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Community Wie spiele ich als Anfänger auf Turnieren richtig Magic? Ein paar Spieler-Tricks von Rainer Jurk |
22.09.2004 |

Ich war noch nicht auf allzu vielen größeren Turnieren, so etwa 8 oder 9 Stück.
Um möglichst schnell den Eindruck erwecken zu können, ich hätte Ahnung, habe ich anfangs versucht, mir bei den besseren Spielern möglichst viele Gebärden, Handbewegungen und Verhaltensweisen abzuschauen. Also: Gegner beobachten und dann in den nächsten Runden versuchen, das Gesehene zu kopieren. Dabei fiel mir dann auf, dass viele der Handbewegungen und Verhaltensweisen einiges an Übung erfordern. Am stärksten sind folgende Tricks bei mir hängen geblieben:
Würfeln, wer anfängt
Grundsätzlich solltest Du die Initiative beim Gegner lassen und Ihn als erster einen Würfel auspacken lassen. Auf Fragen wie „Höhere Zahl fängt an?“ solltest Du dann irgendwas undeutliches nuscheln. Würfelt er dann z. B. eine 4 sagst Du schnell: „Ich nehme gerade!“. Das bringt den Gegner meistens dermaßen aus der Fassung, dass tatsächlich Du anfangen darfst.
7 Karten ziehen
Auch hier ist es oft hilfreich, wenn Du die Initiative dem Gegner überlässt. Nach dem Mischen lässt Du den Gegner seine sieben Karten ziehen. Wenn Du den Eindruck hast, dass er mit dieser Starthand ganz zufrieden ist, dann nölst Du mit breiter Stimme so was wie „Ich würde gerne noch abheben“. Bei geschulteren Gegnern klappt das meistens nicht, weil die einem das Deck vorher zum Abheben anbieten (präsentieren).
Der Draw-Wischer
Du ziehst zu Beginn jeden Ziehsegmentes (bzw: Draw-Phase) normalerweise eine Karte.
Die kannst Du dann einfach zu Deinen restlichen Karten stecken. Viel cooler sieht das aber mit dem Draw-Wischer aus: Nimm Die oberste Karte Deiner Bibliothek nur mit den Fingerspitzen auf, hebe die Karte dabei nicht an, sondern ziehe sie sofort zur Tischplatte.
Und wische mit der hinteren Kartenkante über eine möglichst großes Stück der Tischfläche auf dem Weg zu Deinen anderen Karten. Anfängern passiert es dabei häufiger, dass sie ihre Länder vom Tisch fegen. Übe also am Anfang mit wenigen Karten auf dem Tisch. Wenn Du den Wischer beherrschst, kannst du Deinen Skill steigern, indem Du mehr Karten in den Weg legst. Richtig gut bist Du, wenn Du Dein ganzes Deck vor Dir ausgebreitet hast und nach dem Draw-Wischer immer noch alle Karten auf dem Tisch liegen.
Das Halbbogen-Armschlenker-Ausspielen
Lege Die Karten, die Du ausspielen möchtest, niemals einfach nur so auf den Tisch.
Nimm die auszuspielende Karte an Ihrer unteren rechten Ecke in Deine rechten Hand, bewege Sie dann in einer Zeitlupenbewegung bis zur linken Schulte und führe die Hand dann in einem dramatischen Halbbogen zum Tisch. Dem Gegner wird hier signalisiert: „Hier wird nicht irgendeine Karte ausgespielt. Hier kommt das Schicksal, dass Dich im in diesem Spiel vernichten wird.“ Außerdem hast Du beim Ausspielen noch eine halbe Sekunde Zeit, im letzten Augenblick zu checken, ob Du nicht schon wieder die falsche Karte auf den Tisch legst.
Das Hand-Shuffeln
Was macht man das ganze Spiel mit den Karten in der Hand? Gut – Du kannst sie einfach nur festhalten. Viel beeindruckender ist es aber für den Gegner, wenn Du die Karten fortwährend wandern lässt, also senkrecht vor Dich hältst und in dieser Haltung locker mischst. Dann die Karten zusammenschieben, einmal auseinanderfächern und konzentriert draufschauen. Und wieder von vorne anfangen. Ganz spannend wird es, wenn Du nur noch zwei Karten auf der Hand hast. Dann kannst Du das Tempo deutlich erhöhen. Dabei musst Du nur aufpassen, dass Dir die Karten nicht aus der Hand fallen. (Ab einem gewissen Tempo funktioniert diese Technik auch als Behelfsventilator, der Dir von unten leicht gekühlte Luft zuführt.)
Bei nur einer Handkarte musst Du ein wenig variieren: Am coolsten wirkt es, wenn Du mit der langen Kartenkante leicht auf den Tisch klopfst, die Karte dann verdeckt ablegst, einen prüfenden Blick über Deine ungetappten Länder wandern lässt (das kannst Du auch gut unterstützen durch leises Zählen). Dann die Karte wieder aufnehmen, was Du übrigens hervorragend mit der Draw-Wischertechnik kombiniert kannst. Ohne Handkarte stehst Du dann blöd da – vermeide diese Situation also unter allen Umständen. Solltest Du doch mal ohne Karten da sitzen, dann verschränke Deine Hände und drehe Däumchen. Damit demonstrierst Du dem Gegner: „Mach mal hinne. Wenn Du ein bisschen schneller spielen würdest, dann hätte ich wieder eine Karte in der Hand.“
Spielzug-Pantomieme
Schweigen ist Gold! Erkläre auf keinen Fall, was Du gerade so spielen willst, sondern führe Deine Spielzüge mit Gesten durch. Das ist besonders eindrucksvoll bei Sprüchen, die mehrere Steps beinhalten (z.B. Grab the Reins mit Entwine: Grab the Reins auf Tisch legen, Mana Tappen, mit Finger auf Entwine deuten, mit Finger auf gegnerische Kreatur deuten, dann nochmal auf die Kreatur deuten, dann auf den Gegner zeigen und fragend gucken.). Führt fast immer zu einem „Hä?“ und bringt den Gegner aus seiner Ruhe. Außerdem hast Du nochmal ein paar Sekunden Zeit, um festzustellen, ob Du Dich grade nicht schon wieder frisierst (dabei hilft der Gegner sogar meistens mit Fragen wie: „Meinst Du das jetzt so oder so?“ und kannst dann noch reagieren mit einem: „ne, ne, natürlich meinte ich das so!“.)
Alternativ: Spielzug-Protokoll:
Alternativ zur Spielzug-Pantomieme kannst Du auch das Gegenteil machen: Erkläre alles was Du machst – bis in Detail! Lass nichts aus! Sag jede, aber auch wirklich jede Spielphase an.
Hierbei ist eine gute Mischung aus deutscher Ansage mit englischen Regelbegriffen besonders effektiv. Das sieht dann in etwa so aus:
>> Untap step, ich enttappe meine 2 Gebirge und das einzelne Artefaktland „Great Furnace“, ich enttappe auch noch den getappten „Slith Firewalker“ mit dem einen Counter darauf. Ich wechsel in den Upkeepstep. Es triggern keine Abilities und ich bekomme jetzt Priority. Die werde ich nicht nutzen. Ich gebe Priority an Dich weiter. Machst Du was? Nein. Dann kommt jetzt der Draw-Step. Nach den neuen Regeln ziehe ich jetzt erst mal eine Karte. Es triggern keine Abilities und ich bekomme jetzt Priority. Die werde ich nicht nutzen. Ich gebe Priority an Dich weiter. Machst Du was? Nein. Gut. Dann wechsel ich jetzt über in meine erste Main-Phase. Ich lege ein Gebirge, ungetappt..... <<
Dein Gegner ist spätestens nach dem fünften „Ich lege ein Land: Gebirge, ungetappt“ mega-angenervt und wird dadurch unkonzentrierter, weil er unbedingt dieses Spiel hinter sich bringen will. Bei guten Spielern, die so was wenig beeindruckt, kann man wenigstens noch ein 0-0-draw erspielen, weil man so viel Zeit verbrät.
Lebenspunkte festhalten
Einfache Würfel oder langweilige Zahlen auf einen Block schreiben kann jeder. Als richtig guter Spieler solltest Du geistige Stärke zeigen und auch das Punkte-Zählen zu einer geistigen Herausforderung machen. Verwende also eine möglichst komplizierte Methode, Deine Lebenspunkte festzuhalten. Beliebt sind hier die Duellist-Abakus-Rechenschieber. Ebenfalls beliebt ist auch die „echte Kartenlösung für Puristen“, in dem Du Magic-Karten mit Ihrem Rücken nach oben auf den Tisch legst, senkrechte Karten für 5 Lebenspunkte und waagerecht hingelegte Karten für einen Lebenspunkt. Oder umgekehrt. Verwirrt den ungeübten Gegner ungemein.
Witzig ist auch die harte Methode: einfach für jeden Lebenspunkt ein Gummibärchen hinlegen und bei Lebenspunktverlust aufessen. Hierbei solltest Du unbedingt auf Life-Gain-Strategien verzichten, weil Bauchschmerzen in der fünften Runde nicht grade weiterhelfen.
Das Fingerhakel-GO:
Wie mache ich meinem Gegenspieler klar, dass meine Möglichkeiten für diesen Zug erschöpft sind und er mit seiner Runde dran ist (ich weiß, ich weiß, gute Spieler halten immer einige Optionen auf der Hand und geben trotzdem Ihre Runde ab. Ich bin halt noch nicht so weit und spiele immer alles aus was geht und zeig dem Gegner mit voll ausgetappten Ländern, dass ich auch wirklich keine Tricks mehr auf der Hand habe).
Die spannendste Geste, die ich hier bisher gesehen habe, nenne ich mal das
Fingerhakel-GO: Halte Deine rechte Hand so, dass sie locker mit dem Zeigefinger
nach vorne auf einen Gegenstand deutet. Als Ersatz für den Gegenspieler kannst du dabei irgendeinen Gegenstand nehmen. Ich benutze immer ein Bild meiner Schwiegermutter, damit das richtige Wettkampf-Feeling aufkommt. Und dann versuchst Du mit diesem Zeigefinger mit einer schnellen rührenden Bewegung ein Ei in die Luft zu malen. Ich hab zwar noch nicht begriffen, wo diese Bewegung herkommt (hat vielleicht was mit dem Eiersymbol aus der Unglued-Serie zu tun), scheint aber beliebt zu sein. Und ist echt schwer!
Sollte der Gegner begriffsstutzig sein und die Bewegung nicht verstanden haben, sag auf keinen Fall irgend so was wie „Dein Zug“, sondern wiederhole die Fingerhakel-Go-Bewegung und schaue ihm (oder ihr) dabei gelangweilt in die Augen.
Den Judge rufen
Ganz nett ist auch immer der Judge-Ruf. Ein Grund dafür findet sich immer. Legt der Gegner in Runde drei schon wieder ein Land, kannst Du z.B. das Deck checken lassen, weil Du den Verdacht hast, dass Dein Gegner gestackt hat oder so was. Und dem Gegner so auf nette Art zu zeigen, dass man meint er sei ein Cheater, bringt fast jeden aus der Fassung. Wichtig ist, dass der Judge-Ruf leicht gelangweilt und arrogant rüberkommt. Ganz lässig den Arm hochheben und nur grade so laut rufen, dass der nächste Judge das mitbekommt. Dein Gegner wird von da an bei jeder Armbewegung Deinerseits zusammenzucken. Blöd ist nur, wenn der Headjudge Justus heißt, das mitbekommt und Du ein Warnings wegen „fairplay“ verbraten bekommst.
Mit Sicherheit gibt es da noch so eine ganze Menge, was man noch so anstellen könnte, um den Pro raushängen zu lassen, aber das ist schon man ein Einstieg. Vielleicht habt Ihr ja auch noch ein paar Ideen?
Gruß
Rainer
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