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Preparation is everything...
von Christoph "chh" Hölzl
01.03.2004

Sich für die PT zu qualifizieren war vielleicht nie schwieriger als heute. Riesige GPs mit nur 8 Slots, größere PTQs dank Amigos Sponsoring, sehr hohe Rating-Cuts... Gerade in Limited ist es nicht gerade einfach den Sealed Deck Teil zu überstehen, um die eigenen Stärke beim Draften - sei es in den Top8 eines PTQs oder an Tag 2 eines GP - zum Zug kommen zu lassen.

Aus diesem Grund entsteht hier der ultimative Cheat Ratgeber für alle frustrierten Semi-Pros, ausgeklügelte Richtlinien um sich in die Top8 zu mogeln, sowie eine Liste zu vermeidender Fehler:


Die Encyclopedia Fraudis


Vorbereitung:

Wie jedes perfekte Verbrechen, gilt natürlich auch hier preparation is everything. Nach dem Ablegen aller Skrupel, solltet ihr euch als aller erstes eine leere Limited Deckliste besorgen, z.B. hier:

Mirrodin Checkliste

Mögliche Fehlerquelle: Eure Deckliste unterscheidet sich im Bezug auf das Druckbild von allen anderen, besonders prägnant ist da das Schwarz der Balken. Solche Kleinigkeiten fallen aber unmöglich auf, sie wären nur Indizien, um eure Schuld zu beweisen.

Als nächstes sollte man sich, ähnlich einem Constructed Turnier, überlegen was man spielen will. Für alle RW Fans unter euch hab ich hiergleich mal eine Sample Deckliste von Magic Online Beta. Mit Modo zufällig erstellte Sealed Pools haben zusätzlich den Vorteil, dass sie den RL Print Runs nachempfunden sind, also kann man auch hier nicht überführt werden.

Als nächstes besorgt man sich dann die Karten in englischem, minten Zustand, packt sie in eine Starterbox und füllt die Deckliste aus. Dabei wäre es taktisch klug besonders sorgfältig darauf zu achten, dass die Liste fehlerfrei ist, damit man niemandem einen Grund dafür gibt einen genaueren Blick darauf zu werfen. Außerdem sollte man für Total und Played verschiedene Stifte verwenden und den Total-Stift mit zum Turnier bringen. Selbigen braucht man noch zum Imitieren einer Unterschrift.


Der Turniertag:

An der Site angekommen, einfach registrieren, den Sealed Pool für den Deck Swap aufschreiben, und auch sonst verhalten, als wäre man kein assozialer, selbstverliebter Cheater. Der spannende Moment ist dann, wenn die Decks zum Konstruieren wieder ausgeteilt werden. Dabei gibt es im Großen und Ganzen zwei mögliche Vorgehensweisen:
1.) Man lässt den empfangenen Starter gleich irgendwie unauffällig in einer Tasche verschwinden und ersetzt ihn gegen den vorbereiteten.
2.) Man öffnet den empfangenen Starter und baut daraus einfach ganz normal ein Deck. Ist er stark genug, hat man keinen Grund zu cheaten; ist er es nicht, legt man schnell irgendein Deck aus, so lange die Tischnachbarn noch in ihre eigenen Karten vertieft sind, registriert selbiges, und packt zusammen.

In beiden Fällen verschwindet man vor dem Abgeben der Deckliste noch schnell auf der Toilette und fälscht mit dem mitgebrachten „Total-Stift“ die Unterschrift desjenigen, der den ursprünglichen Sealed Pool registriert hatte. Nach dem Einreichen der Deckliste ist man dann so gut wie in Sicherheit, solang man auf Fragen wie „Und, wer hat dein Deck registriert?“ einfach mit „keine Ahnung, irgendein Kiddie“ antwortet.

Somit sollte bei einem Mindestmaß an Skill und Glück dem Erreichen der Top8 nichts mehr im Wege stehen.

Viel Erfolg!


Was passiert wenn man nicht größten Wert auf Kleinigkeiten legt:


PTQ für San Diego in Salzburg, 29.2.2004
Ich habe eigentlich einen vertretbaren Pool mit Schnecke und B/W Schwert, aber meine Kreaturen und Kurve sind unter aller Sau. (Clockwork Condor, Arcbound Hybrid und Duskworker haben leider 2 Gemeinsamkeiten: Sie kosten alle 4 Mana und sind ihr Geld nicht wert.) Nach einer Niederlage in Runde 2 gegen das Kind, das ich zum Turnier mitgebracht hatte, spiele ich gegen einen mir unbekannten Österreicher, der mich aber schon beim PTQ in Wien mit einem schlechten Deck und guten Draws verhauen hatte.

Das 1. Spiel hatte er gerade durch Betrayal of Flesh quasi für sich entschieden, als der Head Judge Philipp Ferner zu uns an den Tisch kommt. „Christoph, du hast 46 Mirrodin Karten aufgeschrieben beim Pool vorm Deck Swap, das gibt dann ein Warning.“ Da ich auf meine zwei Lifetime Warnings stolz bin, und zweimal gecheckt hatte, ob ich die richtige Kartenzahl notiert hatte, werfe ich einen kurzen Blick auf die Deckliste. Sofort sehe ich etwas, das mich stutzig werden läßt: Die „Total“-Boxen zur besseren Aufaddierung der einzelnen Spalten sind leer. Ich hatte diese aber – wie immer – zum Nachkontrollieren zur Hand genommen. Folglich bezweifele ich, dass das wirklich meine Liste ist - bei „player registering deck“ steht aber mein Nachname. Den Vornamen kann ich kaum identifizieren, es solle aber wohl Christoph heißen. Schon komisch, dass ich meine eigene Handschrift kaum lesen kann, nicht wahr? Viel interessanter ist aber, dass dieses Deck auf einmal Glissa, Grab the Reins, Spikey, Shatter, Skullclamp, Sword of Light and Shadow... und viele ähnlich schlechte Füller hat. DAS hat nun wirklich nichts mit dem Pile zu tun, den ich aufgeschrieben hatte.

Folglich sage ich Philipp, dass er noch mit dem Eintragen des Warnings warten soll, weil das nicht meine Liste ist; danach lasse ich mich schnell im 2. Spiel wieder von Betrayal fisten und laufe zur Judge Station.

Da will ein ungläubiger Philipp dann erst mal erklärt bekommen was ich mit „Das ist nicht meine Liste“ sagen will. Nachdem ich ihn eingeweiht hatte, suchen wir die Leute auf, die beim Registrieren neben mir, bzw beim Bauen neben dem Empfänger meiner Liste gesessen hatten.
Tom Neumaier kann dann bestätigen, dass ich in der Tat die Total-Boxen benutzt hatte, während Andreas Jagereder feststellt, dass unser Verdächtiger sehr schnell mit dem Konstruieren seines Decks fertig war. Außerdem hatte er die Karten nicht mal richtig ausgelegt, sondern es eher so gebaut, wie man es mit einem Draft-Deck macht - welches man schon halb im Kopf - hat um zu verhindern, dass die Gegner den Inhalt sehen.

Nun wollten wir dann doch mal mit dem potentiellen Täter selbst sprechen, Mario Wirth. Er präsentierte sich logischerweise als unschuldiges Opfer einer Intrige. Außerdem würde er doch nie seine Karriere aufs Spiel setzen, schließlich ist er ja z.B. über Rating bei der DM (!!!); und das 4-0, das er sich für heute vorgenommen hatte, um sich über die DCI Top50 für San Diego zu qualifizieren, schafft man ja - seiner Aussage nach - mit jedem Pool; da muss man doch nicht extra cheaten. Sowas würde er schließlich nie nie nie machen.

Komisch nur, dass dann ja einer der Judges meinen ursprünglichen Pool einfach mal so ersetzt und meine Unterschrift gefälscht haben müsste, bevor die Decks wieder ausgeteilt wurden. Oder vielleicht habe ich ja alternativ absichtlich eine Karte mehr aufgeschrieben, darauf gewartet, dass Philipp mir deshalb ein Warning geben will, um dann, je nach dem wem ich es anhängen könnte, den Empfänger meiner Karten ejecten zu lassen. Klingt nach ner Menge Spass Seltsam auch, dass Mario nach eigener Aussage bei ausgelegtem Deck über die letzten Card Choices sehr lang nachgedacht haben soll, was sich irgendwie mit Andreas' Worten schneidet...

Zusätzlich unterschied sich Herrn Wirths Deckliste vom Druckbild her von allen anderen 91 im Turnier. Ein Vergleich meiner Unterschrift auf selbiger Liste, sowie der vom PTQ in Wien vor ein paar Wochen die Philipp zufällig auch noch dabei hatte, zeigte dann wie schlecht imitiert mein Name und auch die Zahlen meiner DCI Nummer waren. Da hat sich wohl jemand sehr sicher gefühlt und/oder war etwas unter Zeitdruck auf der Toilette.

Mario wurde auf Grund der erdrückenden Beweislast DQ'd, ein Bericht geht an die DCI und ich denk mal, dass er die nächsten paar Jahre nicht sehr viele sanktionierte Turniere außerhalb von Modo wird spielen dürfen.

Aber immerhin stand er den Rest des Tages – er musste noch mehrere Stunden auf seinen Fahrer warten – im Zentrum des Interesses.:p

Ist schon irgendwie sehr befriedigend, dass so dreistes Cheating auffliegt, weil man zu dumm ist bis 45 zu zählen...


Chris


PS: Was uns auch unheimlich belustigt hat, ist, wie schlecht das Deck dann eigentlich gebaut war. Es konnte ja eigentlich nur durch Screw verlieren, aber trotzdem spielte Mario lediglich 15 Länder + 1 Talisman, brauchte unnötigerweise in 3 Farben jeweils 2 Mana und hatte außerdem mit gerade mal 3 Equipments Glaivemaster und Den-Guard in seinem Spoilerhaufen. Die genaue Deckliste bekomme ich hoffentlich im Laufe des Tages noch von Philipp zugeschickt und reiche sie dann nach.
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