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Cranial Insertion: Zeitreisen
von Eli Shiffrin
20.02.2012


[Cranial Insertion ist die am längsten bestehende Regelfragenkolumne der Welt. Das englische Original erscheint seit 2005 auf mtgsalvation.com. Die folgende Übersetzung stammt von René Guder und Richard Jana.]

In ein paar Tagen mache ich mich auf den Weg, um an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden zwei Grand Prix zu judgen und mein Zeitgefühl zu ruinieren. Zuerst Baltimore, dann Seattle. Es sollte nicht allzu schwer werden, mich zu finden, falls ihr bei einem der beiden Turniere dabei seid, ich werde aber wahrscheinlich sehr beschäftigt sein. Bei uns sieht judgen so einfach aus, aber es ist einiges an Arbeit.


Doch bevor ich aufbreche, habe ich für euch noch einen weiteren Stapel entzückender Fragen aus dem cranial.insertion@gmail.com-Postfach und von unserem Twitteraccount. Falls ihr mehr Fragen habt, schickt sie uns! Nicht nur bekommt ihr von uns eine Antwort, eure Frage könnte an genau dieser Stelle auftauchen!

Na gut, nicht genau an dieser Stelle, das wäre merkwürdig. Lassen wir das mit den Zeitreisen …


Frage: Wirkt die Legendenregel zwischen den verschiedenen Mikaei (Mikaeus, the Unhallowed, Mikaeus, the Lunarch)?

Antwort: Nein. Das ist ein Fall, in dem die Regeln sich zum Flavor drehen, die Finger in die Ohren stecken und „LALALA“ rufen, während sie die Zunge rausstrecken und vermutlich noch obzöne Gesten machen. Obwohl die beiden Karten sehr eindeutig den gleichen Charakter repräsentieren, interessieren sich die Regeln lediglich dafür, ob die Namen der Karten (und nicht die der Charaktere) gleich sind.


Frage: Was passiert, wenn ich eine Modergrab-Monstrosität (Moldgraf Monstrosity) unverwüstlich (Undying Evil) mache und sie dann stirbt?


Antwort: Das kommt darauf an, wie du die Fähigkeiten verrechnen lässt. Nehmen wir mal an, du machst das Bessere: Lass die Unverwüstlich-Fähigkeit vor der Fähigkeit der Monstrosität verrechnen. Bring zuerst die Monstrosität als monströsen 9/9er zurück ins Spiel. Jetzt wird ihre Fähigkeit verrechnet und du machst, was die Fähigkeit sagt, so gut es geht. Du versuchst erfolglos, die Monstrosität ins Exil zu schicken, und dann bringst du zwei zufällig bestimmte Kreaturenkarten ins Spiel. Nichts sagt, dass das davon abhängt, ob du die Monstrosität ins Exil geschickt hast (wie zum Beispiel beim Rektor der Akademie (Academy Rector)), also bekommst du drei Kreaturen.


Frage: Ich kontrolliere eine Gerechtigkeit des Schicksals (Karmic Justice) und mein Gegner blitzt (Lightning Bolt) mir meinen Weltenwanderer auf eine Loyalität von null. Löst das die Gerechtigkeit aus?

Antwort: Es gibt zwei Gründe, warum die Gerechtigkeit hier nicht ausgelöst wird. Du kannst dir aussuchen, welcher wichtiger ist. Die Gerechtigkeit wird ausgelöst, „wenn ein Zauberspruch oder eine Fähigkeit, die ein Gegner kontrolliert, eine bleibende Karte, die du kontrollierst und die keine Kreatur ist, zerstört“. Dein Weltenwanderer wurde allerdings nicht zerstört. Er wurde einfach als automatisches Spielereignis auf den Friedhof gelegt. Das ist zwar ähnlich, aber nicht das Gleiche wie Zerstörung. Der zweite Grund: Nicht der Blitzschlag legt den Weltenwanderer in den Friedhof (oder im Fall von tödlichem Schaden auf Kreaturen zerstört er nicht die Kreaturen). Die automatischen Spielereignisse tun es.


Frage: Meine Instinkte des Spurensuchers (Tracker's Instincts) decken drei Kreaturen auf, die ich alle in meinen Friedhof legen will. Kann ich das?

Antwort: Du wirst eine davon auf deine Hand nehmen müssen. Die Karte sagt nirgends „du kannst“, und es ist auch keine Sucheffekt, wo du absichtlich daran scheitern könntest, etwas zu finden.


Frage: Wie kann ich „zufällig“ eine Kreatur für mein Heimgesuchtes Sumpfgrab (Haunted Fengraf) bestimmen, wenn ich die Reihenfolge meines Friedhofs nicht ändern darf?

Antwort: Glücklicherweise darfst du in einem Format ohne Karten, bei denen die Friedhofsreihenfolge wichtig ist, genau das tun. Das ist ein Zugeständnis an die Realität, weil die Regel zur Reihenfolge im Friedhof in modernen Formaten keine Bedeutung hat. Falls du in einem älteren Format spielst oder es zufälliger sein soll, als nur drei Karten zu mischen, dann leg Zahlen für die Karten fest und würfel drum!


Frage: Muss ich einen anderen Goblin opfern, wenn ich eine Goblingranate (Goblin Grenade) nachhallen (Reverberate) lasse?


Antwort: Nein, musst du nicht. Du musst zusätzliche Kosten nur bezahlen, wenn du den Spruch wirkst. Eine Kopie wird aber nicht gewirkt, sie wird direkt auf den Stapel gelegt.


Frage: Wenn ich Emrakul (Emrakul, the Aeons Torn) mit Streben nach Wissen (Thirst for Knowledge) abwerfe, wird das Streben dann mit zurückgemischt?

Antwort: Die Fähigkeit von Emrakul wird während der Verrechnung vom Streben ausgelöst, kann aber erst auf den Stapel gehen, wenn der Zauberspruch fertig verrechnet wurde. Als letzter Schritt der Verrechnung vom Streben nach Wissen legt es sich mit seiner Kuscheldecke in den Friedhof, also ist es bereits dort, wenn Emrakuls Fähigkeit auf den Stapel geht, und wird vermutlich auch dort sein, wenn die Fähigkeit verrechnet wird. Folglich wird es zusammen mit den anderen Friedhofskarten zurück in die Bibliothek gemischt werden.


Frage: Wenn ich einen Stählernen Höllendrachen (Steel Hellkite) in meinem Friedhof zweimal mit Lich aus Pfuhlhaven (Havengul Lich) anziele, ihn ausspiele und dann mit dem Lich angreife, kann ich die „Jag Zeug in die Luft“-Fähigkeit zweimal benutzen?


Antwort: Du kannst. Jede Aktivierung erzeugt eine ausgelöste Fähigkeit, die dem Lich die entsprechenden aktivierten Fähigkeiten verleiht, „wenn du diese Karte in diesem Zug wirkst“. Dabei ist egal, dass du den Drachen für die eine Lich-Aktivierung wirkst und nicht für die andere. Beide Fähigkeiten werden ausgelöst, nachdem du ihn gewirkt hast, und der Lich bekommt zweimal dieselben Fähigkeiten verpasst. Es sind aber immer noch zwei getrennte Fähigkeiten, und jede kann einmal aktiviert werden.


Frage: Wenn ich eine Kreatur mit Lich aus Pfuhlhaven (Havengul Lich) wirke und dann opfere, kann ich sie dann noch einmal wirken?

Antwort: Nicht, ohne den Lich ein zweites Mal zu aktivieren. Sobald die Kreaturenkarte den Friedhof verlässt, ist sie ein neues Objekt ohne Verbindung zu dem Objekt, das die Karte vorher repräsentiert hat. Und wenn sie wieder im Friedhof landet, gilt das Gleiche. Sie ist nicht mehr dasselbe Objekt, das der Lich angezielt hat, also kann sie nicht gewirkt werden.


Frage: Sorin (Sorin, Lord of Innistrad) erschießt mit seiner dritten Fähigkeit meinen Titanen, der eigentlich ein Traumbild (Phantasmal Image) ist. Bekommt er mein Traumbild, oder bleibt es tot?

Antwort: Es bleibt tot. Wenn Sorins Fähigkeit auf den Stapel gelegt wird, wird die Fähigkeit des Traumtitanen ausgelöst und geht zuoberst auf den Stapel. Also wird sie zuerst verrechnet und Sorin kann es nicht mehr zerstören, weshalb der „auf diese Weise …“-Teil seiner Fähigkeit nicht mehr zum Tragen kommt.


Frage: Kann ich mithilfe eines Schnellzauberers (Snapcaster Mage) den Zorn Gottes (Wrath of God) auch während des Zuges meines Gegners sprechen?

Antwort: Der schnelle Zauberer gibt deinem Spruch nur Rückblende. Du darfst ihn also aus dem Friedhof wirken, aber nicht zu einem anderen Zeitpunkt als sonst. (Das gilt selbstverständlich ebenso für alle Hexereien, die von Haus aus Rückblende besitzen.)


Frage: Löst Savra (Savra, Queen of the Golgari) ihre eigenen Fähigkeiten aus, wenn ich sie zum Beispiel auf Ashnods Altar (Ashnod's Altar) opfere?


Antwort: Aber ja, auch wenn das morbide klingt! Neuere Kartentexte lauten häufig: „Immer wenn diese Kreatur oder eine andere Kreatur …“ An sich ist das aber gleichbedeutend mit „Immer wenn eine Kreatur …“ und dient bloß dem besseren Verständnis. Der Grund dafür ist de selbe wie bei der nächsten Frage …


Frage: Wird die Fähigkeit meines Düstergrab-Hauptmanns (Diregraf Captain) ausgelöst, wenn er zusammen mit ein paar anderen Zombies an einer Blasphemischen Tat (Blasphemous Act) stirbt?

Antwort: Sehet und staunet, die Zeitreiseregel 603.6d! Sie besagt, dass ausgelöste Fähigkeiten, die sich dafür interessieren, ob Kreaturen das Spiel verlassen, in der Zeit zurück schauen, um die Dinge zu sehen, wie sie direkt vor dem Ereignis existiert haben.


Frage: Gibt es ein Zeitfenster, in dem ich eine unverwüstliche Kreatur (Strangleroot Geist) mit einer Nihilistischen Spruchbombe (Nihil Spellbomb) um ihr zweites Leben erleichtern kann?

Antwort: Unverwüstlich ist eine ausgelöste Fähigkeit (erkennbar zum Beispiel am „Wenn“ im Erklärungstext) und benutzt daher den Stapel. Während sie also auf dem Stapel liegt, kannst du die Kreaturenkarte aus dem Friedhof entfernen und sie wird nicht mehr zurückkommen.


Frage: Mein Gegner hat fünf Kreaturenkarten in seinem Friedhof, ich habe in meinem nur drei. Mein Böser Zwilling (Evil Twin) kopiert seinen Knochenackerwurm (Boneyard Wurm). Wie groß ist mein Wurm?

Antwort: 3/3. Du kopierst nicht die speziellen Werte des Wurms deines Gegners, sondern das */* und die zugehörige Fähigkeit. Und „dein Friedhof“ bezieht sich natürlich auf deinen Friedhof.


Frage: Als Reaktion auf meinen Tribut an den Hunger (Tribute to Hunger) benutzt mein Gegner seinen Moorland-Schlupfwinkel (Moorland Haunt), um einen Geisterspielstein zu bekommen. Kann ich diesen wiederum töten, bevor mein Tribut verrechnet wird, damit er eine andere Kreatur opfern muss?

Antwort: Jau! Nachdem das oberste Element des Stapels verrechnet wurde, wird nicht einfach der ganze Rest abgearbeitet, sondern beide Spieler erhalten jeweils noch einmal Priorität, bevor das nächste Objekt verrechnet wird.


Frage: Kann mein Goblinschweißmeister (Goblin Welder) mir einen Magneteisengolem (Lodestone Golem) zurückbringen, wenn ich dafür den Käfig des Totengräbers (Grafdigger's Cage) opfere?


Antwort: Nein, denn er weist dich an, beide Artefakte gleichzeitig zu bewegen. Unmittelbar bevor du das tust, must du überprüfen, ob es überhaupt möglich wäre, und zu diesem Zeitpunkt ist der Käfig ja noch im Spiel, was den Golem am Betreten des Spielfeldes hindert. Der Golem beschließt also, es sich im Friedhof bequem zu machen, und du opferst einfach nur deinen Käfig. (Nach dem gedruckten Text des Schweißermeisters, werden die beiden Artefakt ausgetauscht, was die Antwort verändern würde. Nach dem aktuell gültigen Text werden die beiden Aktionen getrennt betrachtet und dann gleichzeitig ausgeführt.)


Frage: An welchem Punkt muss ich meinen Gegnern in einer Mehrspielerpartie sagen, wen meine Kreaturen angreifen?

Antwort: Es funktioniert genauso wie in einem Duell, wenn du entscheidest, ob du deinen Gegner oder einen seiner Planeswalker angreifst. Wenn du Angreifer deklarierst, entscheidest du auch, mit wem sie es aufnehmen sollen.


Frage: Ungefähr fünf Züge, nachdem eine Böse Tat (Pernicious Deed) alles vernichtet hat, was nicht niet- und nagelfest war, bemerken wir, dass ich zwischen meinen Ländern noch ein paar Manaartefakte vergessen habe. Seitdem habe ich sie natürlich schon benutzt. Es war zwar nur ein privates Spiel, aber wie würde so etwas auf einem Turnier geregelt?

Antwort: Die Frage „Was würde in einem Turnier passieren?“ ist immer schwer zu beantworten, denn es ist letztendlich einfach das, was der Headjudge für angemessen hält. Wenn es aber wirklich schon so viele Züge waren und es ein ehrliches Versehen war, dann lautet die Antwort normalerweise: Du hast du eine Regelverletzung („Game Rule Violation“) begangen, erhältst dafür eine Verwarnung und das Spiel läuft so weiter, wie es gerade ist. Das Spiel wird nicht zurückgedreht, nachdem schon so viel Zeit vergangen ist, und es werden auch keine Reparaturversuche unternommen (wie „dann zerstören wir sie eben jetzt“). Wenn das deinem Gegner nicht gefällt, sollte er sich in Erinnerung rufen, dass es auch in seiner Verantwortung liegt, auf den Zustand des Spiels zu achten. (Bevor jemand fragt: Bei der letzten Pro Tour wurde um mehr als einen Zug zurückgedreht, was wie oben beschrieben völlig unüblich ist, aber lest einfach noch mal den ersten Satz meiner Antwort...)


Frage: Was ist eigentlich aus der Sache mit den vergessenen ausgelösten Fähigkeiten und diesem Kram geworden?

Antwort: Nach immer mehr kleinen Reparaturen und Versuchen, diesen Teil so zu formulieren, dass er exakt wie gewünscht funktioniert, und nachdem der Infraction Procedure Guide (IPG) schon viel zu lange fällig war, wurde er einfach ohne die umstrittene Passage veröffentlicht. Ihr müsst eure Gegner also nach wie vor an ihre vergessenen obligatorischen Fähigkeiten erinnern und dürft nicht entscheiden, eure eigenen obligatorische Fähigkeit nicht zu nutzen. Wenn die Änderung schließlich ausgegoren ist, wird sie im normalen Veröffenlichungzyklus des IPGs (März, Juni, September oder Dezember) erscheinen.


Frage: Ist es erlaubt, dass ich beim FNM-Draft gegen jemanden von einem anderen Drafttisch spielen muss? Ich dachte, ich muss nur gegen Leute von meinem eigenen Tisch spielen.

Antwort: Es ist erlaubt, dass alle Spieler zufällig gegeneinander gelost werden, anstatt zufällig an den einzelnen Tischen, aber der Organisator sollte das zu Beginn des Drafts ansagen.


Frage: Beim FNM gefiel meinem Gegner nicht, wie ich mein Deck gemischt habe, also hat er es direkt danach selbst noch einmal gemischt. Ist das erlaubt? Ich dachte, man dürfe nur abheben.

Antwort: Du darfst das Deck deines Gegners mischen, es ist bei solchen Turnieren (Regular REL) nur relativ selten, dass jemand darauf besteht. Bei ernsteren Turnieren (Competitive REL) bist du (theoretisch) sogar dazu verpflichtet! Wenn ihr aber den Eindruck habt, euer Gegner würde nicht genug mischen oder sonst irgendwie sein Deck manipulieren, ruft ihr am besten einen Judge.


Das war's für diese Woche. Ich sollte wahrscheinlich noch packen, bevor mein Flug geht. Danach zu packen, könnte etwas kompliziert werden – selbst wenn das wunderbar zum heutigen Thema passen würde. Bis zum nächsten Mal wünsche ich euch sichere Reisen, durch Raum und auch durch Zeit!

Eli Shiffrin




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