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Block
Der mit dem Wolfir tanzt
von Nico Bohny
18.05.2012

Blockconstructed ist was Tolles! Das Format ist relativ überschaubar und mit vergleichsweise wenig Aufwand kommt man doch schon auf ein ganz vernünftiges Resultat.


Unsere Suche nach dem heiligen Gral des schauerlichen Blockes begann dieses Mal im nördlichen Teil Europas, in Manchester. Matthias Künzler und ich, beide immer noch auf der Jagd nach den letzten paar Pro-Punkten für unseren Goldlevel, beschlossen, schon eine Woche vor den Prereleaseturnieren mit dem Testen zu beginnen und erstellten uns ein kleines Gauntlet mit mehrheitlich eher stumpfsinnigen Decks: Hoffnungsträger Boros, Burning Vengeance, UGx-Selfmill, 24-Miracle-Deck und RUG waren mit dabei, und obwohl unsere Borosliste noch ziemlich behäbig daherkam, gewann sie trotzdem einfach alle Matchups ohne sonderlich viel Gegenwehr. Devil's Play und Hellrider waren gegen sämtliche langsamere Decks einfach zu viel des Guten und die Midrangedecks kamen meist nicht mit dem Tempo mit. RUG konnten wir uns am ehesten als Bremsklotz für Boros vorstellen, aber da Boros – im Gegensatz zu RUG – einfach unschlagbare Draws produzieren konnte, war das Aggrodeck auf unserem Radar das Deck to beat.

Kurz nach dem Grand Prix warf ich noch eine Nayaliste zusammen – basierend auf Restoration Angel in Zusammenarbeit mit Mayor of Avabruck, Daybreak Ranger und Huntmaster of the Fells. Cavern of Souls konnte das farbige Deck prima zusammenhalten, und somit enstand das erste Deck, das Boros zuverlässig zu schlagen wusste – etwa 9:1 in den ersten Partien (obwohl, wie gesagt, das Borosdeck noch eher lahm und nicht auf Kreaturenmatchups ausgerichtet war). Unsere erste Liste des Nayamidrangedecks sah etwa so aus:


8 Forest
6 Plains
1 Mountain
4 Cavern of Souls
1 Gavony Township
4 Clifftop Retreat

4 Gather the Townsfolk


4 Restoration Angel
4 Mayor of Avabruck
(Howlpack Alpha)
4 Daybreak Ranger
(Nightfall Predator)
2 Thalia, Guardian of Thraben
1 Sigarda, Host of Herons
1 Geist-Honored Monk
4 Fiend Hunter
4 Avacyn's Pilgrim
4 Champion of the Parish
4 Huntmaster of the Fells
(Ravager of the Fells)


Bei unserer nächsten Testingsession, zurück in der Schweiz, fügten wir dem Gauntlet ein grünrotes Werwolfdeck und ein sehr farbiges Kontrolldeck hinzu. Ich tüftelte vor allem am Nayadeck herum, während sich Mättu vor allem nach Alternativen umschaute. Das Kontrolldeck war uns etwas zu abhängig vom gut getimten Terminus, wobei das Timing klar von der obersten Karte des Decks diktiert wurde. Das Werwolfdeck gefiel – einerseits überzeugten die Wölfe um einiges mehr in einem Deck mit Brimstone Volley als in einem ohne, andererseits war es angenehm, wie Boros Devil's Play gegen Kontrolldecks zu haben. Wir begannen, andere Decks mal vorerst wegzulassen und die beiden Decks zu tunen. Garruk Relentless überzeugte vor allem im Wolfdeck, und wurde dann – zusammen mit Scorned Villager, der Gather the Townsfolk ersetzte, auch ins Nayadeck integriert. Daybreak Ranger schien uns im Viererpaket zu schwach und musste in einem Split ein paar Exemplaren von Borderland Ranger Platz machen.


Als Nächstes erschien Bonfire of the Damned auf unserem Plan – im Werwolfdeck schon ein klares 4-of, das Devil's Play ersetzte, im Naya aufgrund der ohnehin schon wackligen Manabasis einfach zu schwach. Zwar stellte sich die Frage, ob man denn nun Champion of the Parish und Mayor of Avabruck für mehr Fixing wie Borderland Ranger und Evolving Wilds und rotes Removal aufgeben sollte, aber ein schneller, soliderer Kreaturenplan schien uns wichtiger in einem Metagame mit langsamen und schwachen Manabasen sowie Werwölfen.


Der letzte Neuzugang war schließlich Wolfir Silverheart. Nicht nur gegen Bonfire war er ein richtig guter Plan, mit dem Garruk wollte man auch unbedingt ein gutes, suchbares 1-of, das Spiele schnell beenden kann. Aus dem 1-of wurde dann schnell ein 3-of, weil Wolfir einfach so verdammt gut performte. Außerdem will man in einem Deck, in dem man hübsche Engel spielt, auch jemanden, der sich mit ihnen paaren kann. Wäre ja reinste Verschwendung. Wie ein Schweden ohne Trygon Predator. Und tatsächlich haben Wolfir/Engel beim Testen eine sehr gute Figur als Traumpaar gemacht.

Schlussendlich landeten wir mit folgender Liste bei der Pro Tour in Barcelona:


9 Forest
6 Plains
4 Cavern of Souls
2 Gavony Township
4 Clifftop Retreat

4 Restoration Angel
4 Mayor of Avabruck
(Howlpack Alpha)
4 Fiend Hunter
4 Avacyn's Pilgrim
4 Champion of the Parish
4 Huntmaster of the Fells
(Ravager of the Fells)
4 Scorned Villager
(Moonscarred Werewolf)
3 Wolfir Silverheart


4 Garruk Relentless
(Garruk, the Veil-Cursed)

Sideboard:

3 Grafdigger's Cage
2 Witchbane Orb
2 Slayer of the Wicked
1 Tree of Redemption
2 Nevermore
1 Divine Deflection
1 Sigarda, Host of Herons
3 Thalia, Guardian of Thraben


Grafdigger's Cage wollten wir im Sideboard gegen jegliche Decks, die sich auf Undying und Flashback stützen und unfairen Unfug mit Reanimation dicker Tiere anstellen wollten. Witchbane Orb war gegen Decks, die gleichzeitig Bonfire of the Damned und Curse gegen einen auszuspielen versuchen, oder einfach mal gegen ein Random Burndeck. Slayer of the Wicked war primär die Zusatzantwort gegen Olivia Voldaren, Bloodline Keeper und Daybreak Ranger, und der freundliche Baum durfte gegen jedwede Aggrodecks mitmachen. Durchaus verwunderlich im Übrigen, dass sich die Wolfir auch gerne mit Bäumen paaren und nicht, wie verwandte Tiere, einfach daran pinkeln, um ihr Revier zu markieren. Nevermore war gegen Terminus oder Unburial Rites gedacht, Divine Deflection gegen Bonfire-Decks und Thalia einerseits gegen Kontrolle, andererseits oft mal on the draw rein, um nicht automatisch gegen Turn 3 Garruk zu scoopen.

Meine erstrebenswerten Zieloptionen fürs Turnier: Top 16 würde den Captainstatus für mich bedeuten, Top 75 sichert mir wenigstens noch den Goldstatus für die nächste Season. Vor allem Letzteres sah ich als durchaus realistische Option an


Das Turnier verläuft eigentlich ziemlich linear, und zwar in vier Blöcken – jeweils zwei positiven und zwei negativen. Block 1, der sich über die ersten beiden Runden erstreckt, ist eher negativer Natur. Beide Runden verliere ich relativ knapp, in erster Linie gegen multiple Bonfires. Doofe Karte, hätte man wohl doch selbst spielen müssen. Dann darf ich gegen die guten, respektive gegen die schon eher demotivierten Spieler ran. Mein Gegner der dritten Runde lässt einen tödlichen Angriff mit einem geflippten Mayor of Avabruck einfach mal passieren, um dann, im zweiten Spiel, den vom Mayor begleiteten Fiend Hunter mit Brimstone Volley abrüsten zu wollen. Danke, danke, danke! Auch der Gegner aus der vierten Runde will nicht ganz einsehen, dass er mit seinem Huntmaster beim Flippen meinen Garruk auf zwei Loyalitätsmarken um(b)rennen könnte. Der wilde Mann des Waldes nimmt das Geschenk natürlich dankend an, holt sich den mächtigen Alphawolf und so das dritte Spiel ins Trockene. Auch die fünfte Runde kann ich gewinnen, und so stehe ich mit 3:2 schon gar nicht mal mehr so übel da, wie ich mir am Anfang ausgemalt habe.

Apropos übel, meine Drafterkenntnisse bisher führen mich zu folgendem Deck:


1 Mountain
6 Forest
5 Plains
5 Island

Scroll of Avacyn
Into the Void
Spectral Prison
2 Amass the Components
Abundant Growth
Blessings of Nature
Revenge of the Hunted
Righteous Blow
Defang


Angelic Wall
Moonlight Geist
Archangel
Moorland Inquisitor
Pathbreaker Wurm
Howlgeist
Wandering Wolf
Trusted Forcemage
Borderland Ranger
Gryff Vanguard
Captain of the Mists
Gisela, Blade of Goldnight


Ich habe den Draft mit Grün als Hauptfarbe begonnen, surfe nach dem ersten Booster auf Blau und Weiß, und muss am Ende aufgrund weniger Playables, was mir ohnehin als großes Problem des Formates bewusst wird, alles spielen, was ich an spielbaren Karten aufgelesen habe. Da an meinem Drafttisch aber ohnehin die Kartenqualität eher niedrig ist, kann ich den Draft mit 3:0 beenden. Besonders schön mein letztes Spiel: Gegner hat einen Soulbounder auf dem Tisch, ist auf fünf Leben, ich habe einen 5/3-Howlgeist. Gegner legt Flowering Lumberknot, gibt den Zug ab. Ich schau ihn etwas schräg an, enttappe, frage ihn, warum er denn nicht gebonded hätte, woraufhin der Gegner concedet. Also 3:0 gegangen, mit dem absurd starken Deck. Daraufhin kriege ich ein Interview in der Videocoverage, wo ich über meine Drafterkenntnisse ausgequetscht werde und kleinlaut zugeben muss, dass ich bisher nur einen Draft gespielt und keinerlei Ahnung vom Format habe. Eigentlich etwas peinlich, aber leider geil.

Ich scheine nicht allzu viel gelernt zu haben aus meinem ersten Draft und lande erneut in einem mehrfarbenen Haufen, dafür diesmal mit mehr Rares. Nicht ganz deren zehn, aber nicht allzu viel drunter.


8 Forest
8 Plains
1 Mountain
Slayers' Stronghold

Scroll of Avacyn
Snare the Skies
2 Abundant Growth
Righteous Blow
Defang
3 Cloudshift


Zealous Conscripts
Havengul Vampire
Champion of Lambholt
Soul of the Harvest
Wildwood Geist
2 Wandering Wolf
Timberland Guide
Moonlight Geist
Emancipation Angel
Goldnight Commander
Cathedral Sanctifier


Trotz der Füller spielt sich das Deck aber recht gut und zeichnet sich durch fiese Kills aus dem Nix aus. Mein Bester: von 20 auf minus vier! Goldnight Commander auf dem Tisch, Zealous Conscripts gespielt, Tier geklaut mit der Commander-Fähigkeit auf dem Stack, in Reaktion die Conscripts geshiftet, nächstes Tier gestohlen, alle Tiere zweimal via Commander wachsen lassen und Angriff für den Kill. Aus dem Nichts.


Leider klappt das nur in der ersten Runde des Drafts, die beiden weiteren muss ich leider sieglos vom Platz gehen. In der zweiten Runde reicht der Conscripts-Angriff in Spiel 3 eben leider nur auf ein Leben runter. So gehe ich mit einem 1:2 im Draft von dannen, und erhalte als Erstes auch im Constructed noch eine Abfuhr – wieder der 0:2 Start. Dahin schwinden die Träume vom Teamcaptain und selbst der Goldlevel entfernt sich langsam, aber sicher meiner Reichweite.

Ab jetzt heißt's nochmals alles geben, mit drei Siegen sollte es noch reichen. In Runde 14 schaffe ich es, mit Biegen und Brechen einen Sieg zu ergattern und klettere von Platz 132 auf Platz 107. Das ist die richtige Richtung. In Runde 15 verliere ich das erste Spiel, kann mir aber dank Screw meines Gegners ein 2:1 sichern. Platz 87. Nachdem ich in den letzten Runden mit einem Sieg jeweils 25 und 20 Plätze geklettert bin, sollte jetzt ein Sieg wohl fürs Aufholen der letzten zwölf Plätze reichen. Letzte Runde gegen Heiner Kolp gelost. Ich schildere ihm meine Situation, er ist sehr freundlich und willigt ein, gegen mich aufzugeben. Wir vereinbaren noch, meine Preise zu splitten, spielen das Spiel trotzdem just for fun aus, und einmal mehr schaffe ich es, knapp durch Mulligans meines Gegners zu gewinnen. Erleichterung. Freude macht sich breit.

Bilanz Turnier: Zuerst 0:2, dann 7:0, dann 0:4 und dann wieder 3:0. Achterbahn und Wechselbad der Gefühle. Mit diesen Strapazen habe ich mir meinen Goldlevel doch wahrlich verdient. Zufrieden mache ich mich auf den Weg, um beim Geldautomaten Euros zu holen, um meinen Splitpartner auszahlen zu können. Doch der Automat findet es angebracht, meine Karte zu schlucken und mir statt Euros einen filmreifen Absturz zu präsentieren. Omen? Na ja, etwas demotiviert zur Site zurück, aber nicht so richtig demotiviert, denn wenigstens habe ich ja knapp meinen Goldstatus geschafft. Voller Zuversicht also zu den Final Standings geschlendert, Nico Bohny, 76.

76!!!!!!!!!!

Ja, aber wie, warum, hääää, nein,

Doch!

GAME OVER!

Do you wish to continue?

10

9

8

7

6

5

4

3

2

1



Irgendwie unbeschreiblich niederschmetternd, dieses Endresultat. Man kämpft zwei Tage lang – nein, eigentlich ein Jahr lang – um die verdammten Punkte, hat sie zum Greifen nah, fühlt sich ihrer plötzlich sicher und dann zack – Seifenblase zerplatzt. Um einen Pro-Punkt den Level verpasst, und um einen Rang den zusätzlichen Punkt.


Es braucht einen Moment, kühles Bier und gutes Essen inklusive, bevor ich mich wieder etwas fangen kann. Bis ich das Ganze in Relationen sehe und erkenne, dass es alles andere als der Untergang der Welt ist. Ich war ja ohnehin schon am Punkt, an dem ich nur noch die europäischen Touren spielen wollte. Und wirklich ambitioniert waren weder meine Turniervorbereitungen noch mein Verhältnis zum Spiel allgemein. Ja, es war 'ne geile Zeit, aber jetzt mal ehrlich: Ist ja schlussendlich nur ein Spiel. Und es gibt ja auch noch Diablo 3. Und Sozialleben. Und 10-Rare-Challenges. Und Sport. Und Wolfir ist auch nur Silber, nicht Gold. Lieber ein Silberrücken als ein Goldesel! So, das musste auch noch gesagt werden. Also nochmals die Frage:

Do you wish to continue?

10

9

8

7

6



Ach was soll's!
Ab nach Malmö!




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