreatur mit Krosan Grip erledigt hat, kommt schon Canonist Nummer 2 und eine Force für seinen Slaughter Pact ziehe ich auch noch nach.


Dafür, dass es gegen 23:00 Uhr ist und dass es um die Chance geht, an Tag 2 antreten zu dürfen, ist Nuno Taborda aus Portugal sehr freundlich und aufgedreht. Er geht das Spiel in Runde 2 locker mit einem Thoughtseize an, welches mir von der counterlosen Hand ein Ponder stiehlt. Dass mich das verlorene Ponder nicht stört, da ich mit Brainstorm zwei Forces versteckt habe, merkt er später, als ich ihm Show and Tell und Dream Halls forcen kann. Dann lege ich Counterbalance anstatt Qasali Pridemage. Ganz schön dumm, denn ich habe Nuno inzwischen auf vier Leben und gebe ihm nur noch eine Runde Zeit, meinem Noble Hierarch mit… selbstredend Sword of Fire and Ice zu entkommen. Gerechterweise werde ich für meinen Fehler mit Dream Halls bestraft. Da er nur noch Conflux mit Conflux hatte, wäre der Pridemage auf Dream Halls in Response ausreichend gewesen. So verrecke ich mit einer nutzlosen Balance im Spiel, da ich auch keine Force of Will für Dream Halls aufdecken kann. Meine Boardoptionen sind nicht berauschend und so muss ich einfach schnell sein. Mein Mulligan auf sechs ist alles andere als das, aber mit seiner schlechten 5-Karten-Hand stellt er nicht viel an, da er zu allem Überfluss kein Land findet. Gegen Ende der Partie gibt es eine interessante Situation. Er ist auf zehn Leben und bald hinüber (ein oder zwei Runden). Ich habe wenige, zudem noch unwesentliche Handkarten und spiele meinen nachgezogenen Brainstorm. Er countert den Drawspell mit Force of Will, spielt selber einen, in dem er nichts findet, und muss zusammenschieben. Seiner Ansicht nach war die Force nötig, damit ich keine Counter finde, aber was, wenn ich eh schon einen auf der Hand gehabt hätte?

In Spiel 3 sehe ich endlich auch mal Ethersworn Canonist (nicht so gut, aber immerhin etwas). Auf seiner Seite ist das Spiel von Cantrips bestimmt, während ich Force of Will auf der Starthand habe und eine weitere im ersten Drawstep nachziehe. Während ich damit seinen Comboversuch stoppe, knüppelt ein Rhox War Monk oder ein Tarmogoyf auf ihn ein, was gerade nicht mit Submerge bedacht wurde. Kurz nachdem ich dann die dritte Force finde, versucht er Show and Tell. Da er nur noch sehr wenige Handkarten hatte (ich glaube zwei), hätte er mit einem Progenitus aber auch nicht mehr viel reißen können, da es bereits 23 zu 4 stand. Dennoch hatte ich in den letzten beiden Spielen ein glückliches Händchen, was die Draws betrifft.

Wir packen zusammen und entschwinden der Site zum nächsten Fastfoodrestaurant, in welchem wir fassungslos mit ansehen müssen, wie die Bedienung beim Aufnehmen und Nachreichen einer Bestellung alles falsch machen kann, was falsch zu machen ist. Erst rege ich mich auf; viel später merke ich, wie viele dumme Fehler ich an diesem Tag schon gemacht habe…

Dropbracket

Im Gegensatz zu vielen Turnierberichten, die nach dem Tenor, „drei Byes plus X Wins gegen das, dies, und jenes, aber jetzt zu Tag 2“, verfasst sind, mache ich es genau andersherum. Der zweite Tag startet mit dem hypernervösen Dredgespieler Ivan de Castro Sanchez, der trotz etlicher Fehler seinerseits relativ problemlos gewinnt, Starthände mit Discardkreatur, Golgari Grave-Troll und Breakthrough in beiden Spielen inklusive. Wegen Manaprobleme habe ich mir nur eine Tormod's Crypt tutorieren können und zünde sie vermutlich etwas zu früh. Ein zweites Mana auf der Starthand für Wheel of Sun and Moon hätte das Spiel sicherer gestaltet. Kurz nach seinem dritten Warning (alle wegen verschiedenen Gründen) gewinnt er mit einem Angriff für 33 Schaden. Für diese zwei Spiele haben wir dann auch 45 Minuten gebraucht, von denen ich länger mit den Judges geredet als gespielt habe. In Runde 11 liefere ich mir lange brutale Materialschlachten über drei Spiele mit dem 4-Color-CounterTop-Deck von Andres Madruga. Diese Spiele sind so kompliziert und langwierig, das ich sie nicht mehr wiedergeben kann. Schließlich gehen wir ins Timeout und keiner kann mehr gewinnen, obwohl die Boardposition im dritten Spiel mal wieder gut für mich aussieht.

In den Runden 12 und 13 holt mich dann anscheinend mein Glück vom ersten Tag ein. Gegen Francisco Laras Merfolk packe ich Sword of Fire and Ice für einen einfachen Sieg in Spiel 1 aus, verliere mit schlechten fünf Karten, ohne auch nur einen Punkt Schaden zu machen, das zweite Spiel und habe ihn in Spiel 3 wieder mit dem Schwert unter Kontrolle. Dann lege ich meinen eingeboardeten Trygon Predator, den er mit Mind Harness übernimmt! Mein Equipment wird zerstört und ich werde von Kreaturen, die ich nun nicht mehr wegpingen kann, vernichtet. Bad Beatz.


Jose Francisco Gutierrez Gallego spielt mal wieder CounterTop, mal wieder 4-Color. Im ersten Spiel habe ich ihn ganz gut mit einem Tarmogoyf am Wickel, dann legt er eine Counterbalance. Ich greife weiter an, aber er legt Jace, the Mind Sculptor nach, bounct meinen Goyf und gewinnt einfach. In Spiel 2 findet wieder eine Materialschlacht statt, die ich schließlich gewinne – denke ich jedenfalls, aber dann spielt er Elspeth, die ich mit Oblivion Ring beseitige. Dann legt er Vedalken Shackles. Ich sammle Kreaturen und sprenge eine Engineered Explosives auf drei. Elspeth kommt wieder, aber der Token wird mit Path to Exile beseitigt, um für den Sieg anzugreifen. Doch er zaubert einfach Swords to Plowshares 3 und 4 aus seinem Sensei's Divining Top und legt dann Tarmogoyf 2 und 3 nach. Obwohl das schon schaurig genug ist, muss ich zugeben dass ich an einigen Stellen auch besser hätte spielen können. Eine zu früh gelegte Pithing Needle auf Jace zum Beispiel hätte nicht sein müssen. Doch seine ganzen Topdecks passieren unter einer Counterbalance auf meiner Seite, die absolut keine Lust hat, blind zu treffen, kein einziges Mal. Mit 7-4-2 (219. Platz) droppe ich nach 13 Runden Magic; zusammengerechnet mehr Zeit, als ich seit Donnerstag schlafen konnte. Immerhin habe ich noch Zeit, die konfuse Schlangenbildung bei den Artists aus nächster Nähe zu beobachten und bei ein paar hochgradig langwierigen und kaputten Vintagespielen zuzusehen.

Persönlich kam der eigentliche Tiefpunkt erst an Tag 3, als ich fast meinen Flug verpasst hätte und bei der Gepäckkontrolle mein Portemonnaie gestohlen wurde. Letztes Mal bin ich dank Klimaanlagenterror krank vom Grand Prix Barcelona zurückgekommen und brauchte Wochen, bis es mir wieder gut ging, diesmal komme ich vollkommen abgebrannt vom GP Madrid zurück:

Spanien vs. Autor: 2-0

Dennoch hat es eine Menge Spaß gemacht und das Deck halte ich trotz meines enttäuschenden Ergebnisses an Tag 2 für extrem spielstark. Stoneforge Mystic macht den Build aggressiver und verbessert die schwierigen Matchups. Der Tutorplan ist vielversprechend, aber das Sideboard und die Boardingpläne noch nicht ganz ausgereift. Entgegen den Erwartungen meine ich damit nicht Clone, denn die Karte ist wirklich gut und zeigt, dass Legacy immer in Bewegung ist und auch scheinbar schlechte Karten einen Nutzen haben können.

Pascal Baatz
TS Crew




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