Eternal
Legacy Guide: Grand Prix Straßburg
von Marc Tobiasch
07.04.2013

Wie ihr sicherlich alle wisst, wird nächste Woche in Staßburg ein Legacy-Grand-Prix stattfinden. Von der Distanz ist Straßburg mit der nächste GP in dieser Saison, doch was das Format angeht, hat er eine eher abschreckende Wirkung auf viele Leute, mit denen ich auf anderen Grand Prix gesprochen habe. Ich kann mir vorstellen, dass viele Leute, die primär Standard und Limited spielen, zu Legacy nur schwer einen Draht spannen können. Was zum einen sicherlich daran liegt, dass die Anschaffungskosten sehr hoch sind (für ein Playset eines Duals bekommt man schon fast ein ganzes Standarddeck), zum anderen aber mit Sicherheit auch an den ungewohnten Interaktionen und dem exorbitant höheren Powerlevel, welche im größten unterstützten Eternalformat zum Alltag gehören.


Um einigen von euch, die Interesse daran haben, in Straßburg mitzuspielen, den Zugang zu erleichtern, werde ich versuchen, im Folgenden sowohl die gängigen Kräfteverhältnisse und das "Meta" zu erläutern als auch ein paar einsteigerfreundliche Deckempfehlungen zu machen.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, was mich geritten hat, mir anzumaßen, hier als Experte aufzutreten; von daher sollte ich mich eventuell zunächst kurz vorstellen. Mein Name ist Marc Tobiasch und seit dem Fall des Ratingsystems, dessen Vorteile ich nutzen wollte, solange es noch ging, spiele ich bei den meisten gut erreichbaren Grand Prix mit. Der große Durchbruch bleibt zwar sowohl auf der Grand-Prix- als auch auf der Pro-Tour-Ebene noch aus, aber mit einigen Moneyfinishes bin ich dem Rules-Enforcement-Level Professional nicht fremd. Nichtsdestotrotz gilt meine wahre Leidenschaft jeher den Eternalformaten und ich lasse keine Gelegenheit aus, zum Beispiel an großen Eternalwochenenden den Absurditäten zu frönen, welche eben nur durch die mächtigsten Karten ermöglicht werden, die jemals gedruckt wurden.

Genug Blabla? Ihr wollt endlich Decklisten sehen? Nun gut, bevor ihr alle wutschnaubend das Weite sucht …


Das einsteigerfreundliche Deck schlechthin ist Mono-Red Burn. Wegen seiner atemberaubenden und schwer zu meisternden Komplexität auch bekannt als "Stupid Burn", erlebte es vor einigen Monaten eine Art Renaissance. Diese fand jedoch ein jähes Ende, weil es auf einmal auf dem Radar war und demensprechend rausgehatet wurde. Die Zeit ist jedoch reif für ein Comeback aus Gründen, auf die ich gleich eingehen will. Zuerst jedoch die Liste, wie ich sie für Straßburg empfehlen würde:


1 Barbarian Ring
4 Wooded Foothills
4 Arid Mesa
4 Bloodstained Mire
1 Taiga
5 Mountain

4 Lightning Bolt
4 Lava Spike
4 Chain Lightning
4 Fireblast
4 Price of Progress
4 Rift Bolt
3 Flame Rift


4 Goblin Guide
3 Grim Lavamancer
4 Vexing Devil
3 Keldon Marauder

Sideboard:

3 Faerie Macabre
2 Pyrostatic Pillar
2 Mindbreak Trap
2 Searing Blaze
1 Sulfuric Vortex
2 Krosan Grip
3 Red Elemental Blast


Das Spielprinzip ist recht offensichtlich – Gebirge legen, Gegner wegbrennen – und trägt maßgeblich zur Einsteigerfreundlichkeit bei, da man ja nicht wissen muss, was der Gegner spielt, um ihn wegzubrennen. Zudem ist es eins der günstigsten Decks im Format.

Warum ist dieses Deck empfehlenswert? Dafür muss ich zunächst meine Drohung von eben bezüglich der "Meta"-Erläuterung wahrmachen. Das Metagame im Legacy beruht auf einer Art Kreislauf, der hin und wieder durch neue Karten erschüttert oder aufgerüttelt wird. Das Kräftemessen der Archetypen Control, Aggro und Combo, welches in den meisten Formaten in irgendeiner Form vorhanden ist (im Standard momentan grob: UWR>Naya-Blitz>Reanimator>UWR) besteht auch im Legacy, wenngleich etwas umfangreicher.


Harte oder "reine" Controldecks sind im Legacy aufgrund der großen Menge an Strategien, gegen die man gewappnet sein muss, eher selten und der einzige erfolgreiche Vertreter ist UW-Miracles, welches auf der Interaktion von Sensei's Divining Top mit Terminus und Counterbalance beruht. Ansonsten gibt es noch eine Reihe Aggrocontroldecks, die auf der Countermagie-Seite der Dinge liegen. Dazu zählen vor allem "Stoneblade" (Stoneforge Mystic, Batterskull, Jace, the Mind Sculptor, im Prinzip das alte Standarddeck mit Force of Will und Swords to Plowshares) und BUG- beziehungsweise RUG-Tempo (billige Kreaturen wie Tarmogoyf und Delver of Secrets im Zusammenspiel mit Wasteland und kostenlosen Countern wie Daze und Force of Will).

Als Aggro definiere ich im Gegensatz dazu die Art von Deck, welches ohne Counter und Cantrips auskommt und den Gegner mithilfe von Kreaturen auf null Leben befördern will. Hiervon gibt es ein ganzes Spektrum, angefangen bei Decks wie Zoo (Wild Nacatl and friends plus Burnspells) und Goblins (kleine grüne Männer halt) bis hin zu Jund (Discard, Tarmogoyf, Bloodbraid Elf) und Maverick (Grün-Weiß, nutzt Utility-Kreaturen wie Knight of the Reliquary und Qasali Pridemage, welche mit Green Sun's Zenith rausgesucht werden), welche auch als "Midrange" klassifiziert werden könnten. Wie diese Art Decks funktionieren, kann sich wohl jeder ungefähr denken.

Combo lässt sich in vier Kategorien unterteilen: Storm, Show and Tell, Dredge und Belcher, und ist sicherlich für den größten Teil der gegen Legacy gehegten Antipathie verantwortlich. Belcher bezieht seinen Namen von der Karte Goblin Charbelcher und bezeichnet Decks, welche null bis zwei Länder enthalten und einfach im ersten Zug gewinnen wollen. Nicht alle Decks in dieser Kategorie beinhalten Goblin Charbelcher, aber alle versuchen, mit Ritualen mehr und mehr Mana zu generieren und dann irgendwie zu gewinnen … oder das war's. Man stelle sich einen Spieler vor, der wirklich immer all-in geht.

Dredge basiert auf der gleichnamigen Mechanic aus dem ersten Ravnica-Block und spielt ausschließlich aus dem Friedhof. Von dort werden mithilfe von Bridge from Below und Flashbacksprüchen wie Cabal Therapy und Dread Return enorme Horden von Zombies beschworen, die es auf das Gehirn des Gegners abgesehen haben … yum.


Show and Tell basiert auf der gleichnamigen Karte und möchte damit viel teurere Permanents ins Spiel bringen, als man jemals ausspielen könnte. Dazu gehören vor allem Emrakul, the Aeons Torn, Griselbrand, Omniscience und Hive Mind. In der Regel ist man einfach tot, wenn der Gegner es schafft, Show and Tell zu resolven. Sogenannte Sneak&Show-Decks verwenden zusätzlich noch Sneak Attack.

Storm gibt es in zahlreichen Variationen, doch ob mit Ad Nauseam, Past in Flames oder High Tide hantiert wird, am Ende folgt ein Spruch (Tendrils of Agony, Empty the Warrens oder Brain Freeze), der für jeden vorigen kopiert wird und das Spiel in der Regel sofort beendet. Die meinsten dieser Decks sind primär schwarz und blau und enthalten viele billige Cantrips wie Brainstorm und Ponder, Discard wie Duress und Extramanaquellen wie Dark Ritual und Lion's Eye Diamond, um die nötigen Sprüche für tödliche Tendrils of Agony zu finden und ausspielen zu können.

Unabhängig davon, welches dieser Combodecks einem gegenübersitzt, wenn man sie nicht behindert oder selbst vorher das Spiel beendet, wird man nur in seltenen Fällen den fünften Zug zu sehen bekommen.


Was hat das alles jetzt mit Burn zu tun? Burn ist im Endeffekt ein Combodeck, welches schwer durch punktuelle Disruption auszuschalten, dafür aber extrem leicht durch Karten wie Counterbalance und Lifegain zu haten ist. Durch die Return to Ravnica-Rares Abrupt Decay und Deathrite Shaman haben Aggro- (oder Midrange-)Decks einen enormen Auftrieb erfahren und Counterbalance zum größten Teil verdrängt (kurioserweise kann man sich auf seinen Counterbalance/Sensei's Divining Top-Softlock nicht mehr verlassen, wenn der Gegner Abrupt Decay hat …). Decks wie Jund versuchen, mit den oben aufgelisteten Combodecks über Discardspells wie Thoughtseize zu interagieren. Wenn man allerdings nicht auf bestimmte Karten beziehungsweise Interaktionen angewiesen ist, sondern im Prinzip auf jeder Karte „drei Schaden an den Kopf“ steht, dann sieht man es gerne, wenn der Gegner Karten, Mana und Leben ausgibt, um eine davon wegzunehmen.

Das war zugegebenermaßen sehr viel Theorie, also auf zur nächsten Deckliste! Jund:


3 Wasteland
4 Grove of the Burnwillows
3 Badlands
2 Bayou
4 Bloodstained Mire
1 Graven Cairns
4 Verdant Catacombs
1 Wooded Foothills
1 Swamp

4 Liliana of the Veil
4 Thoughtseize
4 Punishing Fire
3 Lightning Bolt
3 Hymn to Tourach
3 Abrupt Decay


4 Dark Confidant
4 Tarmogoyf
4 Deathrite Shaman
4 Bloodbraid Elf

Sideboard:

3 Pyroblast
1 Sylvan Library
3 Mindbreak Trap
2 Faerie Macabre
1 Nihil Spellbomb
2 Duress
2 Engineered Plague
1 Thrun, the Last Troll


Eines der Top-Tier-Decks des Formats momentan. Gegen Kombo hat man viel Discard und (postboard) Counter und dazu eine ordentliche Clock, gegen Kontrolle hat man Kartenvorteil durch Dark Confidant, Liliana of the Veil und Bloodbraid Elf und gegen Aggro unendlich Removal durch Grove of the Burnwillows plus Punishing Fire. Warum liste ich das dann als einsteigerfreundlich auf? Erst mal ist gerade die Modern PTQ-Season vorbei und wer sich etwas mit dem Format beschäftigt hat, hat unter Umständen schon einmal was von Jund gehört. Auch das weit verhasste Standard-Jund im Alara-Block oder sogar das jetzige Jund-Midrange im Standard basieren auf sehr ähnlichen Prinzipien: Kreaturen spielen, die eigentlich zu gut für ihre Manakosten sind, die gegnerischen Kreaturen abrüsten und mit Discard verhindern, dass der Gegner sich wehren kann. Dieses Prinzip, einmal verinnerlicht, wird einem das Jund-Spielen auch im Legacy erleichtern. Was man allerdings bedenken sollte, ist, dass man mit Jund im Legacy in den meisten Matchups eher die Control-Rolle einnimmt, da man später im Spiel meistens die Oberhand hat.

Als Nächstes möchte ich Zoo vorstellen:


4 Wooded Foothills
1 Forest
1 Mountain
4 Windswept Heath
2 Taiga
2 Savannah
1 Plateau
1 Plains
2 Horizon Canopy
3 Arid Mesa

4 Wild Nacatl
4 Tarmogoyf
3 Grim Lavamancer
2 Qasali Pridemage
4 Kird Ape
4 Loam Lion
1 Scavenging Ooze


4 Lightning Bolt
4 Lightning Helix
1 Sylvan Library
4 Path to Exile
4 Chain Lightning

Sideboard:

3 Faerie Macabre
3 Mindbreak Trap
2 Gaddock Teeg
1 Sylvan Library
3 Pyroblast
2 Krosan Grip
1 Ancient Grudge


Zoo ist auch in letzter Zeit kaum noch zu finden, aber meiner Meinung nach für Straßburg eine gute Wahl. Durch die hohe Threat-Dichte ist es gegen Discard sehr gut aufgestellt, Punishing Fire tötet kaum eine der vielen Kreaturen und durch die extrem niedrige Kurve sind auch die Tempodecks leichte Beute. In Spiel 1 kann man teilweise selbst die Combodecks racen und nach dem Boarden stellt man sie oft vor das Problem, dass sie nicht durch die geboardeten Karten gewinnen können, bevor man sie auf null befördert.

Als Letztes möchte ich noch kurz über Sneak&Show schreiben. Dieses Deck ist zwar für den Legacy-Neuling weniger erschwinglich (Jund ist zwar auch teuer, aber viele von den benötigten Karten hat man vielleicht schon aus dem Modern) aber wenn man die Möglichkeit hat, an die Karten zu kommen, und mal wirklich mächtige Sachen machen will, ist dieses Deck am besten geeignet, da man nicht wie bei Belcher gegen vorbereitete Gegner sofort verliert, gleichzeitig aber auch nicht unbedingt wissen muss, was der Gegner spielt und was man alles umspielen muss.


2 City of Traitors
3 Ancient Tomb
1 Mountain
2 Island
3 Volcanic Island
4 Scalding Tarn
2 Polluted Delta
1 Arid Mesa

4 Show and Tell
4 Sneak Attack
4 Brainstorm
4 Ponder
4 Force of Will
3 Daze
2 Spell Pierce
4 Lotus Petal
2 Misdirection
1 Preordain
3 Intuition


4 Emrakul, the Aeons Torn
3 Griselbrand

Sideboard:

3 Pyroclasm
3 Pyroblast
1 Flusterstorm
2 Pithing Needle
4 Leyline of Sanctity
2 Grafdigger's Cage


Der Plan besteht vergleichsweise simpel daraus, eine Kombination von Kreatur und entweder Sneak Attack oder Show and Tell zu finden (entweder mit Intuition oder den Cantrips) und sie dann mit seinen Countern durchzubringen. Karakas ist zwar eine Karte, die man fürchten muss, da man sie nicht countern kann, doch mit Sneak Attack (oder Show and TellGriselbrand ⇒ Draw 7 ⇒ Sneak Attack) und Pithing Needle aus dem Sideboard kann man auch dagegen viel machen.

Das war's von mir. Falls ihr Fragen habt, könnt ich mich auch gerne auf Facebook (Marc Tobiasch) oder Twitter (@MarcTobiasch) anschreiben. Ansonsten hoffe ich, dass ihr zahlreich in Straßburg erscheint und Gefallen and dieser Zusammenfassung gefunden habt.

So long …
Marc
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