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Claws of Steel
von Michael Diezel
03.03.2016

Am Wochenende gab es einen Doppel-PPTQ in Leipzig und dort holte ich nicht nur meinen Slot für die RPTQs, sondern auch gleich noch Inspiration für das heutige Deck. Und die kam aus gleich zwei verschiedenen Richtungen:

1)

Zwei lokale Spieler versuchten sich mit einem Ally-Deck, das ungefähr so aussah:


3 Kytheon, Hero of Akros
(Gideon, Battle-Forged)
4 Kalastria Healer
4 Sylvan Advocate
4 Zulaport Cutthroat
3 Ayli, Eternal Pilgrim
4 Drana, Liberator of Malakir
2 Lantern Scout
1 Veteran Warleader


4 Captain's Claws
3 March from the Tomb
4 Collected Company

+24 Länder


2)

Ein weiterer Spieler vernichtete mich auf dem Weg in die Top 8 beinahe mit den 10-Euro-Goblins, was mir zeigte, dass es tatsächlich Fans von Budgetdecks gibt, die anders als ich auch tatsächlich den Mumm haben, diese auf ziemlich kompetitivem Level auszupacken.

Offensichtlich lassen sich die beiden Punkte ganz gut verbinden, da Allies vergleichsweise einfach – und ohne großen Mitteleinsatz – zu bekommen sind. Gleichzeitig zeigt das erste Deck ein wenig die Problematik des Formats mit all dem schönen Manafixing: Die Synergien durch den Einsatz von Verbündeten ist einfach nicht so hoch wie die Stärke der potenziell spielbaren Einzelkarten, wenn man auf diese verzichtet.

Um das noch weiter zu erläutern, verweise ich noch einmal auf Einzelkarten, die das Deck enthält:




Und das sind noch lange nicht alle. Versteht mich nicht falsch, das sind keineswegs furchtbare Karten, Zulaport Cutthroat beispielsweise wird sogar im mutmaßlich bestem Deck des Formats ausgepackt, aber im Vergleich zu den Jaces und Reflector Mages stinken sie halt trotzdem ganz schön ab.

Nun spielt man natürlich nicht im Vakuum, sondern mit jeder Menge weiterer Verbündeter, sodass sich doch Synergieeffekte abstauben lassen müssten. Diese bestehen jedoch mehr oder weniger ausschließlich in Kalastria Healer. Gut, noch ein bisschen Lantern Scout und March from the Tomb, aber das rettet uns auch nicht. Zumal wir, um bei diesen Synergien das Maximum rauszuholen (und gleichzeitig eine Daseinsberechtigung für den Mordgesellen zu finden), gezwungen sind, noch Ayli, Eternal Pilgrim zu spielen. Dadurch entsteht am Ende ein Deck, welches schlechter Rally spielt als Rally und im Vergleich zum Original natürlich auch das schlechtere Abzan-Deck darstellt. Bitte nicht falsch verstehen: Das Deck ist unter der Vorgabe der Idee sehr ordentlich gebaut, was man schon allein daran sieht, dass mir nichts eingefallen ist, wie man es deutlich aufbessern könnte – allein, die Idee klappt gegenwärtig vermutlich nicht.

Zeit für uns also, einen komplett neuen Ally-Ansatz zu verfolgen, möglichst noch mit Budget-Anspruch, weil sich das gerade anbietet. Mein erster Versuch arbeitete mit und um General Tazri.


Das ist schon eine gute Karte. Im schlechtesten Fall kann man sie wie ein besseres Avarax benutzen, was zumindest jede Menge Kartenvorteil erzeugt. Zudem ist der angedrohte Overrun ja jetzt auch nicht zu verachten. Alternativ fischt Tazri in einer kleinen Ally-Toolbox.

Klingt gar nicht schlecht – ist es auch nicht – jedoch ausschließlich mit mehr als zwölf Fetchlands möglich. Gerade in Hinblick auf die anstehende Rotation verursachte mir das aber Bauchschmerzen, euch ein Deck aufzuschwatzen, welches jede Menge in Fetchlands investiert (gut, das ist vermutlich nicht die schlechteste Ausgabe), nur um General Tazri zu beschwören.

Für alle, die sich trotzdem mal ausprobieren wollen, hier die letzte Skizze:


4 Beastcaller Savant
1 Lantern Scout
4 Sylvan Advocate
4 General Tazri
4 Kalastria Healer
4 Skyrider Elf
1 Expedition Envoy
3 Veteran Warleader
1 Reckless Bushwhacker
1 Tajuru Warcaller
1 Munda, Ambush Leader
1 Mina and Denn, Wildborn

4 Oath of Nissa
4 Unified Front


4 Windswept Heath
1 Island
1 Mountain
1 Plains
4 Wooded Foothills
4 Flooded Strand
1 Forest
1 Canopy Vista
1 Prairie Stream
1 Sunken Hollow
1 Smoldering Marsh
1 Cinder Glade
2 Sandsteppe Citadel


Eine Version ohne Fetchlands kann aber quasi nur funktionieren, wenn man auf einen Aggro-Ansatz zurückgreift, ansonsten landet man mehr oder weniger zwangsläufig bei diesen. Dabei zeigt sich ein weiteres Problem der Verbündeten: fehlende 1-Drops. Gut, Expedition Envoy ist nicht absolut furchtbar, aber er alleine reicht halt nicht. Zum Glück bin ich bei meiner Recherche auf einen weiteren gestoßen – sogar in der gleichen Farbe: Stoneforge Acolyte.

Der Steinschmelz-Tempeldiener – sensationeller Name – kämpft jetzt nicht gerade sensationell, bietet aber eine wirklich anständige aktivierte Fähigkeit, deren größtes Problem darin liegt, zwingend Equipment zu benötigen, um auch nur irgendetwas zu machen. Ihr erinnert euch vielleicht an Bob und seine Handwerker-Freundin? Dabei erkannten wir, dass die Ausrüstungen des Formats bestenfalls mäßig zu nennen sind und erkannten als Ausnahmen Ghostfire Blade und Stoneforge Masterwork. Während Erstere vermutlich keinen Platz bei farbigen Kreaturen finden wird, ist Letzteres deutlich interessanter.


Und dann gibt es ja noch Captain's Claws, wie beim PPTQ vorgeführt wurde. Eigentlich knapp zu schlecht, wenn die Karte aber in ein Deck passt, dann in dieses. Nicht nur wegen dem Tempeldiener, sondern auch aufgrund der noch hinzukommenden Massenkreaturenpumpeffekte. Schönes Wort.

Bevor wir uns diese genauer anschauen, muss ich euch allerdings vorwarnen: Das folgende Playset wird – für ein Budget-Deck – eine Herausforderung:




Dass ich euch Gideon trotzdem guten Gewissens ans Herz legen kann, liegt an folgenden Gründen:

Er wird in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich nicht günstiger in der Anschaffung.
Er ist eine superstarke Karte, die auch noch in zahlreichen künftigen Decks zum Einsatz kommen kann.
Er passt einfach zu gut in dieses Deck.

Während ich zu den beiden ersten Punkten nicht viel mehr tun kann, als auf meine letzte Empfehlung dieser Art zu verweisen (Mutavault), möchte ich den letzten Punkt noch etwas weiter ausführen: Gideon passt gut ins Ally-Deck, weil er zunächst einmal Verbündete baut. Das war ja einfach.

Doch damit nicht genug. Während der Planeswalker so gut ist, dass er sowohl in Kontrolle als auch Midrangedecks gespielt werden kann, ist er doch am vermutlich stärksten in Aggrodecks. Dort beschließt er einfach die Kurve, ohne zu viele Kreaturen auf das Spielfeld zu schicken, die dann von Radiant Flames, Kozilek's Return oder Ähnlichem auf einmal abgeräumt werden. Gleichzeitig haut er richtig zu – entweder mit seiner +1-Fähigkeit, wenn man ihm Zeit gibt oder direkt mit dem Ultimate. Das Beste daran? Oath of Gideon!


Nicht nur thematisch passend, sondern auch inhaltlich. Gerade habe ich das Ultimate des Planeswalkers Gideon erwähnt. Dieses wird ungleich stärker, wenn danach noch ein Planeswalker Gideon liegen bleibt – wofür sein Eid sorgt. Gleichzeitig packt man noch zwei Trottel aufs Schlachtfeld, die mit dem Effekt besonders gut funktionieren und zur Krönung des Ganzen auch noch den Kreaturentyp Verbündeter besitzen. How lucky.

Wenn wir aber nun einmal jede Menge kleiner Kreaturen bauen, die aggressiv zuschlagen wollen, ist einer nicht allzu fern, der in dieser Strategie sein Können gerade erst unter Beweis gestellt hat:


Sieh an! Auch der ist ein Allierter.

Reckless Bushwhacker sorgt für die richtig absurden Draws. Zumal wir genug billige Karten spielen, um ihn auch noch zuverlässig für seine Surge-Kosten wirken zu können. Fehlt eigentlich nur noch ein solider 2-Drop. Auch da schwächeln die Allies ein wenig. Die beiden mit Abstand besten finden sich in Schwarz (Kalastria Healer) und Grün (Sylvan Advocate), aber auch Weiß und Rot haben einen anzubieten – passenderweise den Gleichen, nämlich Weapons Trainer.


3/2 sind durchaus solide Stats und der Bonus lässt sich bei unserer Fokussierung auf Equipment zumindest halbwegs zuverlässig erreichen – und ist dann auch überaus relevant.

Den Rest des Decks füllen wir dann mit Removal und Kytheon auf. Kytheon ist leider kein Verbündeter, schafft es aber dennoch. Wir wollen einfach immer im ersten Zug eine Kreatur legen und der stellt einfach die beste Wahl dar, weil er auch in Zug 29 noch zumindest anständig ist. Das Removal der Wahl ist erneut Outnumber. Einfach am effektivsten.


3 Reckless Bushwhacker
3 Stone Haven Outfitter
1 Kytheon, Hero of Akros
(Gideon, Battle-Forged)
4 Expedition Envoy
4 Stoneforge Acolyte
4 Weapons Trainer

3 Stoneforge Masterwork
4 Gideon, Ally of Zendikar
3 Outnumber
4 Captain's Claws
4 Oath of Gideon


6 Mountain
1 Ally Encampment
8 Plains
4 Battlefield Forge
4 Needle Spires

Sideboard:

3 Valorous Stance
2 Felidar Cub
2 Make A Stand
2 Lantern Scout
2 Silkwrap
4 Arc Lightning


Die Länder bauen sich fast von allein ein, lediglich die Anzahl der Ally Encampments ist ein wenig trickreich. Es sieht zwar aus wie das optimal passende Land, da wir ja quasi nur Verbündete und farbloses Equipment spielen, in der Realität braucht es aber doch Doppelweiß für Gideon und Rot für Outnumber sowie beide Farben für die durchaus auftauchende Aktivierung von Needle Spires. Außerdem gibt es abgesehen von Reckless Bushwhacker kaum nützliche Anwendung für die zusätzliche Fähigkeit des Verbündetenlagers. Deshalb nur ein Exemplar. Noch kurz zu Needle Spires: Mit Gideon-Ultimate und diversen Equipments (theoretisch auch Bushwhacker) hat man gute Chancen, die Stärke zu vergrößern, was durch die Doppelschlagfähigkeit natürlich besonders reinhaut. Auf der anderen Seite hat man sehr oft mehr als genug anderes zu tun, als Needle Spires zu aktivieren – aber allein die Möglichkeit schadet sicher nicht.

Auf der Ersatzbank sitzen dann die üblichen Verdächtigen: Valorous Stance gegen dicke Männer, Arc Lightning für weiße, rote, blaue und grüne Tokendecks, Lantern Scout für Race-Situationen, Silkwrap gegen Jace und Hangarback Walker sowie Felidar Cub für den Kampf mit Hardened Scales. Bleibt noch Make a Stand, das gegen Massremoval gedacht ist. Möglicherweise kann man hier aber auch einfach mehr Bushwhacker spielen, um nicht zu kontern, sondern einfach direkt neuen Druck auf den Tisch zu bekommen.

Eine spannende weitere Möglichkeit wäre Archangel of Tithes. Der ist offensichtlich supergut in jeder Race-Situation und erstaunlich zuverlässig im vierten Zug hinzulegen, da wir immerhin 24 Länder spielen und die meisten davon auch weißes Mana produzieren. Mit dem Fünferhintern ist er zudem gar nicht so einfach aus der Luft zu bekommen. Auf der anderen Seite wäre eine Investition in mehrere von diesen schon wieder mehr Einsatz als ein komplettes Goblindeck und deswegen sei er hier lediglich als Alternative aufgeführt.


Eine weitere solche Alternative wäre Mastery of the Unseen. Seit Monaten die Standardwaffe weißer Kreaturendecks für die langsameren Matchups, weil die Karte kaum zu besiegen ist, wenn man ihr Zeit gibt. Das Problem an ihr ist, dass zumindest einige dieser Decks Dromoka's Command spielen – den Erzfeind – und das nach dem Erfolg von Hardened Scales kaum weniger werden dürften.

Damit sind wir auch schon wieder am Ende. An dieses habe ich noch eine Liste mit allen Karten gesetzt, die nach der nächsten Rotation nicht mehr legal sein werden: .

Tatsächlich: null. Wenn das keine rosigen Aussichten sind.

Bis zum nächsten Mal!
Der MiDi




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