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Limited
Verwüstete Wüsten, verwesende Wesen und Draft!
von Tobias Henke
25.07.2017

Gerade eben erst haben wir gelernt, dass 2-Set-Draftformate eigentlich niemand jemals gemocht hat. Weswegen sie über kurz und lang nun auch abgeschafft werden. Und prinzipiell ist der Ablehnung ihnen gegenüber ja durchaus mit Zustimmung zu begegnen. Was haben wir nicht mit dem Missmut der Verzweiflung immer noch versucht, Dark Ascension eins dieser coolen Draftdecks abzuringen, wie es Mono-Innistrad regelmäßig zustande brachte!

Superunpraktisch bloß am Timing dieser von oben verordneten Erkenntnis, dass ausgerechnet das aktuelle 2-Set-Draftformat jetzt voll in Ordnung ist. Amonkhet war schon gut und ja, vielleicht allein auch doch irgendwie besser. Aber zumindest hat die Stunde der Vernichtung trotz übertrieben gegenteiliger Betitelung nicht alles kaputtgemacht, sondern das Ganze in eine interessante neue Bahn gelenkt.


Zunächst: The old ways. Amonkhet. Als das Set gerade erschienen war, war ich berufsbedingt in der Lage gewesen, von einigen ausgewiesenen Experten Tipps abzustauben. So meinte Martin Jůza, dass er first pack, first pick Magma Spray über Archfiend of Ifnir nehmen würde. Klingt mittlerweile arg nach Captain Obvious, war damals in Wahrheit aber Captain Hindsight. Zumal Jůza überhaupt nur off the record zu sprechen bereit war. Und soeben mangels Alternativen mit dem Archfiend in den Top-8-Draft vom Grand Prix Bologna gestartet war. Gott-Pharaoh, wie dieses Zitat in diesem Kontext in den Fingern gekribbelt hat! So, jetzt ist es raus.

Selbst später sorgte Magma Spray über Nissa, Voice of Zendikar noch für Aufsehen. Tatsächlich waren jedoch etliche Profis zu der Ansicht gelangt, dass Karten ab vier Mana mit der Kneifzange zu draften seien. Aggressivität und Tempo gut, klobige Synergien schlecht. Freilich kann man alles immer mehr oder weniger dogmatisch betrachten und betreiben. Persönlich bin ich jedenfalls ein großer Freund von klaren Ansagen. Ein zweiter Final Reward schaffte es im Amonkhet-Draft so gut wie nie in mein Deck, ein Trial of Knowledge auf gar keine Falle. Das ideale Deck sah etwa folgendermaßen aus:


Die durchschnittliche Länderzahl meiner 3:0-Decks pendelte sich dann auch klar, wenn knapp unter 16 ein. Dafür zeichnete allerdings weniger Schimmelaggro verantwortlich als vielmehr in erster Linie die Control-Specials mit einer Basis aus Naga Vitalist/Weaver of Currents einerseits oder viel blauem Cycling und Tormenting Voice andererseits. Die funktionierten nämlich ebenfalls und enthielten trotz Karten wie Lay Claim oder gar Sandwurm Convergence in der Regel die wenigsten Länder. Was ich aber einfach nie auf die Reihe bekommen habe, das waren solche klassischen Midrange-Value-Dinger in Weiß-Blau oder Schwarz-Grün.

Auftritt Hour of Devastation. Erster Draft, erstes 3:0.


Erkenntnisgewinn: Wüsten sind toll, Kamele ebenso, insbesondere natürlich das Kamel ehrenhalber Sand Strangler, und die Zunahme an Manafixing macht das Format nicht unbedingt bunter, sondern gleicht bloß aus, was Wüsten an Farbe herausnehmen. Mit ein bisschen Hinarbeit ist Hazoret's Undying Fury durchaus stark. Alles in allem geht es etwas gemächlicher zu, zumindest scheint der 2-Drop viel eher optional. Ansonsten ist hier einiges schiefgegangen, am Ende fehlen einfach Playables. Doch wenn man im zweiten Zug Blur of Blades auf Vizier of Remedies abbekommt, stecken andere wohl kaum tiefer in der Materie.

Im weiteren Verlauf zeigt sich, dass eine höhere Kurve mit Ausbuchtung bei drei statt zwei Mana tatsächlich prima funktioniert, dass Removal einen höheren Stellenwert genießt und dass Value wertvoller geworden ist. Mouth to Feed zum Beispiel war früher halt okay, jetzt immer öfter die Karte, die ein Spiel macht. 7- und 8-Mana-Karten erfordern nicht länger außergewöhnliche Begleitumstände, God-Pharaoh's Gift ist gar ein eindeutiger First Pick. Ein 3:0 gibt's in hübscher Regelmäßigkeit in jedem zweiten Draft, so auch mit folgenden Decks:




Grün und Schwarz, gerne in Kombination, mausern sich zu absoluten Lieblingsfarben


We have reached peak Desert!


Hazoret's Undying Fury gefällt immer mehr. Mit Lethal Sting hingegen verbindet mich vielleicht eine unsinnig innige Freundschaft. Oder auch nicht.


Gate to the Afterlife aktiviert? Check!

Weitere Notizen:

Supernatural Stamina interagiert hervorragend mit Wretched Camel und interessant mit Ruin Rat.
Giant Spider zu spielen, ist keine Blamage mehr, Greater Sandwurm nicht mehr nur zum Cyceln da.
Gefühlt unendliche 2/3er lassen 2/2er alt aussehen, Harrier Naga dagegen respektabel.

Wie blaue Decks erfolgreich zu draften sind, dazu gibt's bestimmt demnächst wieder mehr im Toffeldraft. Pesky water mages




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