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Limited
Zendikar ist gut für mein Rating (ein PTQ-Bericht)
von Andreas "Zeromant" Pischner
17.11.2009

Den Titel dieses Artikels habe ich nicht nur so dahingeschrieben: Zendikar-Limited liegt mir (jedenfalls mehr als zum Beispiel M10-Limited), und der Grund dafür liegt in den Stärken und Schwächen dieses Formats. Zwar ist es, objektiv gesehen, natürlich eher ein Nachteil, wenn Spiele potenziell schneller vorübergehen, und wenn man pro Zug weniger infrage kommende Optionen besitzt, weil es häufig einfach keine sinnvolle Alternative zum Angreifen und Kreatur-Legen gibt (außer natürlich, die Kreatur hat Haste, in welchem Fall man es eben umgekehrt macht). Das nimmt im Vergleich zu anderen Formaten ein wenig den Skill aus dem Spiel, doch das kann mir nur recht sein!


Nach dem PTQ, von dem ich Euch heute berichte, wird mein Rating mich aller Wahrscheinlichkeit in die Top 50 der deutschen Rangliste katapultieren und mir so attraktive Möglichkeiten eröffnen, wie die direkte Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft und zwei Ratingbyes bei Grand Prix, und da ist es einfach nur menschlich, wenn mir der Gedanke durch den Kopf schießt, ob ich Magic nicht doch wieder ein wenig ernsthafter betreiben will. Doch unterdessen weiß ich, was in solchen Momenten des drohenden Rückfalls zu tun ist: Ich werfe mein Kopfkino an und spule die „Highlights“ meiner Spielfehler aus den vergangenen Turnieren vor mir ab, und schon zerbröselt die verführerische Illusion zum Staub der ehrlichen Selbsterkenntnis: Ich bin einfach kein guter Spieler mehr und sollte mir daher keine Ziele setzen, die ich aufgrund meiner eigenen Unzulänglichkeiten nicht mehr erreichen kann.
Häufig werden Partien bereits entscheiden, bevor sich die Spieler an den Tisch setzen, und damit wird der Wettstreit in einen Bereich verlagert, in dem ich kompetent bin...

Die geringere taktische Bandbreite in Zendikar-Limited kommt mir also zugute, und ebenso ist es mit der hauptsächlichen Stärke des Formats, dass es Präzision und Fokus beim Draften und beim Deckbau besonders belohnt, denn DAS kann ich immer noch ganz ausgezeichnet! Häufig werden Partien bereits entscheiden, bevor sich die Spieler an den Tisch setzen, und damit wird der Wettstreit in einen Bereich verlagert, in dem ich kompetent bin.

Allerdings bedeutet dies auch, dass Zendikar-Sealed für erfahrene Spieler deutlich unattraktiver ist als Zendikar-Draft. Nun ist das auch in anderen Blöcken schon immer so gewesen, denn Sealed besitzt zwingenderweise immer einen höheren Zufallsfaktor; aber in Zendikar fällt es besonders auf, eben weil fokussierte Decks unfokussierten besonders deutlich überlegen sind: Ein Sealed Pool kann ein solches fokussiertes Deck enthalten, welches man dann beim Erstellen seiner Liste herausschält – oder eben auch nicht. Dieser PTQ war erst mein zweites Zendikar-Sealed, und in beiden Fällen hatte ich mit meinem Pool Glück gehabt, aber ich habe bereits genügend andere Pools zu sehen bekommen, aus denen man... nun ja, eben ein SEALED DECK bauen muss, während andere Spieler Listen kreieren können, die wie ein DRAFTDECK aussehen. Im Draft muss man sich sein fokussiertes Deck erarbeiten; im Sealed hingegen muss man es nur erkennen, wenn man es hat. Das wollte ich vorschicken, damit Ihr mein Abschneiden besser einordnen könnt.

Zum Turnier selbst: Nach meinem letzten Artikel haben ein paar Leser kritisiert, dass zwei FNM-Drafts mit zahlreichen Neulingen doch nicht weiter von Interesse seien! Meiner Ansicht nach geht dieser Einwand am Kern der Angelegenheit vorbei, weil man auch und gerade unter solchen Bedingungen wertvolle Erkenntnisse gewinnen kann, aber in jedem Fall kann die Besetzung dieses PTQs im Berliner ASL nicht belächelt werden – die liest sich wie ein Who is Who der norddeutschen Magic-Spieler (plus ein paar polnische Gäste)! Ich habe ein bisschen in der Liste mit den Lifetime-Pro-Points gestöbert und folgende Teilnehmer identifiziert:

Jan Rueß 92
Aaron Brackmann 69
Fabio Reinhardt 53
Rosario Maij 47
Roland Bode 34
Radek Kaczmarczyk 20
Olaf Krzikalla 15
Andreas Pischner 10
(Adrian Rosada 10)
Martin Bisterfeld 9
Christopher Passow 2
Tim Michels 2
Niklas Ziemann 2
Frank Ohlhof 1

(Adrian wollte mitspielen, musste aber nach Rücksprache mit dem Headjudge davon Abstand nehmen.)

Bei dieser Gelegenheit ist mir übrigens aufgefallen, dass diese DCI-Liste nicht vollständig ist! Am Rande des Turniers ergab sich nämlich eine Art „Veteranentreffen“ zwischen Martin Lüdecke, Thomas Lawrenz und mir. Falls Ihr die nicht kennt (was so ziemlich jedem außer mir vor Ort so ging):

Martin hatte damals an der allerersten Pro Tour 1996 in New York teilgenommen (Worlds wurden erst rückwirkend zur PT deklariert) und einen sehr achtbaren 62. Platz belegt. Thommy wiederum war mit mir 1997 in New York gewesen. Gerade er ist schlicht „ancient“ – ihm mussten nicht einfach die M10-Regeln erklärt werden, sondern zunächst einmal die der 6. Edition, die er nicht mehr mitbekommen hatte! Oh, und außerdem war ihm die Regelung neu, dass jeder Spieler im Sealed beliebig viele Basic Lands zur Verfügung gestellt bekam... Mitte der Neunziger bekam man gerade einmal fünf Stück (und musste dafür fünf andere abgeben). Auch wenn es bereits Ewigkeiten her ist, sind sowohl Martin als auch Thommy Pro-Tour-Spieler und müssten dementsprechend in den DCI-Rankings auftauchen, was sie jedoch nicht tun (zumindest nicht mit mehr als null Punkten).

Es befand sich also unter den 68 Teilnehmern eine geballte Pro-Präsenz im Raum. Unter diesen Umständen setzte ich mir nur das eher bescheidene Ziel, einen positiven Score zu erreichen (also 4-3 oder besser, da sieben Runden Swiss gespielt wurden). Ich registrierte einen Pool, in dem sich leider nur ein Sealed Deck befand, und erhielt dann einen, in dem sich folgendes Deck verbarg:


10 Swamp
6 Mountain
1 Teetering Peaks

1 Goblin Guide
1 Guul Draz Vampire
1 Vampire Lacerator
1 Blood Seeker
1 Highland Berserker
1 Plated Geopede
1 Surrakar Marauder
1 Gatekeeper of Malakir
1 Goblin Ruinblaster
1 Mindless Null
1 Torch Slinger
1 Nimana Sell-Sword
1 Heartstabber Mosquito
1 Malakir Bloodwitch

1 Adventuring Gear
1 Blazing Torch
1 Burst Lightning
1 Disfigure
1 Quest for the Gravelord
1 Goblin War Paint
1 Grim Discovery
1 Magma Rift
1 Mind Sludge

Diese und weitere Karten gibt's bei:


Ansonsten befand sich Folgendes im Pool:

Steppe Lynx
2 Cliff Threader
Kor Skyfisher
Ondu Cleric
Kor Hookmaster
Makindi Shieldmate
Emeria Angel
Pillarfield Ox
Caravan Hurda
Shepherd of the Lost
Iona, Shield of Emeria
Narrow Escape
Windborne Charge

Æther Figment
Reckless Scholar
Umara Raptor
Gomazoa
Merfolk Seastalkers
2 Sky Ruin Drake
Shoal Serpent
Spell Pierce
Into the Roil
Trapmaker's Snare
Trapfinder's Trick
Summoner's Bane
Mindbreak Trap
Archive Trap


Kabira Crossroads
2 Soaring Seacliff
Turntimber Grove
Graypelt Refuge
Jwar Isle Refuge
Spidersilk Net
Explorer's Scope
Carnage Altar

Giant Scorpion
Mire Blight
Soul Stair Expedition
Desecrated Earth

Ruinous Minotaur
Shatterskull Giant
Quest for Pure Flame
2 Zektar Shrine Expedition

Nissa's Chosen
Grazing Gladehart
Mold Shambler
Timbermaw Larva
Territorial Baloth
Baloth Woodcrasher
Tanglesap
Savage Silhouette
Beast Hunt
Baloth Cage Trap
2 Relic Crush
Gigantiform




Zum Deckbau: Es tat mir von Herzen weh, diese ganzen starken weißen Karten nicht zu nutzen, aber das ist eben der Punkt, an dem der Fokus beim Deckbau ins Spiel kommt: BW hätte gewiss die höchste mögliche Kartenqualität gehabt (abgesehen vielleicht vom unendlich gierigen BWr), aber Br ergab einfach das geradlinigere Deck, und zwar eines, mit dem man auch in einem Draft absolut zufrieden sein könnte! Einige knappe Entscheidungen gab es:

>

Grim Discovery > Soul Stair Expedition: Einmal abgesehen von meinem Magma Rift oder gegnerischen Mold Shambler ist mir die Expedition, wenn ich sie nachziehe, einfach zu langsam, während die Discovery mir in der Regel sofort einen Wunsch erfüllt. Jan Rueß merkte an, dass es sich hierbei eigentlich nur um einen Raise Dead für zwei Mana handelt, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Spielern habe ich Raise Dead schon immer gerne im Limited gespielt. Die Discovery hat mich auch nicht enttäuscht. Im Mirror habe ich dann noch zusätzlich die Expedition geboardet.

>

Nimana Sell-Sword > Shatterskull Giant: Nun ja, ich hatte einen weiteren Ally, aber der hauptsächliche Grund war das des Riesen, welches es häufig verhindern würde, ihn tatsächlich als 4-Drop zu spielen. Wieder einmal blieb der Giant also außen vor! Und wieder einmal:

>

Mindless Null > Giant Scorpion: Ich denke, es war auch diesmal richtig, obwohl diese Entscheidung im Sealed knapper ist, einfach deswegen: Die besten Decks und die meisten guten Decks sind eben BR, und dagegen ist der Scorpion tatsächlich gut! Ich habe ihn dann auch in zwei von drei Mirrors geboardet. (Im dritten war die Kartenqualität meines Gegners um so viel höher, dass ich einfach versuchen musste, ihn zu überrennen – aufhalten war sinnlos.) Ansonsten ist mir die Null in so ziemlich jedem Matchup lieber – ich will NICHT ins Late Game kommen, wo ein Skorpion meine Niederlage in der Regel nur hinauszögert. Nun ist es aber so, dass es an einem Drafttisch nur eine begrenzte Anzahl BR-Drafter geben kann, und je mehr es sind, desto schwächer werden ihre Decks (und außerdem ist man selbst ja bereits schwarz), deswegen ist Giant Scorpion bei mir dort im Sideboard. Im Sealed hingegen kann man argumentieren, dass man es spätestens in den letzten Runden, wenn man an den oberen Tischen spielt, ständig mit BR zu tun bekommen wird, und den Skorpion deswegen maindecken sollte. Nun, wenn einen – so wie in Paris – zehn Runden Sealed erwarten, würde ich mich vielleicht überzeugen lassen, aber in einem „normalen“ Turnier hole ich das Tierchen immer noch lieber aus dem Sideboard.

Ruinous Minotaur: So gerne ich ihn generell spiele, er leidet am selben Problem wie der Giant, und außerdem habe ich mit Malakir Bloodwitch, Mind Sludge und Torch Slinger mehr Karten, die ich wirklich gerne für fünf Mana ausspielen möchte als in meinen sonstigen aggressiven Decks (und bereits einen Magma Rift). Dieses Mal belastet er meine Manabasis einfach zu stark.

Zektar Shrine Expedition: In monorotem Midrange hat man normalerweise die Zeit, sie hochtickern zu lassen, aber in Aggrodecks gilt wie für alle Expeditions: Man will sie nicht früh (anstelle einer Kreatur) legen, aber man will sie erst recht nicht spät legen.

Explorer's Scope: Eine umstrittene Karte. Ich bin prinzipiell einer ihrer Befürworter (und stehe damit auch nicht alleine – gerade hat Watanabe eine in sein 9-0-BR-Sealed in Minneapolis integriert, und auch der Sieger hat sie in seinem Top-8-Draftdeck gespielt, aber im Sealed hat sie einfach mehr Konkurrenz als im Draft. Ich habe nicht beliebig viele Slots für Nichtländer frei, und meine Alternativen sind mir alle wichtiger.

17 Länder: Das ist eine unübliche Entscheidung! Alles in allem ist meine Manakurve aber niedrig genug, und meine Farbanforderungen sind auch gering genug, dass ich (trotz Rift) mit 17 Stück auskomme. Mit 18 könnte ich zwar Giant oder Minotaur wieder integrieren, aber gerade dann fiele der Slot, den sie einnehmen würden, ganz weg. Mit nur zwei Landfall-Kreaturen verringere ich lieber ein bisschen das Risiko von Flood.

Zum Turnierablauf: Ich habe folgende Gegner (in Klammern das Total Rating, welches sie zurzeit in der DCI-Datenbank besitzen):

1. Runde Johann Kolp (1776)
2. Runde Jan Ruess (2048)
3. Runde Paul Weidermann (1880)
4. Runde Johannes Löchert (1855)
5. Runde Fabio Reinhardt (1883)
6. Runde Christopher Passow (1978)
7. Runde Sascha Schwarz (1788)

Gegen Johann gibt es gleich ein BR-Mirror. Das läuft recht simpel ab: Wer flüssiger seine Starthand leerspielt, gewinnt. (Man könnte sogar sagen, wer zuerst seinen Blood Seeker legt, gewinnt!) Das ist einmal er und bin zweimal ich. Wir vergleichen danach unsere Decks und stellen fest, dass meines wohl ein wenig stärker ist (was im Wesentlichen an Malakir Bloodwitch liegt). 1-0


Gegen Jan steht dann noch ein Mirror an. Im ersten Spiel fährt Jan einfach mit mir Schlitten – er hat ebenfalls eine Bloodwitch, dazu Vampire Nighthawk und mehr als doppelt so viel Removal wie ich. Beim Sideboarden verzichte ich daher auf den Kontrollplan (Giant Scorpion, Soul Stair Expedition) und bleibe so aggressiv wie möglich, in der Hoffnung ihn zu überrennen, während er schlecht zieht. Nun könnte ich mir meinen Sieg in den beiden darauffolgenden Spielen anrechnen, weil ich ihn tatsächlich überrannte, während er schlecht zog; aber die Realität ist, dass er nicht nur schlecht zog, sondern grausam schlecht (und dass ich, nebenbei bemerkt, auch grausam schlecht spielte). In einem Spiel spielte er, als ich Burst Lightning und Magma Rift auf der Hand halte, aber ausgetappt bin, seine Malakir Bloodwitch mit Goblin War Paint, swingt für sechs (plus einen Punkt Drain) und zwingt mich, meine beiden Removal auf den Vampir zu spielen – aber dann kommen bei ihm Ewigkeiten nur Länder nach, während ich ihn mit einem Guul Draz Vampire und einem Highland Berserker von 21 (er hatte zwischendurch noch Vampire's Bite gespielt) auf null prügle. Im zweiten ist er, obwohl mein Start nicht gerade schnell ist, Ewigkeiten colorscrewed, und ich kann meine Bloodwitch zum Sieg fliegen. So ist halt Magic. 2-0

Die Partie gegen Paul empfand ich da eher als entspannend: Endlich einmal kein BR! (Obwohl – wenn ich mich recht entsinne, spielte er die beiden Farben sogar, aber eben in einem dreifarbigen Build.) Einmal überrenne ich ihn mit einem sehr schnellen Start, und einmal ist er etwas flooded. Ich antizipiere Marsh Casualties und kann mir den Luxus erlauben, um diese herumzuspielen und dann noch einmal Druck nachzulegen, und das war's. 3-0

Johannes bietet dann zum dritten Mal BR gegen mich auf, und dieses Mal habe ich nicht das bessere Ende. Sein Deck ist nicht ganz so stark wie das von Jan, aber immer noch klar besser als meines. (Und auch er hat Vampire Nighthawk.) Das erste gewinne ich sogar in der vielleicht brutalsten Partie Magic, die ich je gespielt habe – wir legen beide perfekt unsere Kurven, nutzen beide all unser Mana aus und greifen jede Runde an, und am Ende zwingt ihn ein eiliger Goblin Ruinblaster, mit seinem Hellfire Mongrel zu blocken, der ansonsten für mich tödlich gewesen wäre. In den beiden anderen ownt er mich aber, nicht zuletzt auch deswegen, weil er seinen geboardeten Giant Scorpion zieht, ich meinen aber nicht. 3-1

Was Fabio angeht, habe ich ehrlich gesagt vergessen, was er gespielt hat – irgendetwas mit Weiß auf jeden Fall; ich glaube, Weiß-Rot. Ich kann mich nur noch erinnern, dass er sich jederzeit in der Defensive befand und sich nie daraus befreien konnte. Im zweiten Spiel eröffne ich mit Goblin Guide, Goblin War Paint, Adventuring Gear (und Land), und noch einem Land... das war vorbei, bevor es richtig begonnen hatte! 4-1


Christopher hingegen führte UB ins Feld. In diesem Matchup nahm sich mein Deck eine gründliche Auszeit, und von Rechts wegen hätte ich daher eigentlich verlieren müssen – aber irgendwie kam es anders. Zwar wurde ich zuerst in absoluter Rekordzeit von zwei Welkin Tern überflogen. Ich sideboardete mein Spidersilk Net herein (man darf nie vergessen, sein Sideboard zu benutzen!), war dann aber nach Mulligan furchtbar screwed auf Rot – auf dem Tisch lagen bereits fünf Sümpfe und eine Blazing Torch, bis ich für meinen Goblin Guide endlich den ersten Mountain fand. In der Zwischenzeit befanden sich meine Lebenspunkte bereits im einstelligen Bereich, und auf der anderen Seite befanden sich zwei Welkin Tern, eine Trusty Machete und eine Soul Stair Expedition mit ausreichend Countern. Wie sollte ich das noch gewinnen? Nun, ich spielte den Guide, rüstete ihn erst mit der Torch und dann mit dem Spidersilk Net, welches ich auf der Hand zurückbehalten hatte, aus. Nun konnte ich eine Tern totblocken und eine andere abschießen, wenn sie angriffen (dank Haste). Das taten sie aber nicht. Ich schoß trotzdem eine ab und zog weiter Sümpfe, während mein Gegner noch ein oder zwei Bodenkreaturen legte und sich weigerte anzugreifen – trotz seiner Expedition! Irgendwann fand ich dann Malakir Bloodwitch, aber das wurde auch höchste Zeit, denn unterdessen lagen mir Merfolk Seastalkers gegenüber. Meine einsame Bloodwitch (plus Netz) hielt weiterhin tapfer das gesamte gegnerische Board auf. So langsam tauchte dann aber mein Removal auf (bzw. erst einmal das zweite rote Mana für Torch Slinger), und ich dezimierte so nach und nach das gegnerische Board, und schließlich mit einem Mind Sludge Christophers Hand, und als er dann endlich seine Expedition einlöste, war es mir gelungen, ihn hineichend unter Druck zu setzen, dass er mit seinen zurückgeholten Kreaturen blocken musste, und ich gewann ein eigentlich ungewinnbares Spiel. Auch das zweite verzockte er, als er mit seinem Vampire Hexmage in zwei Highland Berserker und Gatekeeper of Malakir auf meiner Seite rannte und ich einfach doppelblockte. Er tötete erst einmal eine meiner Kreaturen mit First Strike, was einen zweiten Counter auf meine Quest for the Gravelord beförderte, und suchte dann nach einer Möglichkeit, zu verhindern, dass ich meinen 5/5er bekam – aber da gab es natürlich keine mehr! Ausnahmsweise gewann ich also, weil mein Gegner mehr Spielfehler machte als ich. 5-1


Sascha war, denke ich, ebenfalls RW. Ich wollte mich schon bei ihm entschuldigen, weil ich – anstatt uns beide in die Top 8 zu drawen – spielen wollte, denn mir ging es ja nicht um den Flug, sondern lediglich um die Boosterpreise, die nach den Swiss Standings verteilt würden, aber er war heruntergepaart worden und in jedem Fall dabei, also machte es nichts. Auch hier kann ich mich nicht mehr an Details erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich Spiel 1 vermutlich mit einem entscheidenden Spielfehler aus der Hand gab, aber ansonsten mein Deck sich von seiner Schokoladenseite zeigte und ihn überrannte. 6-1

Damit war ich dann der Zweitplatzierte nach dem Swiss und würde dafür 15 Booster erhalten. Nach Rücksprache mit Headjudge und TO droppte ich dann, um niemandem, der zur Tour wollte, einen Platz in den Top 8 wegzunehmen (dass dies Jan Rueß sein würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht), und erhielt als Entschädigung für den verpassten Draft vom TO drei Booster. Das wird langsam zur Gewohnheit bei mir: Neulich erst war ich bei einem Trial vor dem Finale gedroppt, weil ich nicht nach Paris fahren würde, und dann noch einmal bei einem anderen Trial vor dem Viertelfinale. (Die unterschiedlichen Zeitpunkte erklären sich übrigens aus den unterschiedlichen Preisvergaben und aus unterschiedlichen Auffassungen der Headjudges, wann ein Drop möglich ist.)

Am Abend spielte ich dann privat noch ein wenig mit Thommy. Ich erwähne dies, um meinen anfänglichen Punkt zu illustrieren: Zuerst spielten wir ca. ein Dutzend Mal mein Sealed Deck aus dem Turnier gegen seines (BW), und ich gewann beinahe jedes Spiel. Dann baute er sich aus sechs Boostern ein neues Sealed zusammen, und zwar Mono-R (!) – und dann spielten wir noch einmal ein Dutzend, und ER gewann alle Spiele bis auf eines! Ein bisschen Varianz kann diese Ergebnisse natürlich überdeutlich gestaltet haben, aber die Tendenz ist klar: Der Niveauunterschied zwischen Sealed Decks in Zendikar ist einfach enorm. Im Draft erzeugt man diesen Unterschied zum großen Teil durch geschicktes Draften selbst, aber im Sealed kann man da wenig machen.

Meine drei Extrabooster habe ich dann gleich einen Abend später auf den Kopf gehauen, als ich einige unserer Rom-Fahrer beim Testen unterstützte. Sie entschieden sich für einen Team-Draft. Ich wurde Jan Rueß und einem mir unbekannten Spieler namens Arnd Großmann zugelost (der, wie ich später erfuhr, seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gespielt hatte, sich dafür aber sehr gut hielt). Unsere Gegner waren Roland Bode, Fabio Reinhardt und Olaf Krzikalla. Wer nicht genau weiß, wie so ein Teamdraft abläuft (ich wusste es selbst vorher nicht genau): Die Mitglieder der beiden Teams werden abwechselnd platziert, und jeder draftet ganz normal für sich und baut sich dann aus seinen gedrafteten Karten ein Deck. Die Spieler eines Teams dürfen einander beim Deckbau und beim Spielen beraten, aber keinerlei Karten untereinander austauschen. Dann spielt jeder einmal gegen jeden Spieler des gegnerischen Teams (was insgesamt neun Partien ergibt). Das Team, welches die meisten Matches gewinnt, darf dann den gesamten Kartenpool unter sich aufteilen.

Mir gelang es, mit BU (hauptsächlich B, aber mit viel blauem Bounce) Fabio (BUG) und Olaf (RG-Allies) zu besiegen; doch gegen Rolands RW featuring Devout Lightcaster (AUA!) und Hellkite Charger hatte ich keine Chance. Leider blieben das die einzigen Siege für unser Team – Jan (BR) verlor mit einigen unglücklichen Draws und nach eigener Aussage auch einem kritischen Misplay mehrfach 1-2, und Arnd mit einem etwas behäbigem GW ebenso. Da gingen die beiden Fetchländer dahin...

Ich besitze allerdings immer noch einen reichlichen Vorrat an Zendikar-Boostern und werde diesen wohl nach und nach verdraften (auch wenn ich dabei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mein Rating wieder abrüsten werde) – Zendikar draften macht einfach Spaß!




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