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Kreaturen - Luxusklasse!
von Andreas "Zeromant" Pischner
01.06.2002

Judgment ist da, und gute Zeiten für die Freunde der "friedlichen" Farben Grün und Weiß brechen an! Einen Vorgeschmack davon - eigentlich eher eine Überdosis! - haben uns die "Pre-Release"-Turniere im Limited ja bereits beschert, und was Constructed angeht, so kann ich über Anurid Brushhopper, Phantom Centaur und Solitary Confinement eigentlich auch nicht viel sagen, was sich nicht jeder "Spike" unter den Magic-Spielern alleine denken könnte.

Aber Judgment bedient auch die beiden anderen Spieler-Archetypen: Johnnies können zum Beispiel mit Nomad Mythmaker, Pulsemage Advocate, Soulcatchers' Aerie & Test of Endurance herumspielen (um lediglich die weißen Karten zu nennen, die mir da ins Auge stechen!), und wenn sie sich mit ihren Mitspielern auf die Handhabung der Wishes einigen können, ist ihrer Phantasie kaum noch eine Grenze gesetzt...

(Eine Anmerkung: Wormfang Manta & Vanishing ist wohl bereits jetzt ein alter Hut - welcher Funspieler kann schon der Versuchung widerstehen, seine Mitspieler mit einer Zwei-Karten-Kombination zu schockieren, die ihm für UU pro Runde beliebig viele Züge gibt? )

Mein Artikel ist aber diesmal den Timmies gewidmet - oder zumindest dem Timmy-Anteil, den jeder von uns in sich trägt! Seit Prophecy mit seinen Avataren & Winden hat es wohl kein Set mehr gegeben, das dem kleinen Timmy in uns allen so viel bietet wie Judgment. Ich sage nur:

CRUSH OF WURMS!

Du meine Güte, ist diese Karte DEKADENT! Ich halte sie zwar im Constructed für völlig unspielbar, und im Limited vielleicht für gerade noch Sideboard-bar in extrem langsamen Matchups, aber nichtsdestotrotz ist diese Karte einfach nur geil! (Übrigens: Für die Johnnies, deren Timmy-Anteile sich beim Anblick dieses Fatty-Festivals gemeldet haben, hat Anthony Alongi auf http://www.magicthegathering.com einen Artikel darüber geschrieben, wie man am schnellsten die meisten größten Würmer produziert.)

Judgment hat Timmy aber noch viel mehr zu bieten!

Seit ich Magic spiele (also seit nunmehr siebeneinhalb Jahren) habe ich im Hinterkopf immer eine Faustregel gehabt, die ich zu Beginn meiner Spieler-Karriere irgendwann aufgeschnappt hatte: Ein Spruch, der mehr als 6 Mana kostet, ist unspielbar.

Als ungefähre Richtlinie ist diese Aussage gar nicht einmal so schlecht, obwohl sie natürlich viel zu grob ist. Im Sealed zum Beispiel würde ich in den meisten Formaten meine Manakurve bis sieben Mana ausdehnen - in sehr schnellen Formaten, wie z.B. Tempest Only Sealed, nur bis sechs, in recht langsamen, mit brauchbaren Möglichkeiten, Handkarten alternativ einzusetzen, wie z.B. im Masken-Block mit seinen Spellshapern, bis acht. Im Draft kommt als zusätzlicher Faktor die Strategie meines Decks hinzu: In sehr schnellen Aggro-Decks (wie beispielsweise die schnellste Variante des G/R-Decks in Odyssey/Torment) können bereits fünf Mana zuviel sein, während in einem guten Kontroll-Deck unter Umständen sogar ein Finisher mit zweistelligen Mana-Kosten vertretbar sein kann.

Im Constructed hat man wiederum ganz andere Möglichkeiten, Karten in eine spezielle Strategie zu integrieren. Kreaturenkarten werden natürlich in manchen Decks unbeschadet der astronomischsten Mana-Kosten gespielt, indem Tricks wie Animate Dead, Living Death, Pattern of Rebirth, Natural Order, Pattern of Rebirth oder Oath of Druids benutzt werden. Wenn es jedoch darum geht, die Manakosten tatsächlich zu BEZAHLEN, gibt es nur noch ganz wenige Decks, die sich mehr als sechs Mana leisten können, und sie sind alle sehr stark auf Mana-Produktion fixiert: Balancing Tings mit seinen über 20 Sac-Ländern und Obliterate, oder Rice Snacks, das sich mit seinen knapp zwei Dritteln Manaproduzenten im Deck Time Stretch leisten kann, sind gute Beispiele.

Anonsten jedoch ist fast immer bei sechs Mana (wie für Rith, the Awakener oder den doppelgekickerten Rakavolver) Schluß. Eine nennenswerte Ausnahme ist der Desolation Angel - die letzte große Fehleinschätzung einer Karte von meiner Seite, an die ich mich erinnere: Ich hatte den Engel, als Apocalypse heraukam. eben wegen der geforderten sieben Mana (ohne Kicker kommt er ja nun wirklich nicht in Frage!) für unspielbar erklärt. (Naja, dafür hatte ich mit Do or Die und Devastating Dreams recht gehabt, die in Berlin eine Zeitlang in den Himmel gelobt worden waren...) Generell kann man sagen: Wenn man im Constructed für einen Spruch mehr als sechs Mana bezahlen muss, dann sollte man damit auch zweifelsfrei das Spiel gewinnen! Desolation Angel und Obliterate veranschaulichen diesen Grundsatz eigentlich ganz gut.

Mit der Sechs-Mana-Regel im Hinterkopf hatte ich Kreaturenkarten (die für mich immer noch das Herz des Spiels sind!) früher in die Kategorien klein (bis zwei Mana), mittel (drei bis vier), groß (fünf bis sechs) und "übergroß" (sieben und mehr) eingeordnet. Natürlich steckte hinter dieser Einteilung auch der Gedanke, dass Manakosten und Größe der Kreatur eng miteinander zusammenhängen sollten. Dabei waren die "übergroßen" Kreaturen für mich immer überflüssiger Luxus - sie waren ja schließlich "unspielbar" - und ich ärgerte mich jedesmal wieder, wenn in einem neu erschienenen Set ein kostbarer Rare-Slot für einen Superfatty verschwendet wurde. Gleichzeitig war da aber auch immer noch die Faszination des kleinen Timmy, der staunend zur Kenntnis nahm, mit welchen übermächtigen Kampfwerten und Spezialeigenschaften die absurden Manakosten einer Karte gerechtfertigt wurden.

Dabei hat sich die Anzahl und Spielstärke der Luxus-Kreaturen im Lauf der Jahre erheblich geändert, und Judgment stellt einen Höhepunkt dieser Entwicklung dar! Nicht weniger als ZEHN Sprüche mit Geamtkosten von sieben Mana oder mehr hat diese Edition (X-Sprüche und teure Flashbacks nicht mitgerechnet)! Leider spinnt bei mir die Sortierfunktion meiner Magic Encyclopedia, so dass ich die folgende Behauptung nicht untermauern kann, aber ich denke schon, dass dies der höchste Anteil an Luxus-Sprüchen mindestens seit Legends ist!

Dabei stehen für einen echten Timmy die Kreaturen natürlich im Vordergrund. O.K., Crush of Wurms kann man gelten lasen, und Vitalizing Wind zum Beispiel ist auch sehr nett, aber in erster Linie interessiere ich mich da doch für die Karten mit den beiden Zahlen unten rechts in der Ecke. Ich habe mir daher einmal den Spaß gemacht, alle Luxus-Kreaturen, die es seit Beta gegeben hat, aufzulisten und mir ein paar Kommentaren zu versehen! Die Liste erhebt übrigens Anspruch auf Vollständigkeit - das heißt, ich habe mich zumindest BEMÜHT, nichts zu übersehen, aber es würde mich wundern, wenn mir da nicht irgendetwas entgangen wäre. Kreaturen mit X in den Mana-Kosten habe ich außen vor gelassen - die kann man ja bequem für sechs Mana spielen, das zählt nicht! Auch Kicker-Kosten und verwandte Mechanismen habe ich ignoriert (obwohl Wood Elemental schon irgendwie gepasst hätte, aber diese Karte ist dermaßen unglaublich schlecht, dass sie schon zur Strafe nicht auf diese Liste gehört).

Na schön, dann fange ich einmal an:

Beta (das ursprüngliche Grundset): Lord of the Pit.

...und das war alles! Selbst die größte Kreatur des Sets, Force of Nature, kostete nur bezahlbare sechs Mana, glich das aber durch die immensen Upkeep-Kosten aus. Der Lord soll gerüchteweise Richard Garfields Lieblingskarte sein, und daher ist es denkbar, dass der Designer des Spiels ganz bewusst den kreaturenverschlingenden Dämon als Einziges über die Sechs-Mana-Schwelle hinausgehoben hat. Als fliegender 7/7 Trampler ist er seinen zuätzlichen Nachteil damals übrigens durchaus wert gewesen (damals, das war allerdings auch die Zeit, wo niemand wusste, wie man wirklich effiziente Magic-Decks baut), aber die sieben Mana haben dann doch gestört. Heute würde eine vergleichbare Kreatur wohl ein Mana weniger kosten (und einen anderen Kreaturentyp als "Dämon" haben ).

Arabian Nights: Island Fish Jasconius.

Der Inselfisch ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie das Design von Kreaturen-Karten in der Frühzeit von Magic mehr vom Flair der Karte als von ihrer Spielbarkeit bestimmt wurde. Der Fisch war einfach nur schlecht - selbst wenn man als Johnnie bereit war, um seinen doppelten Nachteil irgendwie herumzuspielen, war dieser langweilige 6/8er die Mühe einfach nicht wert.

Antiquities: Colossus of Sardia, Mishra's War Machine.

Die War Machine war zu Beginn meiner Spieler-Zeit eine der unbeliebtesten Rares überhaupt, und letztlich zu Recht: Sieben Mana, selbst generische, sind als Kosten für einen 4/4 Bander wirklich mehr als genug - da brauchte es nicht auch noch den Upkeep. Allerdings hatten damals offensichtlich ALLE Luxus-Kreaturen auch noch einen zusätzlichen Upkeep - vermutlich auch eine von der hinter dem Spiel stehenden Philosophie geprägte Entscheidung: Die ganz großen Kreaturen sollten nicht nur schwierig zu erwerben, sondern auch teuer im Unterhalt sein

Der Colossus hingegen war ein Hit! Nicht nur, dass er die bislang größte Kreatur überhaupt war (von einer mit Mana Flare gefütterten Rock Hydra einmal abgesehen ), er trampelte auch noch! Und neun Mana waren ja schließlich ein Klacks - man spielte einfach mit den Urza-Ländern! Das waren noch Zeiten...

Legends: Akron Legionnaire, Arcades Sabboth, Axelrod Gunnarson, Barktooth Warbeard, Bronze Horse, Chromium, Craw Giant, Elder Land Wurm, Elder Spawn, Gabriel Angelfire, Gosta Dirk, Hazezon Tamar, Jedit Ojanen, Lady Caleria, Lady Orca, Mold Demon, Nicol Bolas, Palladia-Mors, Riven Turnbull, Sivitri Scarzam, Ur-Drago, Vaevictis Asmadi.

Zweiundzwanzig Stück! Legends stellte den Höhepunkt der Ära dar, in der Magic-Karten wegen ihres Flairs entstanden. Die Manakosten, besonders für die Legenden in diesem Set, sind hingegen nach einem schwierig zu widerlegenden Gerücht ausgewürfelt worden...

Die meisten Luxus-Kreaturen in Legends waren natürlich Legenden, und die Flaggschiffe dieses Sets unzweifelhaft die Elder Dragon Legends. Gut, der Colossus war noch größer, aber diese Drachen waren unzweifelhaft die Könige! 7/7 Flieger mit tollen Zusatzfähigkeiten (die zwar sehr unterschiedlichen Nutzen haben, aber was wussten wir damals schon davon), und ohne störende Nachteile ala Lord of the Pit - denn Mana hatte man ja! Keine Kreatur hat jemals wieder das Flair der alten Drachenlegenden erreicht, wenn auch ihre Spielstärke aus heutiger Sicht nicht allzu spektakulär ist. Immerhin kosteten sie nicht einfach 8 Mana, sondern aabbcc2 Mana mit einem Upkeep von abc - ganz schön heftig! Aber gerade diese dreifarbige Buntheit trug entscheidend zu ihrem Mythos bei (ebenso wie der Umstand, dass Legends in viel zu geringer Stückzahl verkauft wurde).

Dagegen stanken die meisten anderen Luxus-Legenden ziemlich ab, besonders nachdem der erste Reiz dieser neuen, bunten Kartenart vorbei war. Axelrod Gunnarsson war mit acht Mana lächerlich teuer für einen 5/5 Trampler, auch mit dem kleinen Bonus. Gabriel Angelfire wirkte zwar interessant durch seine "Vielseitigkeit", aber egal ob 4/4 Flying, 4/4 Trample, oder 4/4 First Strike (Rampage war eindeutig überflüssig), es fiel doch schnell auf, dass man für 7 Mana doch mehr erwarten konnte. Gosta Dirk und Ur-Drago boten sogar noch weniger. Barktooth Warbeard (6/5) Jedit Ojanen (5/5), Lady Orca (7/4) & Sivitri Scarzam (6/4) waren allesamt Vanilla-Kreaturen für sieben Mana - groß, aber langweilig, und Sivitri war einfach nur ein schlechterer Craw Wurm - damit konnte man nun wirklich niemanden hinter dem Ofen vorlocken. Eigentlich gehörte auch Riven Turnbull (5/7) in diese Kategorie - dass man ihn für Mana tappen konnte, war wohl nur ein schlechter Scherz (der in Invasion noch einmal aufgegriffen werden sollte)! Lady Caleria konnte immerhin böse Dinge mit Angreifern oder Blockern anstellen - drei Schaden sind ganz schön viel!, war aber selbst nur 3/6 - nicht so beeindruckend. Hazezon Tamar hingegen war cool: Sieben (vermutlich) 1/1er als Gratisbeigabe regten die Phantasie der Johnnies an. Jahre später hat uns dann Deranged Hermit gezeigt, wie man diese Mechanik auf Turnier-Niveau umsetzen kann...

Die Nicht-Legenden waren noch eine Stufe schlechter als die Legenden: Bronze Horse war ein weiterer dummer 4/4er für sieben Mana, Mold Demon hätte mit seinem Nachteil gut und gerne 3 Mana billiger sein können, Elder Spawn war mit UUU3 wirklich teuer genug, um ohne seinen Zusatz-Nachteil auszukommen, und Akron Legionnaire hätte einen zusätzlichen VORTEIL gebraucht, keinen Nachteil, um 8 Mana zu rechtfertigen. Craw Giant hingegen war sehr beliebt - niemand konnte der Versuchung widerstehen, in einem der damals allgegenwärtigen Creature Stalls einen Lure darauf zu spielen, um mit einem Angriff sowohl den Gegner als auch alle seine Kreaturen umzubringen...

Und ganz am unteren Ende war da dann noch der Elder Land Wurm, der die Liste der übergroßen Kreaturen, die man nicht einmal im Sealed spielen wollte, wohl anführt. Es ist erstaunlich, welche Hürden die Designer von Magic damals denjenigen in den Weg stellten, die mit großen Kreaturen spielen wollten! Es hat lange gedauert, bis die Einsicht erlangt wurde, dass Manakosten von über sechs alleine beinahe schon ein unüberwindliches Hindernis darstellen. Andererseits hat Richard Garfield zugegeben, das Reanimator-Decks immer seine Lieblings-Decks waren, insofern ist diese Vorsicht vielleicht eher verständlich...

The Dark: Diabolic Machine, Leviathan.

Die Machine setzte die Tradition der langweiligen 4/4er für 7 Mana fort, aber der Leviathan war da eine ganz andere Geschichte! Der Colossus wurde als größte Kreatur entthront und gleichzeitig ein neuer Rekord für Unspielbarkeit aufgestellt! Obwohl... ich könnte da eine nette Anekdote erzählen, wie ich damals tatsächlich einmal mit einem recht guten Deck gegen einen Leviathan verloren habe! Dieser Artikel wird sowieso wieder recht lang, daher nur eine Kurzfassung: Es war ein Stasis-Deck (Fun-Variante, offensichtlich), und ich spielte Blau-Weiße Kontrolle. Leider übersah ich, dass der Leviathan unter einer Stasis bequem enttappen konnte, und counterte ihn daher nicht - 2 Runden später war ich tot

Fallen Empires: Deep Spawn.

Fallen Empires legte den Schwerpunkt auf kleine Kreaturen, daher gibt es hier nur einen Eintrag. Der Spawn war eigentlich ziemlich gelungen: 6/6 Trampeln war o.k., die Möglichkeit, ihn untargettable zu machen, durchaus nützlich, und der "Nachteil" gering genug um ihn ignorieren, und interessant genug, um ihn in einen Vorteil verwandeln zu können (besonders in einem Reanimator)! Wenn Ihr Euch gefragt haben solltet, was wir damals mit High Tide gemacht haben, als es noch keine Time Spiral gab - da habt Ihr die Antwort!

Ice Age: Chaos Lord, Infernal Denizen, Karplusan Giant, Minion of Leshrac, Minion of Tevesh Szat, Polar Kraken, Scaled Wurm, Seraph.

Ice Age war ein absoluter Tiefpunkt, was die Spielbarkeit von Kreaturen anbetraf! Bei den kleinen Kreaturen zeigte sich das bei solchen Perlen wie Arctic Foxes oder Goblin Sappers, die für ein Mana bereits schlecht gewesen wären, aus unerfindlichen Gründen jedoch sogar zwei kosteten. Am oberen Ende war das beste Beispiel wohl der Infernal Denizen: Unglaubliche acht Mana, und dann noch ein Nachteil, der ihn zu einem Favoriten für diejenigen Johnnies machte, welche die Donate-Vorläufer Gauntlets of Chaos und Juxtapose benutzten. Karplusan Giant war eine Art Carrion Ants, die nur mit Snow-Covered Lands funktionierte, und wurde entsprechend ignoriert. Magic-Spieler damals waren nicht allzu kritisch gegenüber neuen Mechaniken, aber das Konzept der schneebedeckten Länder war dermaßen dämlich umgesetzt worden, das sie einfach keine Chance haben konnten. Ich glaube, es gab mehr Karten, die einen für diese Länder bestraften, als Karten, die einen davon profitieren ließen...

Minion of Leshrac & Minion of Tevesh Szat hatten einigermaßen handhabbare Nachteile und Fähigkeiten, die diese Nachteile lohnend erschienen ließen, und zählten noch zu den eher gelungeneren Luxus-Kreaturen aus Ice Age (was allerdings nicht viel heißt). Ich weiß allerding noch, dass ich damals versucht hatte, einigen Spielern diese Karten auszureden, weil mir gerade eine wichtige Erkenntnis gedämmert war: Ich hatte ein Landzerstörungs-Deck gebaut (inspiriert durch Icequake und weil ich damals gerade 4 Sinkholes besaß) und natürlich Demonic Hordes hineingesteckt. Dabei fiel mir auf, dass ich mit den Horden eigentlich immer viel lieber angriff, als dem Gegner seine letzten übriggebliebenen Länder wegzumachen! Mir gelang es damals, diese Einsicht zu einer allgemeineren Regel zu abstrahieren: Wenn eine Karte mich viele Ressourcen kostet (wie zum Beispiel sechs Mana), dann will ich, dass sie eine unmittelbare Wirkung auf das Spiel ausübt, und nicht noch weiteres Ressourcen-Management verlangt! Diese Einsicht scheint auch den Leuten bei WotC R&D irgendwann gekommen zu sein - vergleicht einmal die neueren Luxus-Kreaturen mit den alten!

Damals aber war alles noch kompliziert, und so war auch der Chaos Lord den Aufwand nicht wert. Der Scaled Wurm hingegen war einfach groß und unkompliziert. Gut, das waren einige Legenden auch gewesen, aber der Wurm hatte einen enormen Vorteil: Er war COMMON! Aus diesem Grund ist er bis heute ein absoluter Favorit bei den jüngsten Spielern.

Der Polar Kraken setzte wieder einmal neue Maßstäbe, was Manakosten und Größe anging - eine inflationäre Spirale, die Gerüchten aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen zufolge bis Onslaught reichen wird (da soll ein 13/13er drin sein! Nein, ich sage nicht, wo ich das herhabe ). Zugegebenermaßen war der Krake auch in der Lage, ein Spiel mit zwei Angriffen zu beenden. Ein Freund von mir hatte sich später ein Deck gebaut, dass ich als "Suicide Reanimator" bezeichnen würde, mit Buried Alive, Living Death und eben den Kraken. Wenn er gewann, dann oft mit zwei Kraken als einzigen Permanents!

Der Seraph schließlich hätte eigentlich in die Kategorie der langweiligen 4/4er für sieben Mana fallen müssen, galt aber als cool wegen seiner Spezialfähigkeit! Dass die so gut wie nie zum Einsatz kam, fiel damals nicht so sehr auf An den Seraph habe ich übrigens eine sehr angemehme Erinnerung: Mit seiner Hilfe hatte ich mich, in dem abartigen Limited-Format 5th Edition/Visions, später für meine erste Pro Tour qualifiziert! 4/4-Flieger in einem besonders langsamen Format (wir hatten damals übrigens statt Commons Uncommons in den Boostern!) waren dann doch ganz gut, auch wenn sie sieben Mana kosteten, und mithilfe eines Karoo (na, wer von Euch weiß auf Anhieb, was diese Karte macht?) konnte ich ihn auch immer in der siebten Runde ausspielen!

Homelands: Baron Sengir, Ebony Rhino, Marjhan, Veldrane of Sengir.

Homelands hat den wohl schlechtesten Ruf aller Magic-Sets, und zumindest, was die Rares angeht, zu recht! Eine derartige Spielerverarschung hat es wohl nie wieder gegeben - Truce, Forget, Winter Sky & Mammoth Harness stammten alle aus diesem Set!

Bei den Luxus-Kreaturen hatte Veldrane eindeutig Homelands-Niveau - ein 5/5er für 7 Mana, der für noch mehr Mana zu einem 2/5er Forestwalker wird? Na prima. Marjhan setzte die Tradition der gigantischen blauen Viecher, die irgendwie nie so recht zum Angreifen kommen, fort, hatte aber zumindest eine recht interessante aktivierte Fähigkeit. Ebony Rhino war zwar 4/5 statt 4/4 für sieben, aber trotzdem ein weiterer legitimer Nachkomme der langweiligen Gabriel Angelfire Dynastie. Der Baron hingegen - nun, er war noch vor einem Jahr eine unheimlich beliebte Karte! Boah ey, ein Obervampir, der Vampire regenerieren kann! Hier gelang es wieder einmal einer Karte, durch ansprechendes Flair darüber hinwegzutäuschen, dass sie eigentlich nur ein 5/5 Flieger ohne wirklich relevante Zusatzeigenschaften für 8 Mana ist, und damit eigentlich 2 Mana zu teuer...

Alliances: Gargantuan Gorilla.

Alliances war das erste Set, das bewusst nach dem Kriterium der Spielbarkeit entworfen worden war. Manche Spieler der alten Garde bezeichnen Alliances immer noch als das stärkste Set, Urza-Block hin oder her. In einem dermaßen von Effizienz geprägten Set war dann auch nur Platz für eine Luxus-Kreatur. Das war zwar wiederum ein 7-Mana-Fatty mit zusätzlichem Nachteil, aber immerhin einer, der schnell das Spiel beendete (wenn man Snow-Covered Forests spielte, heißt das), und sich zur Not selbst aus dem Weg räumen konnte.

In die Zeit von Alliances fielen allerdings auch die ersten Pro Tour Qualfier, und in aller Welt begannen Magic-Spieler, sich auf erfolgsorientiertes Spielen zu konzentrieren. Damit war es auch die Zeit, in der der Tauschwert von Luxus-Kreaturen deutlich hinter den von Turnierkarten zurückzufallen begann (früher hätte man für einen Polar Kraken locker 2 Stormbinds bekommen!), und also auch die Zeit, in der ich begann, diese nutzlosen Rares zu verfluchen, die in meinen teuer erworbenen Bootern herumlungerten! Ach ja, damals - vor gut fünf Jahren - kostete ein Magic-Booster oder -Display übrigens genau so viel wie heute - in DM allerdings!

Mirage: Crash of Rhinos, Crimson Hellkite, Shauku, Endbringer, Spirit of the Night, Teeka's Dragon.

Bei Mirage schienen die Designer hinsichtlich der Fatties eine neue Philosophie zu verfolgen: Die zusätzlichen Nachteile verschwanden (außer bei Shauku, Endbringer), aber dafür wurden die Karten NOCH teurer! Gleich drei 9-Mana-Kreaturen demonstrierten, wieviel Angst man immer noch vor "zu billigen" Fatties hatte. Erwartungsgemäß erwiesen sich diese Karten auch, sogar im Sealed, als vollständig unspielbar - nur der Spirit of the Night wurde in einem Reanimator namens "14", der auf Buried Alive & Living Death beruhte, berühmt. (Der Name des Decks stammte daher, dass es in der Runde, in der es den Death spielte, 14 Schaden machte - ein Spirit und 2 Volcanic Dragons!)

Shauku, Endbringer hingegen passte vom Design her irgendwie besser zu Ice Age und den Minions von Leshrac & Tevesh Szat. Und der Crash setzte die Tradition des Scaled Wurm fort: Ein grüner Common-Fattie, der die Kiddies glücklich machte.

Visions: Archangel.

"14" war das erste Reanimator-Deck gewesen, das in der Turnierszene von sich reden machte, und Spirit of the Night damit die erste Luxus-Kreatur, die auch zu einer anerkannten Turnierkarte wurde. Archangel sollte die zweite werden, auch wenn er darauf über ein Jahr warten musste, bis die ersten Oath-Varianten entstanden. Archangel war immer äußerst beliebt: Nicht nur, weil Engel immer beliebt sind, sondern auch, weil Weiß vorher etwas gefehlt hatte, was jede andere Farbe besaß: Eine "Flaggschiff"-Kreatur. Sicher, es hatte den Serra, aber die andern Farben hatten Shivan Dragon, Mahamoti Djinn, Nightmare und Force of Nature! Den Vergleich hielt der Serra nicht aus, und die Personal Incarnation, die eigentlich diesen Platz einnehmen sollte, erwies sich als völliger Flop: Keine Evasion, und das Risiko, bei einem Terror die Hälfte der Lebenspunkte zu verlieren - nein danke! Dummerweise kam auch in keinem Erweiterungsset eine weiße Kreatur, die diese Flaggschiff-Funktion einnehmen konnte - bis eben der Archangel erschien. Gut, er kostet ein Mana zuviel, um sich in die Reihe der anderen Flaggschiff-Kreaturen einzureihen, aber darüber sieht man ja gerne hinweg, wenn das Flair stimmt! Seine Vereinigung von defensivem und offensiven Aspekt macht ihn nicht nur zu einer vergleichsweise fair ausgepreisten Kreatur, sondern sicherte ihm damals auch einen Platz in jenen ersten Oath-Varianten. Auch im Limited war er eine unzweifelhafte Bombe. Meiner Ansicht nach ist er die erste Luxus-Kreatur, die modernen Maßstäben gerecht wird!

Weatherlight: Tolarian Serpent.

Die Serpent, deren eigentliche Funktion das Millen sein sollte (der Entwurf für diese Karte war nicht einmal eine Kreatur, sondern ein Enchantment gewesen!), war hingegen ein klarer Rückschlag! Das Sich-Selbst-Millen war zwar eine interessante Idee (die 5 Jahre später ganz andere Dimensionen annehmen würde ! ), aber sieben Mana war dafür einfach zu viel. Hätte sie Evasion besessen, hätte man sie wenigstens als 7/7er Offensiv-Kreatur erwägen können (Damals spielten übrigens alle blauen Decks den "Fat Moti" Mahamoti Djinn!), aber so brachte sie einen selbst schneller um als einen Gegner mit ein paar kleinen Chump-Blockern, so dass selbst die meisten Fun-Spieler keine Lust hatten, dieser Karte eine Chance zu geben. Das Resultat war - nun ja, ich will es einmal so formulieren: Ein Turnierveranstalter zu dieser Zeit akzeptierte als Eintrittsgeld entweder 2 DM oder eine beliebige Weatherlight Rare. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was er dann später mit den ganzen Tolarian Serpents und Goblin Bombs angestellt hat!

Tempest: Benthic Behemoth, Rootbreaker Wurm, Verdant Force

Vorhang auf für "The Best Fatty ever printed"! Verdant Force setzte neue Maßstäbe für übergroße Kreaturen! Eine offensichtliche Ergänzung zu Natural Order aus Visions, wurde die Force schnell zur nächsten turnierstarken Luxus-Kreatur! Ein interessanter Aspekt der Decks, in denen sie gespielt wurde, war dass diese sehr viele kleine Manakreaturen spielten und daher in manchen Matches die Force sogar AUSSPIELEN konnten! Verdant Force setzte ein klares Zeichen: So gut darf eine Kreatur für acht Mana sein! Und nun vergleicht das einmal mit Akron Legionnaire oder Axelrod Gunnarson aus Legends

Benthic Behemoth und Rootbreaker Wurm waren nicht ganz so spektakulär. Der Wurm war allerdings eine deutliche Verbesserung gegenüber zum Beispiel dem Craw Giant, obwohl Grün in späteren Sets nochmals erheblich zulegen sollte. Prinzipiell war der Wurm zumindest im Limited eigentlich o.k., wenn Tempest nur nicht so ein furchtbar schnelles Format gewesen wäre... Der Behemoth war für acht Mana ein bisschen langweilig - da lobe ich mir doch den guten alten Deep Spawn!

Exodus: Pit Spawn, Spike Hatcher

Ja, und in Stronghold war nichts! Ich weiß noch, wie ich gejubelt hatte, weil ich das als Zeichen ansah, dass R&D endlich eingesehen hatte, dass Kreaturen nicht nehr als 6 Mana kosten durften! Naja, Irrtum eben... In Exodus ging es schon wieder los. Pit Spawn wirkt wiederum wie ein Rückgriff auf die Ice Age Periode. Zu dieser Zeit sah es so aus, als ob das alte Prinzip "teuer erworben, teuer im Unterhalt" des Flairs wegen zumindest bei schwarzen Luxus-Kreaturen beibehalten werden sollte. In den neuesten Sets scheint es auch wieder ab und zu anzuklingen!

Der Spike Hatcher benutzte die Spike-Mechanik, die aber bei einer derart teuren Kreatur einfach nebensächlich war. Wenn die Eigenschaften von Spike Hatcher und Spike Breeder vertauscht worden wären, hätte es vielleicht anders ausgesehen.

Urza's Saga: Great Whale, Phyrexian Colossus, Serra Avatar, Shivan Hellkite.

Kommen wir also nun zum größten Fehler von WotC R&D, seit diese Abteilung wirklich existiert: Dem Urza-Block! Bei den Luxus-Kreaturen machte sich das nicht ganz so sehr bemerkbar, aber makellos blieben sie auch nicht: Great Whale musste Errata bekommen, um nicht zu leicht als Endlos-Mana-Engine für Kombo-Decks missbraucht zu werden. Die drei anderen Karten waren alle zu verschiedenen Zeiten in dem berühmt-berüchtigten Sneak Attack Deck zuhause, dem vielleicht teuersten Standard-Deck, dass es je gegeben hat! Meine Version, mit der ich in einem PTQ damals die top Acht erreichte, spielte über vierzig Rares - das ist unerreicht!

Für sich genommen sind diese Kreaturen alle ein gutes Beispiel dafür, welchen Gegenwert man für sieben Mana unterdessen erhielt. Damit war die Ära, in der Luxus-Kreaturen ihre Kosten auch rechtfertigten, endgültig erreicht!

Urza's Legacy: Palinchron.

Ja, die Erinnerung an das furchtbare High Tide Deck mit Palinchron als Bestandteil einer Kombo schmerzt... Nichtsdestotrotz ist Palinchron meines Wissens die erste aller hier aufgeführten Kreaturen, die (auch) in Nicht-Kombo-Decks ohne besondere Maßnahmen zur erhöhten Manaproduktion gespielt wurden! Manche blauen Kontrolldecks entschieden sich für Palinchron als Finisher, obwohl er sieben Mana kostete (das war noch die Zeit VOR Accelerated Blue)! Glaubt es oder nicht, eine Zeitlang wurde er in dieser Funktion sogar dem Morphling vorgezogen... Dies war der erste Fall, in dem sich meine alte Faustregel von der Sechs-Mana-Schwelle schlicht und einfach als FALSCH erwies!

Urza's Destiny: Blizzard Elemental, Thorn Elemental.

Das Blizzard Elemental stank im Constructed gegen Palinchron einfach nur ab, war aber eine noch größere Bombe im Limited. Das Thorn Elemental hingegen war eine weitere, deutliche Verbesserung des Rootbreaker Wurms, und eine Karte, die in manchen Decks (Pattern of Rebirth) sogar zur Verdant Force in Konkurrenz treten sollte! Das Pattern-Deck war übrigens relativ oft auch in der Lage, das Elemental einfach mal auszuspielen... Seit das gute Thornie existierte, war ich dann auch bereit, WotC die Existenz von Luxus-Kreaturen endgültig zu verzeihen: Ich sah ein, dass es eben Kreaturen gab, die viel cooler waren als alles, was man für sechs Mana drucken konnte. Es war halt nur schwierig ein Format zu finden, in dem man diese coolen Kreaturen tatsächlich erfolgreich spielen konnte...

Mercadian Masques: Cateran Overlord, Delraich, Tidal Kraken.

Der Masken-Block war nach dem Urza-Desaster sehr konservativ konzipiert worden, um den Power-Level der Standard-Umgebung wieder auf ein gesundes Maß zu senken. Rishadan Port muss sich da wohl irgendwie hineingeschummelt haben . Wie auch immer, die Fatties entsprachen dem unterdessen etablierten Standard: Tidal Kraken erreichte das Niveau des guten alten Deep Spawn, und Cateran Overlord und Delraich waren einfach das Beste, was Schwarz jemals für sieben Mana ohne zusätzliche Probleme erhalten hatte (man vergleiche zum Beispiel Mold Demon oder Veldrane of Sengir - würg)!

Nemesis: Flowstone Thopter, Laccolith Titan, Skyshroud Behemoth.

Der Flowstone Thopter ist nicht viel besser als die ganzen 4/4er für sieben Mana, die seit Legends immer wieder aufgetaucht waren, aber da er als Uncommon wohl fürs Limited gedacht war, wo er sehr stark war, sei den Designern noch einmal verziehen. Der Laccolith Titan ist eigentlich o.k. für sieben Mana und erinnert dadurch um so deutlicher daran, dass der Shivan Dragon in den allermeisten Erweiterungssets ein Mana mehr gekostet hätte! Der Behemoth hingegen ist eine Peinlichkeit. Zu teuer für irgendwelche Tricks (ala Reckless Abandon z.B.), mit einem Sicherheits-Feature für den Fall, dass man ihn mit Effekten wie Sneak Attack oder Corpse Dance benutzt, mit einer Lebenserwartung von zwei Angriffen und natürlich ohne Evasion ist er für einen 10/10er schon erbärmlich nutzlos! Na gut, er ist vielleicht nicht wirklich schlechter als so manche andere Luxus-Kreatur, aber er ist UNCOOL - und das geht ja nun wirklich nicht!


Prophecy: Avatar of Fury, Avatar of Hope, Avatar of Might, Avatar of Will, Avatar of Woe, Shrouded Serpent.

Die Serpent war jetzt wirklich nur ein ganz misslicher Rückgriff auf Gabriel Angelfire Zeiten, aber die Avatare besitzen einen gaaanz großen Coolness-Faktor! Für den schwarzen, roten und grünen sind die acht Mana wohl einigermaßen angemessen. Der weiße wäre mit sieben wohl hinreichend bedient, und der blaue - naja, Mahamoti Djinn kostet nur sechs!

Aber es sind natürlich die Kostenreduktionen, welche die Avatare so verführereisch machen! Dabei stinkt der grüne wohl ab - wenn diese Bedingung erfüllt ist, sollte man vielleicht besser keine Kreatur spielen, sondern einfach aufgeben...

Der weiße ist da auch nicht der Bringer, obwohl Fun-Spieler sicherlich eine Möglichkeit finden werden, etwas damit anzufangen... Ich kann mich da übrigens an ein lustiges Sealed-Spiel erinnern, als ich mich in einem Creature Stall befand und mich in 2 Runden mithilfe von Mana Burn von 10 Leben auf 3 brachte, um dann mit dem Avatar of Hope das Spiel zu gewinnen

Bei dem schwarzen wäre die Fähigkeit auch utopisch - wenn es keine Mehrspielervarianten gäbe! Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, worin der Reiz besteht, in einem sogenannten "Fun"-Format mit einer völlig überpowerten Karte, die für dieses Format einfach nicht gedacht ist, anzutreten. Tatsache ist jedoch, dass der schwarze Avatar die meistgesuchte Nicht-Standard-Karte bei uns im Laden ist.

Der blaue hingegen erscheint geradezu verführerisch für ein Discard-Deck, und ich habe auch viele, viele Versuche gesehen, ein (Turnier-)Deck mit ihm zu bauen, aber letztendlich schien er den ganzen Aufwand einfach nicht wert zu sein.

Bleibt der rote - und der hat Mark Ziegner letztes Jahr zur WM gebracht! Eine hervorragende SB-Karte, da man in manchen Matchups sicher darauf zählen kann, dass der Gegner schnell sieben Länder legen wird - dann kann man diesen Zwei-Mana-Spruch geschickt an den Countern des Gegners vorbeischummeln und hat einen THREAT auf dem Tisch, der diesen Namen auch wirklich verdient!

Prophecy war ganz klar das Timmy-Set Nummer Eins! Nicht nur die Avatare, auch die Winde (und nicht zu vergessen, die Spellshaper-Legenden!) waren direkt an den Liebhaber großer, teurer Effekte gerichtet - mehr als ein Drittel der Rares!

Invasion: Devouring Strossus, Lotus Guardian, Molimo, Maro-Sorcerer, Reya Dawnbringer, Tsabo Tavoc.

Invasion war das Set der neuen Drachenlegenden - 6/6-Flieger für sechs Mana mit einer starken Zusatzfähigkeit! Damit war demonstriert, wie stark 6-Mana-Kreaturen werden können, ohne ZU stark zu sein - die Drachenlegenden fanden gerade so ihren Platz in Turnierdecks! Im Vergleich mit diesen effizienten Fatties wird klar, dass die Luxus-Kreaturen dieses Sets in erster Linie für Fun-Spieler konzipiert waren. Molimo ist letztlich dem Thorn Elemental sehr ähnlich - unzuverlässiger, aber mit mehr Flair. Lotus Guardian ist wieder einer dieser 4/4er für sieben Mana, der den Riven-Turnbull-Gag mit der Mana-Produktion wiederholt - und aus irgendeinem Grund sprachen die Spieler darauf an! Ich habe immer wieder Lotus Guardians verkauft, und ich muss zugeben, ich verstehe es nicht! Selbst den jüngsten Timmies sollte doch klar sein, dass ein Sieben-Mana-Spruch einem nicht wirklich bei der Manaproduktion hilft - oder?

Devouring Strossus ist der neue, verbesserte Lord of the Pit, und kein Zweifel, er ist das Extra-Mana wert! Noch größer und sicherer in der Anwendung - die ideale Karte für Massenreanimatoren wie Living Death oder Twilight's Call!

Reya Dawnbringer hingegen ist einfach nur Show - aber was für eine! Mit neun Mana völlig unbezahlbar, ist es klar, dass man diese Legende irgendwie ins Spiel "schummelt". Wenn einem das gelingt, kann man natürlich auch gleich den Gamewinner (Verdant Force, Thorn Elemental, was auch immer) ins Spiel bringen und spart Slots. Das gilt aber natürlich nicht
für Fun-Spieler, welche diese Karte heiß und innig lieben!

Bei Tsabo Tavoc fällt auf, dass sie eine Lady Orca mit First Strike UND einem weiteren Bonus ist. Ich denke, man kann sicher sein, dass dermaßen farblose Luxus-Kreaturen endgültig der Vergangenheit angehören!

Planeshift: Draco, Stratadon.

Hier ordnen sich die übergroßen Kreaturen vollständig dem Domain-Thema unter. So, wie sie gedacht sind, handelt es sich dann um einen 9/9-Flieger für sechs und einen 5/5-Trampler für fünf Mana - und das ist o.k. Na gut, Draco noch mehr als das dumme Stratadon, das wohl eher als Sieben-Mana-Kreatur für's Limited gedacht war. Bei den deutschen Meisterschaften letztes Jahr hatte ich ein recht ordentliches Weiß-Grün-Blaues Deck mit vielen Tricks und Kontrollelementen gedraftet, dem nur irgendwie die Kreaturen fehlten... Da draftete ich halt zwei Stratadons, die sonst neimand wollte und ging damit noch 2 zu 1 - die 'dons waren doch tatsächlich die Gamewinner!

7th: Trained Orgg, Vizzerdrixx.

Und plötzlich tauchten im Grundset zwei Luxus-Kreaturen auf, die es vorher nicht gegeben hatte! Zumindest nicht in turnierlegalen Editionen: Diese beiden Karten stammen aus der Magic "Starter"-Reihe, die als Einstiegsset gedacht war. Zu den Karten selbst ist nicht viel zu sagen - sie sind groß und langweilig, genau wie die alten Legenden. Man beachte allerdings, das sie deutlich mana-effizienter sind, so dass sie prinzipiell zumindest fürs Limited akzeptabel wären. Aber erstens wird 7th-Limited kaum gespielt (was übrigens schade ist, da das Format Spaß macht!), und zweitens gibt es da so eine Vielfalt von kostengünstigen mittelgroßen bis großen Kreaturen (ja, selbst in Blau!), dass diese beiden Rares, selbst wenn man sie im Kartenpool hat, einfach nicht gebraucht werden. Mein Thorn Elemental allerdings, das hatte ich gespielt und meine Gegner damit vermöbelt!


Apocalypse: Bloodfire Colossus, Fungal Shambler, Penumbra Wurm.

Die beste Luxus-Kreatur aus Apocalypse ist eigentlich gar keine, aber wie könnte ich Spritmonger nicht erwähnen? Wie hätte Spiritmonger in früheren Editionen ausgesehen?

Legends: Manakosten BBGG4, (und er wäre eine Legende gewesen!)
Ice Age: BBGG3, Upkeep: Sacrifice 2 lands or tap Spiritmonger and you lose 6 life.
Mirage: BBGG5 Vielleicht hätte er noch Flanking gehabt
Tempest: BG5.
Urza's Saga: BG5, aber man hätte 7 Länder enttappen dürfen, wenn er ins Spiel kommt.
Mercadian Masques: BB5. Er hätte die Farbe nicht wechseln können, wäre aber ein Mercenary gewesen.
Invasion: BG4

...und das wären auch die angemessenen Mana-Kosten für ihn gewesen, wenn man die gewohnten Maßstäbe zugrunde legt. Aber stattdessen hat Spiritmonger demonstriert, wieviel 5 Mana in einem Constructed-Environment wirklich sind! Ja, er ist eine Turnier-Karte, aber er ist keineswegs eine der prägenden Karten im Standard-Format! Wenn man Spiritmonger als Vergleichsmaßstab nimmt, stellt man schnell fest, dass ca. 90% aller hier aufgeführten Kreaturen einfach zu teuer sind!

Daher steht fest (Vorsicht, Binsenweisheit): Die allermeisten Luxus-Kreaturen werden nicht fürs Constructed entworfen. Ach ja, und fürs Limited erst recht nicht - da neigen sie im Gegenteil dazu, sehr störend aufzufallen. Nein: Die Luxus-Kreaturen sind halt nur für Timmy da.

Hier ist der Fungal Shambler, die Pre-Release-Karte des Sets, allerdings gefloppt - vermutlich interessierte sich Timmy nicht für den Kartenvorteil, sondern nur für die Zahlen rechts unten in der Ecke - und 6/4 ist halt nicht sooo beeindruckend, wenn es in Invasion Drachenlegenden gibt.

Bloodfire Colossus hingegen wirkt so, als hätte Mark Rosewater ihn für Urza's Destiny entworfen, um Sneak Attack Decks den nötigen Punch zu geben... (ja, das war sarkatisch gemeint). Ansonsten ist der Colossus die acht Mana wert, wenn man sie hat - was allerdings wohl nur im Sealed der Fall ist.

Penumbra Wurm gehört natürlich auch ins Sneak Attack Deck! Außerdem handelt es sich um eine weitere, deutliche Verbesserung des guten alten Rootbreaker Wurm, die dem Thorn Elemental Konkurrenz macht! Wenn der Wurm ein Mana weniger kosten würde, wäre er eine knallharte Turnierkarte... aber diese Ehre wurde halt dem Spiritmonger zuteil.

Noch eine Erwähnung ehrenhalber: Desolation Angel kostet ja eigentlich BBWW3 und hat es trotzdem ins Constructed geschafft - Respekt!

Odyssey: Amugaba, Ashen Firebeast, Cognivore, Iridescent Angel, Stone-Tongue Basilisk, Vampiric Dragon.

Eine Karte, die Vampir UND Drache ist, muss ja bei den Fun-Spielern gut ankommen, und das tut der Vampiric Dragon auch, obwohl er eigentlich nur ein verteuertes und glorifiziertes Remake des Shivan Hellkite ist. Der Iridescent Angel allerdings noch mehr - er ist zwar strenggenommen ein weiterer 4/4er für sieben Mana, aber seine Spezialfähigkeit ist so gut, dass er an der Grenze zur Turnierkarte ist! Ein Mana weniger, und er würde sich zusammen mit dem Flametongue Kavu um den Titel meistgehasste Kreatur im Standard streiten...

Cognivore wurde zwar in Blauen Cantrip-Decks probiert, aber ehrlich, ich halte das für einen Fehler. Nichtsdestotrotz kann er dort prinzipiell einen ähnlichen Platz einnehmen wie Nightmare in einem monoschwarzen Kontrolldeck, aber acht Mana ist einfach zu viel im Constructed. Na gut, das habe ich auch einmal über sieben Mana gesagt, ich weiß...

Stone-Tongue Basilisk ist eine Timmy-Karte, die nicht gut ankommt - Basilisken sind schon seit mehreren Jahren out. Große Trampler sind in!

Ashen Firebeast wiederum ist eine, wenn vielleicht auch nicht 100%ig eindeutig schwächere, so doch in jedem Fall weitaus unelegantere weitere Variante von Shivan Hellkite.

Torment: Angel of Retribution, Crazed Firecat, Hypnox, Petradon.

Hypnox stellt den Rekord des Polar Kraken für die höchsten Manakosten ein! Wenn man ihn allerdings wirklich bezahlt, und nicht irgendwie ins Spiel schummelt, macht er das Spiel aber auch wirklich dicht! (Also so eine Art Desolation Angel für vier Mana mehr?) Wenn ich mich nicht irre, der größte Flieger, der keine Anforderungen mehr stellt, wenn er bereits im Spiel ist, also durchaus interessant für Reanimatoren.

Petradon schreit ebenfalls danach, reanimiert zu werden... Dann ist er mit Sicherheit auch constructed-tauglich. Ansonsten könnte er ruhig ein Mana weniger kosten, dann würde ich ihn zumindest im Limited ab und zu spielen.

Crazed Firecat ist, von Tricks mit gezinkten Würfeln und so einmal abgesehen, ein weiterer Flop aus der 4/4er für 7 Mana Reihe, der nur wegen seines Uncommon-Status entschuldbar ist. Aber eigentlich nicht einmal das, da er im Limited auch nur stört - ich habe unterdessen mehr als ein Spiel gesehen, das durch glückliches Würfeln entschieden wurde. Scheißkarte.

Der Engel schließlich ist nach dem Archangel die nächste weiße Flaggschiff-Karte - so lange dauert das bei Weiß! Der Archangel war allerdings etwas stärker - First Strike ist bei einem 5/5er nicht ganz so wichtig wie die doppelte Einsetzbarkeit als Blocker und Angreifer. Erstaunlicherweise wird dieser Engel bei uns nicht allzusehr nachgefragt - steht da eine Trendwende bevor? Bisher haben sich Engel aller Art eigentlich immer gut verkauft.


Judgment: Ancestor's Chosen, Phantom Nishoba, Silver Seraph, Sutured Ghoul, Thriss, Nantuko Primus, Tunneler Wurm, Wormfang Manta.

Eines ist klar: Der Phantom Nishoba ist eine unglaubliche Bombe, und stellt nach Thorn Elemental und Penumbra Wurm eine NOCHMALIGE Steigerung dar! Daneben wirkt Thriss, Nantuko Primus ziemlich blutleer - seine aktivierte Fähigkeit wird man außerhalb des Limited kaum anwenden, und dann ist er bloß ein überteuerter 5/5er - das alte Demonic Hordes Problem. Aber für die Kiddies gibt es ja Crush of Wurms.

Wormfang Manta ist eher eine Karte für Johnnies als für Timmies. Sutured Ghoul hingegen erscheint mir für beide Spieler-Gruppen vielversprechend: Ja, man benötigt ein paar zusätzliche Ressourcen, aber dann erhält man oft einen Trampler mit zweistelligen Kampfwerten - wer kann da widerstehen?

Tunneler Wurm ist wohl eher ein Skilltester fürs Limited (Tipp: Spielt ihn nicht, sideboardet ihn höchstens), und auch Ancestor's Chosen ist wohl eher fürs Limited gedacht, und setzt somit die Tradition von Flowstone Thopter & Crazed Firecat fort, 4/4er für sieben Mana in den Uncommon-Slot zu setzen, um ihnen dort eine Nische zu geben.

Und dann ist da noch der größte Engel von allen, der Silver Seraph! Der größte weiße Flieger überhaupt - wenn der nicht bei den Engelliebhabern ankommt, dann ist dieser Trend wirklich tot!


Und das war's dann endlich! Einhundertundzwei Karten habe ich gezählt - und dabei stellen die Luxus-Kreaturen nur einen winzigen Bruchteil des Gesamtkartenpools... Du meine Güte, ist Magic groß geworden! Ich denke, man kann gut verfolgen, wie die teuren Karten nach und nach mehr Gegenwert für ihre Manakosten zu geben begonnen haben. Mal schauen, ob dieser Trend weiterhin anhält - ich bin ja besonders gespannt, wieviel dieser 13/13er in Onslaught kosten wird!

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